Film der Woche"In the Heights": Ein Film als Gute-Laune-Maschine

Der „Hamilton“-Macher und der „Crazy Rich“-Regisseur schufen ein Musical, das den Alltag der Latinos in New York skizziert – laut, vergnüglich und bunt.

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Eine Fiesta in und eine Hommage an New York: der Musicalfilm "In the Heights" © Warner Bros.
 

Musicals auf der Kinoleinwand können ganz schön schnell in die Hose gehen mit ihrer überdrehten Ästhetik und der Angewohnheit, dass jederzeit jeder der Protagonistinnen und Protagonisten grundlos und ohne Vorwarnung zu singen beginnen kann. Und: Den Tönen folgen in der Regel viele bunte Tanzbewegungen.
Auf „Hamilton“-Macher Lin-Manuel Miranda können sich auch Menschen verlassen, die kein ausgeprägtes Faible für Musicals haben. Seine Broadway-Hits bzw. die dazu passenden Filme glänzen mit fetten Beats, rasanten Schnitten und inhaltlich leuchten sie auch Themen abseits des Liebesromantik-Mainstreams aus. Im Erfolgswerk „Hamilton“ – zu streamen auf Disney+ – schlüpfte Mastermind Miranda auch in die Titelrolle und verkörperte den Gründervater der Vereinten Staaten.
„In the Heights: Rhythm of New York“ schrieb er als 19-Jähriger, 2008 feierte es am Broadway in New York seine viel bejubelte Uraufführung. Für die Leinwandversion holte er Jon M. Chu als Regisseur an Bord, der zuletzt mit der Romanze „Crazy Rich“ und seinem rein asiatischstämmigen Ensemble einen veritablen Erfolg einfuhr.


„In the Heights“ ist ein leichtfüßiger Sommerfilm mit vielen angeteaserten ernsten Themen von Gentrifizierung, Abschiebung, Bildungsaufstieg bis Rassismus. Die fantastischen Massenchoreografien auf der Straße, auf Feuerleitern oder im Schwimmbad machen gute Laune. Vor allem aber ist das Musical eine herzerwärmende Hommage an New York, das nördliche Grätzel Washington Heights sowie seine Latino-Community, die in erster, zweiter oder dritter Generation aus Puerto Rico, der Dominikanischen Republik oder Kuba stammt.


In Rückblenden erzählt wird die Geschichte vom Mittzwanziger Usnavi (Anthony Ramos), der in einem Minisupermarkt jobbt. Hier treffen sich die Menschen des Grätzels, man teilt die Sorgen, das Leid, die Freude. Man hält und feiert zusammen. Usnavi hat wie jede und jeder hier einen Traum von einem besseren Leben, vom Weggehen, vom Glücklichwerden. So frei von Ironie wurde schon lange keine Geschichte mehr vom amerikanischen Traum erzählt, von dessen Scheitern übrigens auch nicht. Die in Hollywood unterrepräsentierte Gruppe der Latinos bekommt hier die große Bühne wider ihre Unsichtbarkeit. Das junge Ensemble betört mit seinem Gesang und seiner Spielfreude.


Und auch wenn die Macher für die Besetzung der Hauptrollen aus überwiegend Latinos mit weißer Hautfarbe kritisiert wurden, ist der Film ein starkes Statement. Ein aufgedonnert gut gelauntes dazu.

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