Was haben die Familie Goëss, die Kärntner Theatergeschichte und die Klagenfurter Uni-Bibliothek gemeinsam? Als großer Förderer des Ständischen Theaters und Sammler von Theaterliteratur bildete die Literatursammlung des ehemaligen Landeshauptmannes Johann Anton von Goëss (1816 – 1887) den Grundstock für die Bibliothek der 1970 gegründeten Hochschule für Bildungswissenschaften (ab 1975 Universität) in Klagenfurt. 

Grüner Samt-Einband mit silbernem Spiegel
Artaserse, 1738. Mit Widmung an den Theatermäzen Graf Goëss. Grüner Samt-Einband mit silbernem Spiegel
© AAU/Herzog

Nun zeigt die Universität Klagenfurt diese "Bühnen-Bibliotheks-Kostbarkeiten". Dafür hat die Familie Goëss weitere historische Bücher als Leihgaben zur Verfügung gestellt. Welche dort zu finden sind? Preziosen aus der langen Kärntner Theatergeschichte. Eines davon ist ein dem Theatermäzen Graf Goëss gewidmetes, in grünen Samt gebundenes und mit Silberpapier im Vorsatz ausgestattetes Textbuch des "Artaserse", ein Drama zur Aufführung im "Claghenfurt" des Jahres 1738. Von den Anfängen der mittelalterlichen Passionsspiele über die Entwicklung des Jesuitischen Schul- und Ordenstheaters bis hin zum Vorläufer des Klagenfurter Stadttheaters von 1910 sind einige Werke – in durch Plexiglas geschützten Vitrinen oder eingescannt und am Computer einsehbar – ausgestellt.

Ausstellung Kostbarkeiten
Ausstellung Kostbarkeiten
© Markus Traussnig

Texte auf Italienisch, Deutsch und Französisch, die das gesamte Theaterspektrum abdecken und zeigen, welche Theaterformen es in der Geschichte gegeben hat: "Es sind außergewöhnliche Theater-Schätze", die bis Ende November im Zeitschriftenlesesaal der Universitätsbibliothek zu bestaunen sind, weiß Christa Herzog, die Leiterin der Sondersammlung der Uni. "Sie sind sehr wertvoll, da etwa das Schultheater von den Universitäten auf die Schulen übertragen wurde und den Schülern als Anhaltspunkt dienen sollte", erklärt Angelika Kemper vom Institut für Germanistik. Dabei lernten sie etwa die "Rhetorik, das Sprechen und richtige Auftreten vor Publikum und die Inhalte, die sie so oder so wissen mussten." Die zukünftige Bildungselite wurde also durch die Auseinandersetzung mit dem Theater zusätzlich gefördert.