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Trauer um einen großen BayernRegisseur Joseph Vilsmaier 81-jährig gestorben

Mit Filmen wie "Schlafes Bruder", "Comedian Harmonists" oder "Herbstmilch" wurde er berühmt. Nun ist der deutsche Regisseur Joseph Vilsmaier im Alter von 81 Jahren verstorben.

© APA/dpa/Tobias Hase
 

Der deutsche Regisseur Joseph Vilsmaier ist am Dienstag im Alter von 81 Jahren gestorben. Das teilte eine PR-Agentur am Mittwoch in München im Auftrag der Familie mit. Filme wie "Schlafes Bruder", "Comedian Harmonists" oder "Herbstmilch" haben ihn weit über Deutschland hinaus bekannt gemacht.

Der "Bayer mit Leib und Seele" war über 50 Jahre im Filmgeschäft tätig und hat viele erfolgreiche Filme in die Kinos gebracht - und dabei sowohl seine Heimat als auch historische Inhalte ("Stalingrad" oder "Die Gustloff") auf der Leinwand präsentiert. Mit "Nanga Parbat" zeigte er die Himalajaexpedition der Bergsteiger-Brüder Reinhold und Günther Messner, die mit dem dramatischen Tod Günthers endete. Einer seiner größten Erfolge war die Verfilmung des Romans "Schlafes Bruder" (siehe Trailer) des Vorarlbergers Robert Schneider, die 1995 sogar ins Rennen um den Oscar ging.

Die Geschichte war für Regisseur Joseph Vilsmaier ein schier unerschöpflicher Hort für Filmideen. Zahlreiche historische Stoffe hat der Münchner inszeniert: "Stalingrad", "Comedian Harmonists", "Die Gustloff" oder "Nanga Parbat". Doch seine größte Leidenschaft galt seiner Heimat. Mit Hingabe, aber dennoch auch mit leicht ironischer Distanz zeichnete er sein Bild von Bayern. "Du brauchst nicht nach Spanien, in die Türkei oder nach Italien, das ist alles viel schöner in Bayern", sagte er einmal der Nachrichtenagentur dpa. "Die Menschen sind wortkarg und haben das Herz am rechten Fleck, sie sind manchmal grantig, manchmal nett, die haben alles drauf", begründete Vilsmaier, den alle in der Branche liebevoll "Sepp" nennen, einmal seine Heimatliebe, die in zahlreichen Filmen seinen Ausdruck fand. So etwa in der Dokumentation "Bavaria - eine Traumreise" - einem musikalisch untermalten Helikopterflug über den Freistaat.

Spätstart als Filmregisseur

Zum Beruf des Regisseurs war Vilsmaier über Umwege gekommen. Nach seiner Kindheit und Jugend in Niederbayern und München studierte er neun Jahre lang Musik, Schwerpunkt Klavier. Er arbeitete als Techniker und musizierte in einer Jazzband. Mit Anfang 20 kam er 1961 zum Film, erst als Materialassistent, später als Kameramann.

Erst mit fast 50 Jahren probierte er sich aus als Regisseur: 1988 inszenierte er "Herbstmilch", einen eindrucksvollen Kinofilm über das harte Leben der niederbayerischen Bäuerin Anna Wimschneider. Mit der Literaturverfilmung "Schlafes Bruder" sorgte er international für Aufsehen und ging 1995 sogar ins Rennen um den Oscar. Nicht minder erfolgreich und mit vielen Preisen überhäuft war auch der Streifen "Comedian Harmonists" über das weltberühmte Vokalensemble aus Berlin. Inzwischen hat er seine eigene Filmproduktion in Grünwald - die Perathon Medien GmbH.

Mit "Nanga Parbat" von 2009, ein Film über die dramatische Himalayaexpedition der Brüder Reinhold und Günther Messner, hatte Vilsmaier weniger Glück. Vor einigen Jahren verurteilte ihn das Oberlandesgericht München, mehr als 150.000 Euro an einen ehemaligen Produzenten zu zahlen. Die beiden hatten um die Finanzierung des Films gestritten.

Während er an "Nanga Parbat" arbeitete, traf Vilsmaier allerdings ein Schicksalsschlag, der weitaus härter war: Anfang Februar 2009, wenige Tage nach seinem 70. Geburtstag, starb seine Frau Dana Vavrova nach schwerer Krankheit.  Danach hatte er in einem Interview erklärt, er gehe nicht mehr auf Beerdigungen und schreibe stattdessen einen Brief: "Ich leide zu sehr auf dem Friedhof. Das tue ich mir nicht mehr an", sagte er im Sommer 2012 der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Mit seiner Ehefrau war der Filmemacher nicht nur privat, sondern auch beruflich eng verbunden, hatte sie doch nach Vilsmaiers Regiedebüt "Herbstmilch" in vielen seiner Werke mitgespielt.

"Der Boandlkramer"

Zuletzt hatte der Münchner mit Michael Bully Herbig und Hape Kerkeling gedreht - die Komödie "Der Boandlkramer und die ewige Liebe", die im November ins Kino kommen soll. Herbig spielt darin den personifizierten Tod, der sich verliebt, Kerkeling ist als Teufel zu sehen. "Joseph, mein lieber Freund, ich werde Dich so sehr vermissen! Dein mitreißendes Lachen, Dein herrliches Schimpfen, Deine einzigartigen Geschichten, Deine schier endlose Energie, Deine Spitzbübigkeit, Dein großes Herz, einfach Alles!", verabschiedete sich Herbig auf Instagram und Facebook.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nannte Vilsmaier ein Ausnahmetalent und erinnerte an Auszeichnungen wie den Bayerischen Filmpreis oder den Bayerischen Verdienstorden. "Millionen Kino- und Fernsehzuschauer waren begeistert von seinen Regiearbeiten. Besonders beeindruckend war die neue Richtung, die er dem Heimatfilm gab", sagte Söder. Der Freistaat werde ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Trauer auch beim FilmFernsehFonds Bayern (FFF): "Er hat bayerische Lebenskunst in seinen Filmen ausgedrückt und mit Kinofilmen wie "Comedian Harmonists" und "Marlene" Denkmäler gesetzt und Klassiker geschaffen", erklärte Geschäftsführerin Dorothee Erpenstein.

Joseph Vilsmaier hinterlässt neben zahlreichen Filmen auch drei erwachsene Töchter, die zum Teil ebenfalls im Filmgeschäft tätig sind. "Wir vermissen unseren Vater und trauern gemeinsam mit unserer Familie und Freunden um einen ganz besonderen Menschen und einen großartigen Filmemacher", teilten Janina, Theresa und Josefina am Mittwoch mit.

Programmänderung

Der ORF zeigt in den nächsten Tagen drei der wichtigsten Filme Vilsmaiers: Am Samstag (15.2.) ist in ORF 1 (23.35 Uhr) "Comedian Harmonists" über das legendäre Ensemble, das Ende der zwanziger Jahre eine Weltkarriere startete und wenige Jahre später Opfer der nationalsozialistischen Rassenpolitik wurde, zu sehen. Am 19.2. gibt es auf ORF III einen Filmabend in memoriam Joseph Vilsmaier, mit den beiden Romanverfilmungen "Herbstmilch" (21.55 Uhr) und "Schlafes Bruder" (23.45 Uhr).

Der BR zeigt heute, Mittwoch, Vilsmaiers Dokumentarfilm "Bayern - Sagenhaft" (22.45 Uhr).

Kommentare (1)

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lieschenmueller
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8
Lesenswert?

Sehr traurig,

obwohl das Alter relativ hoch. Seiner wunderbaren Frau Dana Vavrova war nur die Hälfte vergönnt.

Bemerkenswert war auch noch sein Film "der letzte Zug".