Ausstellung im GrazMuseumEin jüdisches Jahrhundert auf Schellack & Vinyl

Von Schellackplatten und Grammophon zu LPs, Plattenlabels und Popmusik: Die Geschichte der Schallplatte ist auch eine Geschichte jüdischer Erfinder, Musiker, Komponisten, Musikproduzenten und Songwriter. Diesen teils berühmten, teils vergessenen Menschen widmet sich die Schau "Jukebox. Jewkbox!" im GrazMuseum.

Grammophon von Emil Berliner © Jüdisches Museum Hohenems
 

"Die Entwicklung des Massenmediums Schallplatte und der Technik, diese abzuspielen, war stets eine Geschichte von Juden", die Erfinder wurden, weil sie als Migranten aus einer meist sehr traditionellen Welt in die Moderne geworfen wurden und sich selbst neu erfinden mussten", weiß Hanno Loewy. Wie viele dies gewesen seien, sei ihm erst im Laufe der Recherche zu "Jukebox. Jewkbox!" klar geworden., sagt der Kurator und Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, in dem die Schau "Jukebox. Jewkbox!" 2014 erstmals zu sehen war und nach Stationen in München, Frankfurt, London, Warschau und Amsterdam ab nun auch im GrazMuseum zu sehen (und zu hören) ist.

Beginnend mit der Erfindung des ersten massentauglichen Grammophons 1887 durch den in den USA lebenden deutschstämmigen Juden Emil Berliner, reihten sich zahlreiche Neuentwicklungen mit jüdischer Handschrift bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts aneinander. So war es etwa ein Sohn jüdischer Einwanderer aus Warschau und Riga - der junge Grafiker Alex Steinweiss -, der seine Chefs bei Columbia 1939 überzeugte, die Schellackplatte nicht mehr in neutralen Hüllen, sondern in individuell gestalteten Covers zu verkaufen. Und auch die Erfindung der Schallplatte aus Vinyl, die sich mit 33,5 Umdrehungen pro Minute abspielen lässt und damit längere Aufnahmen möglich macht, geht auf einen ungarisch-jüdischen Ingenieur, Peter Carl, zurück.

Aber nicht nur die Technik ist vor dem Hintergrund jüdischer Tradition und Erfahrung entstanden. Auch die Musikgeschichte des letzten Jahrhunderts spiegelt sich darin wieder. Man habe im Vorfeld der Sonderschau lange diskutiert, was jüdische Musik ist, erzählte Loewy. Eindeutige Kriterien zu finden sei schwer. Deshalb rege die Ausstellung auch nur an, sich darüber Gedanken zu machen, "endgültig beantworten können wir die Frage nicht". So sei zwar klar, dass die Musik einer Größe wie Bob Dylan nicht als an sich jüdisch bezeichnet werden könne, "aber wäre sie in dieser Form möglich, ohne die Erfahrungen Dylans in seiner Familie?"

In den Ausstellungsräumen im 2. Stock des GrazMuseums in der Sackstraße, die an Plattenläden aus den 1960er und 1970er Jahren erinnern, spannt die Ausstellung einen Bogen von der Technik über jüdische Musik verschiedenster Genres bis hin zur Youtube-Ära. Über Kopfhörer und Touchpads kann man aus einer Vielzahl von Aufnahmen aus einem Jahrhundert Schallplattengeschichte wählen. Ergänzt werden die Musikbeispiele von persönlichen Erinnerungen 43 jüdischer Menschen im Alter zwischen 34 und 100 Jahren aus allen Teilen der Welt. Auf Deutsch und Englisch erzählen sie, mit welchen persönlichen Lebensereignissen sie eine spezifische Schallplatte verbinden.

"Jukebox. Jewkbox! Ein jüdisches Jahrhundert auf Schellack und Vinyl": 8. Februar bis 24. April im GrazMuseum, Sackstraße 18. Tel. (0316) 872-7600, www.grazmuseum.at

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