Der Erfolgslauf von Adrian Goiginger nimmt kein Ende: In „Die beste aller Welten“ erzählt der Salzburger Regisseur die wahre Geschichte einer heroinabhängigen Mutter, der abenteuerlichen Welt ihres Kindes und ihrer Liebe zueinander – nämlich seine eigene.

Das Langfilm-Debüt des erst 26-Jährigen, eine berührende Hommage an seine 2012 an Krebs verstorbene Mutter Helga, die trotz aller widrigen Umstände im Suchtmilieu eine starke Frau war, überzeugte nicht nur die Kritiker. Der autobiografische Streifen war 2017 mit 78.383 Besuchern auch der zweiterfolgreichste heimische Film in den österreichischen Kinos. Und er räumte von der Berlinale bis zuletzt beim Bayrischen Filmpreis bisher schon 19 Auszeichnungen ab.


Am Mittwochabend (31. Jänner) kamen weitere fünf hinzu: bester Spielfilm, beste Regie, bestes Drehbuch, dazu Ehrungen für seine Darsteller Verena Altenberger (30) und Lukas Miko (46). Goiginger war also der unumstrittene Triumphator bei der Gala des Österreichischen Filmpreises, der seit 2011 jährlich vergeben wird. Auf ebenfalls fünf Auszeichnungen, allerdings in Nebenkategorien, kam sonst nur Barbara Alberts mitfavorisierter Historienfilm „Licht“ über eine blinde Pianistin 1777 in Wien.

Regisseurin Mirjam Unger, Schauspielerin Hilde Dalik und Comedian Christoph Grissemann führten launig durch einen Abend im Auditorium im niederösterreichischen Grafenegg, das die Szenenbildner Conrad Reinhardt und Matthias Götzelmann gemäß dem Motto „Into The Future“ in ein Raumschiff verwandelt hatten.


„Lasst uns abheben, neugierig und gemeinsam in die Zukunft des österreichischen Films!“, gab denn auch Schauspielerin Ursula Strauss die Richtung vor. Als Präsidentin der Akademie des österreichischen Films konnte sie mit der Crème de la Crème der Szene die Sieger in 16 Kategorien feiern, die die von Valie Export gestaltete Trophäe mit heimnehmen durften – die Skulptur einer Wendeltreppe, damit es weiter aufwärts geht.

 Flammender Appell

Mitunterzeichnerin des Appells, Barbara Albert
© APA/HERBERT NEUBAUER

Heimische Filmschaffende haben einen Appell gegen "jegliche Hetze" und für ein "Mehr an Solidarität" veröffentlicht. FPÖ und Boulevardmedien würden das "Gift der Spaltung" verbreiten, hieß es in dem von zahlreichen prominenten Regisseuren und Schauspielern mitunterzeichneten Schreiben. "Leisten wir Widerstand", so der mit dem Hashtag "#klappeauf" versehene Aufruf.

Gestartet wurde er anlässlich der Verleihung des Österreichischen Filmpreises, denn man mache sich "große Sorge über den Zustand unseres Landes", der "gemeinsames Handeln" erfordere. "Seit vielen Jahren wird von Seiten der FPÖ, aber mittlerweile auch von Politikerinnen und Politikern anderer Parteien, unter Mitwirkung der Boulevardmedien Gift in unsere Gesellschaft gespritzt", so die Diagnose. "Intoleranz jeder Art" werde so sprachlich "gesellschaftsfähig", der "Nährboden für Gewalt" bereitet. Der "Koalitionspartner ÖVP toleriert diese Sprache und nutzt sie für seine politischen Zwecke", wird kritisiert. Die "rote Linie" diskriminierender Angriffe werde jeden Tag überschritten.

Die Filmschaffenden, darunter etwa mit Barbara Albert und Adrian Goiginger und mit Hilde Dalik eine der Moderatorinnen des Abends, haben bisher nur "Lippenbekenntnisse" aus der Regierungsecke gehört. Von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und allen ÖVP-Regierungsmitgliedern wird gefordert, "die Zusammenarbeit mit allen Mitgliedern deutschnationaler Burschenschaften und anderer rechtsextremer Organisationen sofort zu beenden".