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Europäischer Filmpreis"Der Rausch" von Thomas Vinterberg räumte ab

Bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch, bester Hauptdarsteller: Die Tragikomödie "Der Rausch" von Thomas Vinterberg wurde von der Europäische Filmakademie am Samstagabend (12. Dezember) in Berlin zum großen Sieger erkoren.

Drei Hauptpreise für "Der Rausch" von Thomas Vinterberg, in dem sich Mads Mikkelsen dem Alkohol ergibt © Viennale
 

Die Tragikomödie "Der Rausch" von Thomas Vinterberg (51) wurde als bester europäischer Film des Jahres ausgezeichnet. Das gab die Europäische Filmakademie am Samstagabend (12. Dezember) in Berlin bekannt. Nominiert gewesen waren unter anderem auch "Undine", die Literaturverfilmung "Berlin Alexanderplatz" sowie die Dramen "Martin Eden", "Corpus Christi" und "The Painted Bird". Aus Österreich gab es heuer keine Nominierung.

Der dänische Filmemacher Vinterberg erhielt auch den Europäischen Filmpreis für die beste Regie und das beste Drehbuch. Vinterberg ("Das Fest", "Am grünen Rand der Welt") bedankte sich in einer Videoschaltung "Ich bin sehr stolz." Wegen der Pandemie wurden die Auszeichnungen diesmal in einer Online-Zeremonie verliehen. Und noch ein Preis für "Der Rausch": Der Däne Mads Mikkelsen gewann den Preis für den besten Schauspieler. Die Akademie zeichnete den 55-Jährigen für seine Rolle als Mikkelsen als Lehrer aus, der mit anderen Männern ein Experiment wagt: Sie wollen sich konstant betrinken, um die Möglichkeiten von Alkohol auszutesten. Mikkelsen war per Videoschaltung zugeschaltet.

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Vier Freunde, Lehrer an der gleichen Schule, die in Routinen feststecken, unternehmen ein Experiment: Wie lebt und arbeitet es sich mit einem konstant erhöhten Alkoholpegel im Blut? Prächtig zunächst, doch freilich fordert die Droge ihren Tribut. Im Zentrum dieser rasanten und bitter komischen Darstellung der einschmeichelnden Herrschaftsmethoden von König Alkohol steht Mads Mikkelsen. Er spielt die Verzweiflung seiner Figur über die eigene existenzielle Ödnis und ihre Hoffnung auf Rettung mit herzerweichender Intensität. Und stellt doch nur eine von vielen Facetten dar dieser, ja, nüchternen Analyse von Grund und Wesen eines gesellschaftlichen Dauerrauschs.
(Alexandra Seitz auf der Homepage der Viennale, wo "Der Rausch" heuer Ende Oktober lief)

Als beste Darstellerin wurde die Deutsche Paula Beer ausgezeichnet. Die 25-Jährige wurde für ihre Rolle im Liebesdrama "Undine" prämiiert, für die sie bereits den Silbernen Bären bei der Berlinale gewonnen hatte. Im Film von Regisseur Christian Petzold spielt sie eine Historikerin, die sich in einen Industrietaucher (Franz Rogowski) verliebt. Mit der Geschichte wird ein alter Nixenmythos aus der Romantik ins Berlin der Gegenwart geholt. Als beste Schauspielerin war auch die deutsche Darstellerin Nina Hoss nominiert - im Film "Schwesterlein" spielt sie eine Theaterautorin, deren Bruder (Lars Eidinger) an Krebs erkrankt.

Die Gefängnisgeschichte "The Big Hit" war schon am Freitag als beste europäische Komödie des Jahres ausgezeichnet worden. Regisseur Emmanuel Courcol bedankte sich am Freitagabend in einer Videoschaltung. Der französische Film erzählt, wie Häftlinge zusammen das Theaterspielen entdecken. Sie inszenieren Samuel Becketts "Warten auf Godot". Der Film beruhe auf einer wahren Begebenheit, so Courcol. Als bester Animationsfilm wurde "Josep" des Regisseurs Aurel ausgezeichnet. Der gezeichnete Film erzählt von spanischen Flüchtlingen, die 1939 vor Francos Diktatur nach Frankreich fliehen und dort in ein Lager kommen.

Die Preise wurden diesmal an mehreren Abenden hintereinander vergeben. Die eigentlich in Island geplante Verleihung war wegen der Ausbreitung des Coronavirus abgesagt worden. Mit einer Gesprächsrunde hatte die mehrtägige Verleihung  begonnen. Thomas Vinterberg sieht seine Branche in der Pflicht, das Publikum mit besseren Filmen zu überraschen. "Wir müssen Dinge machen, die Leute dazu bringen, ins Kino zu gehen, weil sie etwas anderes sehen wollen", sagte Vinterberg ("Das Fest"). Er diskutierte in einer Videokonferenz mit Kollegen über die Pandemie, das Kino und die Konkurrenz durch Streamingdienste. Sie müssten die Menschen "an die Großartigkeit" der Erfahrung erinnern, zusammen im Kino zu sitzen, sagte Vinterberg - denn es könne ziemlich gemütlich sein, zuhause Filme und Serien zu streamen.

"Ich denke, was auf diesen Streamingdiensten passiert, ist eine sich einschleichende Trägheit des Publikums", sagte Vinterberg. Das sei eine kulturelle Pandemie, die man ernst nehmen müsse. Auch bei Arthouse-Festivals finde er Filme, die sich wiederholten oder mittelmäßig seien. Auch die polnische Regisseurin Agnieszka Holland ("Charlatan") sagte, es brauche bessere Filme.

Der Europäische Filmpreis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen der Branche. Die mehr als 3800 Mitglieder der Filmakademie stimmen über viele Preisträger ab, ähnlich wie bei den Oscars in den USA.

 

 

 

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