Film der Woche"Der seidene Faden": Genie und Wahnsinn

Daniel Day-Lewis hat angekündigt, seine Karriere zu beenden. Bevor es so weit ist, läuft er im oscarnominierten Drama noch einmal zur Höchstform auf. Neu im Kino.

Daniel Day- Lewis, hier mit Vicky Krieps, verkörpert den spleenigen Modezampano Reynolds Woodcock beängstigend authentisch © AP
 

Mit sechs Nominierungen startet Paul Thomas Andersons Liebesdrama ins Rennen um die heurigen Oscars. Gute Chancen auf eine goldene Statue hat Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis, der bekannt dafür ist, sich akribisch auf Dreharbeiten vorzubereiten. Auch für seine Rolle als exzentrischen Modedesigner in „Der seidene Faden“ hat der gefragte Hollywoodstar keine Mühen gescheut.

Der 60-jährige Method Actor studierte nicht nur Haute-Couture-Entwürfe renommierter Modehäuser, sondern griff auch selbst zu Nadel und Faden und erlernte in einem Schnellsiedekurs das Schneiderhandwerk.

Das (filmische) Resultat kann sich sehen lassen: Day-Lewis spielt nicht einen fiktiven Modezampano, er ist Reynolds Woodcock. Ein spleeniger Damenschneider, der in den 1950er-Jahren die Reichen und Schönen der britischen Gesellschaft einkleidet und ein Modeimperium regiert. Alles im Leben des Kontrollfreaks ist geplant und durchorganisiert, selbst das tägliche Frühstück folgt bizarren Regeln. Der einzige Mensch, von dem er Widerworte duldet, ist seine ältere Schwester Cyril (Lesley Manville), die sich um die finanziellen Belange des Edellabels „House of Woodcock“ kümmert - bis der Einzelgänger seiner späteren Geliebten Alma begegnet.

 

90. Oscars: Das sind die nominierten Schauspieler

Frances McDormand

Ernst unlängst holte sich Frances McDormand für ihre Leistung in "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" den Golden Globe ab, nun könnte ihr dafür auch ein Oscar in der besten Hauptrolle blühen, es wäre ihr zweiter nach "Fargo" (1997).

Margot Robbie

Die australische Mimin Margot Robbie ist zum ersten Mal für einen Oscar nominiert - und zwar für ihre Darstellung der Eiskunstläuferin Tonya Harding in der Filmbiografie "I, Tonya".

Sally Hawkins

Es wäre der erste Oscar für die Britin Sally Hawkins, sie ist als beste weibliche Hauptrolle für den Favoritenfilm "Shape of Water" nominiert.

Saoirse Ronan

Die irische Schauspielerin Saoirse Ronan ist trotz ihrer Jugend bereits zum dritten Mal für einen Oscar nominiert. Dieses Mal könnte es für ihre schon beim Golden Globe ausgezeichnete Leistung in der besten weiblichen Hauptrolle für "Lady Bird" so weit sein.

Meryl Streep

Sie ist die Queen der Oscar-Nominierungen: Meryl Streep ist heuer zum 21. Mal nominiert, drei Goldbuben durfte sie schon mit nach Hause nehmen. Für ihre Leistung als Verlegerin im Historiendrama "The Post" könnte es am 4. März der vierte sein.

Denzel Washington

Hollywoodstar Denzel Washington ist wieder einmal für einen Oscar nominiert - zum neunten Mal. Zwei Mal konnte er den Goldbuben schon mit nach Hause nehmen. Für den Filmkrimi "Roman J. Israel, Esq." könnte nun der dritte Streich folgen.

Daniel Kaluuya

Der britische Schauspieler Daniel Kaluuya ist für den Oscar in der Kategorie beste männliche Hauptrolle im satirischen Mystery-Horror-Thriller "Get Out" nominiert.

Daniel Day-Lewis

Für das 1950er-Drama "Phantom Thread" ("Der seidene Faden") ist Schauspieler Daniel Day-Lewis für die beste Hauptrolle nominiert, drei Oscars in dieser Kategorie hat er schon zu Hause stehen.

Timothée Chalamet

Der 22-jährige US-Schauspieler hat gerade einen Lauf: Timothée Chalamet ist als beste männliche Hauptrolle in der Romanverfilmung "Call Me by Your Name" nominiert.

Gary Oldman

Er gilt als Favorit: Der Brite Gary Oldman ist für seine Verkörperung von Winston Churchill für "Die dunkelste Stunde" für einen Oscar nominiert.

1/10

Die von Vicky Krieps („Colonia Dignidad“) verkörperte Muse ist das exakte Gegenteil von Reynolds: jung, lebensfroh und widerspenstig. In kühlen Bildkompositionen fängt Anderson, der neben Regie und Drehbuch auch für die Kamera verantwortlich ist, die hitzigen Konflikte der beiden um die Vorherrschaft in ihrer Beziehung ein. Obwohl es der gediegenen Inszenierung an Esprit fehlt und die Protagonisten seltsam unnahbar wirken, spürt man, dass „Der seidene Faden“ für Anderson und Day-Lewis nicht einfach ein weiteres Filmprojekt, sondern eine Herzensangelegenheit ist.

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