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Murer - Anatomie eines ProzessesWiener Filmpreise sind vergeben: Justizskandal ist bester Spielfilm

Alte Bekannte, neue Gesichter: Mit dem Gerichtsfilm „Murer – Anatomie eines Prozesses“ und der Doku „Waldheims Walzer“ wurden beim Österreichischen Filmpreis Werke über wahre Begebenheiten ausgezeichnet.

OeSTERREICHISCHER FILMPREIS 2019: INGRID BURKHARD (BESTE WEIBLICHE HAUPTROLLE IN 'DIE EINSIEDLER' )/NICHOLAS OFCZAREK
Beste weibliche Hauptrolle für "Einsiedler": Ingrid Burkhard bekommt ihren Preis von Nicholas Ofczarek überrecht © APA/HANS PUNZ
 

Er war der Abräumer der Diagonale im Vorjahr: der brisante Gerichtsfilm „Murer – Anatomie eines Prozesses“. Darin rollt Christian Frosch den wahren Justizskandal des angesehenen Lokalpolitikers und „Schlächters von Vilnius“ Franz Murer auf, der 1963 trotz belastender Beweise in Graz freigesprochen wurde. Die 400 stimmberechtigten Mitglieder der Österreichischen Filmakademie kürten den Film zum Sieger in der Königsklasse „Bester Spielfilm“.

Nur Frosch, der sich mit dem Verdrängen und Vergessen der Nazivergangenheit beschäftigte, bedankte sich  bei der Bundesregierung: "Ich danke der Regierung, dass sie das
Thema unseres Filmes immer aktuell hält."

"Waldheims Walzer" beste Doku

Nicht weniger realpolitisch ist das als bester Dokumentarfilm ausgezeichnete Werk: Ruth Beckermanns „Waldheims Walzer“ ist eine präzise Analyse des Wahlkampfjahres 1986, die schon bei der Berlinale prämiert wurde.

Bei ihrer Preisrede im Wiener Rathaus sagte die Filmemacherin: „Vor einem Jahr waren alle schockiert, wie aktuell dieser Film ist“, sagte sie. „Nun, ein Jahr später, hat die Wirklichkeit den Film überholt. Die ÖVP ist vom Waldheim auf den Waldhäusl gekommen. Vom Heim zum Häusl.“ Zugleich müsse man der Wahrheit ins Auge schauen:
"Die Mehrheit der Österreicher hat diese Regierung gewählt und steht noch immer hinter ihrer menschenverachtenden Politik. Es soll nur nie irgendwer sagen, er hätte von nichts gewusst", erklärte Beckermann

Österreichischer Filmpreis: Politische Filme und mahnende Dankesreden

Zum besten Spielfilm gekürt: "Murer - Anatomie eines Prozesses) von Produzent Mathias Forberg, Viktoria Salcher, , Regisseur Christian Frosch und Produzent Adrian Chef

APA/HANS PUNZ

Für die beste Regie (und mit Ika Künzel) für das beste Drehbuch ausgezeichnet: Wolfgang Fischer für "Styx"

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Für die beste weibliche Hauptrolle geehrt: Ingrid Burkhard für "Die Einsiedler"

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Für die beste männliche Hauptrolle geehrt: Laurence Rupp für "Cops"

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Der Preis für den besten Dokumentarfilm geht an die Filmemacherin Ruth Beckermann für "Waldheims Walzer"

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Für die beste weibliche Nebenrolle ausgezeichnet: Inge Maux für "Murer  - Anatomie eines Prozesses"

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Preis für die beste männliche Nebenrolle: Anton Noori für "Cops"

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Für die beste Kamera geehrt: Klemens Hufnagl für "Die Einsiedler"

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Für das beste Szenenbild ausgezeichnet: Andreas Sobotka und Martin Reiter für "Angelo"

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Ausgezeichnet für das beste Kostümbild: Tanja Hausner für "Angelo"

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Für die beste Maske geehrt: Anette Keiser für "Angelo"

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Für den besten Schnitt prämiert: Monika Willi für "Styx"

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Für die beste Musik ausgezeichnet: Bernhard Fleischmann für "L'Animale"

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Für den besten Kurzfilm ausgezeichnet: Bernhard Wenger für "Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin"

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Über die Darstellerpreise durften sich Laurence Rupp (beste männliche Hauptrolle) und Anton Noori (beste männliche Nebenrolle) für den Polizeifilm „Cops“ freuen, der sowohl beim Filmfestival Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken als auch bei der Diagonale als Publikumssieger hervorgegangen war.

Für ihre unglaubliche Leistung in „Die Einsiedler“ geehrt wurde Ingrid Burkhard mit dem Preis für die beste weibliche Hauptrolle. Bei ihrer Dankesrede sagte die 87-jährige Grande Dame: Sie freue sich, vor „lauter aufmüpfigen Individualisten“ zu stehen, plädierte aber dafür, sich nicht nur in dieser Gemeinschaft ("Wir sind einer Meinung") über dringende politische Fragen zu unterhalten, sondern mit anderen zu tun. "Ich habe den Anschluss erlebt und ich habe das meinen Enkelkindern erzählt", sagte sie. Über die Auszeichnung für die beste weibliche Nebenrolle darf sich Inge Maux für ihr Spiel in „Murer – Anatomie eines Prozesses“ freuen.

Politische Reden

Die weitgereichtesten Danksagungen kamen aus Los Angeles, von dem Exil-Zufluchtsort „Villa Aurora“: Regisseur Wolfgang Fischer und Drehbuchautorin Ika Künzel. Das Flüchtlingsdrama „Styx“ erhielt zwei Preise – jenen für die beste Regie und jenen für das beste Drehbuch. Das Buch zum Flüchtlingsdrama auf dem offenen Meer ist bereits neun Jahre alt - eine Geschichte, die lange vor der Realität entstanden ist.

 

 

Klemens Hufnagl, ausgezeichnet für die beste Kamera, holte den Mitnominierten Gerald Kerkletz auf die Bühne, der sich auf der Bühne  - wie andere auch - für die Initiative #KlappeAuf einsetzte. Diesen Appell - "Klappe Auf!" - trägt auch eine im Vorjahr von den Filmemachern gestartete Aktion, die mittlerweile über 100 politische Kurzfilme auf ihrer Homepage versammelt hat.

 


Explizit politisch fielen viele Dankesreden aus und Burgtheaterstar Peter Simonischek las eine präzise, mahnende Gastrede des erkrankten Schriftstellers Martin Pollack. „Wir alle sind der Sprache verpflichtet – im Sinne der Wahrheit und der Menschlichkeit.“

Er warnte vor der Manipulation und dem Missbrauch der Sprache, vor Fremdenfeindlichkeit und Demokratieabbau. Er zitiert die polnische Regisseurin Agnieszka Holland: „In der nächsten Dekade kann alles passieren, sogar das Schlimmste.“ Aber: Für Filmemacher habe das Vorteile. „Sie zwinge dazu, die Zone des Komforts zu verlassen und einen neuen Blick auf die Wirklichkeit und uns selber zu werfen.“

Die Preisträgerinnen und Preisträger

Spielfilm: „Murer“ (Christian Frosch)
Dokumentarfilm: „Waldheims Walzer“
(Ruth Beckermann)
Regie: Wolfgang Fischer („Styx“)
Drehbuch: Wolfgang Fischer, Ika Künzel („Styx“)
Weibliche Hauptrolle: Ingrid Burkhard
(„Die Einsiedler“)
Männliche Hauptrolle: Laurence Rupp („Cops“)
Weibliche Nebenrolle: Inge Maux („Murer“)
Männliche Nebenrolle: Anton Noori („Cops“)
Kamera: Klemens Hufnagl („Die Einsiedler“)
Kostümbild: Tanja Hausner („Angelo“)
Musik: Bernhard Fleischmann („L’Animale“)
Kurzfilm: „Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin“ (Bernhard Wenger)
Maske: Anette Keiser ("Angelo")
Musik: Bernhard Fleischmann ("L'Animale")
Schnitt: Monika Willi ("Styx")
Szenenbild: Andreas Sobotka, Martin Reiter ("Angelo")
Tongestaltung: Claus Benischke-Lang, Thoms Pötz, Sebastian Watzinger ("Cops")
www.oesterreichische-filmakademie.at

Was Politiker zu sagen hatten

Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig bat den anwesenden ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz in seiner Begrüßung, den Abspann bei österreichischen Filmen langsamer laufen zu lassen: "Das ist auch eine Frage des Respekts." Außerdem sagte er steigende Mittel für die Vienna Film Comission zu. Und die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler  wiederum forderte "eine Zivilgesellschaft die aufsteht - früh aufsteht - und die Klappe aufmacht".

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Danke für Ihr Verständnis.

Renner1
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Ein politischer Jahrgang

ist schon richtig. Die Sprecher waren allerdings nur alt-links-linke Jahrgänge.

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tomtitan
1
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Der Geist der 68er

lässt grüßen...

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