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Neues Oscar MuseumEine futuristische Kugel mit Glasschindeln aus Österreich

Von der Barbra-Streisand-Brücke zur Netflix-Terrasse: Hollywoods neues Oscar-Museum peilt mit Jahresende 2020 die Eröffnung an.

US-ENTERTAINMENT-MOTION PICTURES-MUSEUM
Kuppel für die Filmgeschichte © APA/AFP/VALERIE MACON
 

Jetzt ist es noch eine Baustelle, aber Ende 2020 soll das Academy Museum of Motion Pictures im Herzen der Museumsmeile von Los Angeles endlich seine Pforten öffnen. Der italienische Architekt Renzo Piano entwarf das imposante Multi-Millionen-Projekt für Hollywoods Filmmuseum, das von Prominenten wie Steven Spielberg finanziert wurde. Auch eine österreichische Firma war beteiligt.

Schon seit ihrer Gründung im Jahr 1927 plante die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die jedes Jahr die Oscars vergibt, ein Museum für Filmgeschichte zu eröffnen. Mehr als 90 Jahre später soll es nun endlich soweit sein. Vor den 92. Academy Awards sind viele Journalisten aus der ganzen Welt erschienen, um die (fast fertige) Baustelle zu begutachten.

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Das Modell des imposanten Museumsprojekts Foto © APA/AFP/VALERIE MACON

Bebensichere Stelzen

Man sieht es schon aus der Ferne: In den Himmel ragt eine futuristische Kugel aus Glas, Stahl und Beton. Getragen wird sie von bebensicheren Stelzen, entworfen von Piano, der für Bauten wie das Centre Pompidou berühmt ist. Die spektakuläre Glaskuppel besteht aus 1.500 flachen, speziell gefertigten eisenarmen, laminierten, gehärteten Schindelglasscheiben, die von Saint-Gobain in Steyr (Oberösterreich) in 146 verschiedenen Formen und Größen hergestellt wurden. Mit einem Durchmesser von 45 Metern überspannt die spektakuläre Stahl-Glas-Konstruktion eine riesige Dachterrasse und bietet einen atemberaubenden Blick auf die Hollywood Hills. Noch ist die Aussicht aber nur wenigen vergönnt.

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Spektakulärer Ausguck: die Riesenterrasse unter der Stahl-Glas-Konstruktion Foto © APA/AFP/VALERIE MACON

Jahrelange Verzögerungen

Das rund 390 Millionen US-Dollar (356 Mio. Euro) teure Museum wurde erstmals 2012 angekündigt. Es sollte 250 Millionen US-Dollar kosten und 2017 eröffnet werden, musste sich jedoch von Anfang an mit Kostenüberschreitungen, Verzögerungen bei der Beschaffung von Geldern und konkurrierenden Visionen auseinandersetzen.

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Blick in das nach David Geffen benannte Großraumkino mit 1000 roten Plüschsitzen Foto © APA/AFP/VALERIE MACON

Das Museum besteht aus zwei Baukörpern - dem bisherigen May Company Building, einem ehemaligen Kaufhaus und Musterbeispiel der Stromlinien-Moderne, welches neu renoviert wurde, und der Sphäre mit der ummantelten Dachterrasse. Im Bauch der Sphäre befindet sich ein prachtvolles Großraumkino mit 1.000 roten Plüschsitzen, importiert aus Italien. Der amerikanische Produzent und Philanthrop David Geffen spendete 25 Millionen US-Dollar für das Museumsprojekt. Zu seinen Ehren wurde der Kinosaal "David Geffen Theatre" benannt.

Großspender

Im Gegensatz zu europäischen Konzertsälen, die oft aus der Staatskasse finanziert werden, ist das Filmmuseum auf private Spenden von Einzelpersonen und Filmstudios angewiesen. Als Dankeschön wurden Teile des Gebäudes nach ihnen benannt. Es gibt die Spielberg-Galerie, eine Barbra-Streisand-Brücke und eine Netflix-Terrasse. Einige Pfeiler sind nach Filmgrößen wie Sophia Loren, Tony Curtis oder Rita Moreno benannt, die jeweils eine Million US-Dollar gespendet haben.

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Von außen schon (fast) fertig Foto © APA/AFP/VALERIE MACON

Große Ausstellungen

Das ehemalige Kaufhaus, ein Wahrzeichen von Los Angeles, beherbergt jetzt eine sechsstöckige Galerie, in der die Kuratoren bald mit den ersten Ausstellungen beginnen werden. Noch hält man sich sehr bedeckt hier, was Details betrifft, und die Wände sind leer, aber eine erste Sonderausstellung des Museums ist dem Werk des japanischen Anime-Meisters Hayao Miyazaki gewidmet. Der 79-Jährige ist für Filme wie "Chihiros Reise ins Zauberland" (2001) und "Mein Nachbar Totoro" (1988) bekannt. "Es ist das erste Mal, dass sein Studio Ghibli einer externen Organisation die Möglichkeit gibt, eine Ausstellung über seine Arbeit zu kuratieren", sagt die Deutsche Jessica Niebel, die zum Kuratoren-Team gehört. Nach Abschluss dieser Kunstschau ist die zweite temporäre Ausstellung eine "sehr wichtige Initiative" über "Black Cinema: 1900-1970". "Es wird die größte Ausstellung zu diesem Thema sein, die jemals organisiert wurde", betont Niebel vor der Presse.

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Blick in die künftige Main Lobby Foto © APA/AFP/VALERIE MACON

Steppschuhe und Schreibmaschine

Auf knapp 30.000 Quadratmetern Fläche, über sechs Stockwerke und den Kuppelbau verteilt, soll die Geschichte des Films zelebriert werden. Oscars werden im Museum ausgestellt, ebenso wie andere weniger funkelnde Gegenstände wie der Kopf der Kreaturen aus "Alien" (1979), basierend auf Entwürfen von H. R. Giger. Die Filmakademie begann 1929 mit dem Sammeln von Artefakten und verfügt heute über mehr als zwölf Millionen Fotografien, 85.000 Skripte und 63.000 Filmplakate, darunter Judy Garlands Rubinschuhe aus "Der Zauberer von Oz" (1939), Shirley Temples Steppschuhe und die Schreibmaschine, mit der Joseph Stefano Alfred Hitchcocks "Psycho" (1960) schrieb.

Goldener Zylinder

Eine Besonderheit hat das Museum noch: Der große goldene Zylinder an der denkmalgeschützten Fassade aus dem Jahr 1939 ist mit 350.000 Blattgold-Mosaikstücken verziert. Ein Drittel der Mosaikplättchen musste erneuert werden. Sie wurden beim Originalhersteller in Venedig beschafft.

Es ist unklar, wann das Gebäude für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Die Veranstalter und der Museumsdirekter Bill Kramer bestehen jedoch darauf, dass die Türen irgendwann Ende 2020 geöffnet werden.

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