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APA-Serie 100 Jahre Salzburger FestspieleAufgegangene Sterne

Zehn Künstler, denen die Festspiele zum Sprungbrett in den Olymp ihrer Zunft wurden.

HAMPSON NETREBKO
Anna Netrebko, hier mit Thomas Hampson, brillierte im "Don Giovanni" als Donna Anna © AP/RUDI BLAHA
 

Die Salzburger Festspiele haben über 100 Jahre hinweg immer wieder das Aufgehen von neuen Festspielsternen erlebt. Vor allem im Musikbereich diente Salzburg vielen Künstlerinnen und Künstlern als Sprungbrett in Richtung Weltruhm, während man im Schauspielbereich meist eher auf bereits etablierte Stars setzte. Im Folgenden ein Blick auf zehn Festspielkünstler, deren Stern an der Salzach aufging:

6. AUGUST 1947 - FERENC FRICSAY DIRIGIERT "DANTONS TOD"

Geboren beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Sohn eines ungarischen Militärkapellmeisters, begann der junge Ferenc Fricsay seine Dirigentenkarriere zunächst in Budapest. Dort lernte er auch Otto Klemperer kennen, der ihm kurz nach dem Zweiten Weltkrieg das Angebot machte, sein Assistent bei den Salzburger Festspielen zu werden. Und diese Verbindung zu Klemperer bescherte Fricsay alsbald auch seinen internationalen Durchbruch, als er am 6. August 1947 für den an einem Gehirntumor erkrankten, großen Mentor bei der Uraufführung von Gottfried von Einems "Dantons Tod" einsprang. Fricsay setzte seinen Erfolgslauf als Uraufführungsspezialist bei den Festspielen auch in den Folgejahren fort, wo er 1948 für Frank Martins "Le vin herbe" und im Jahr darauf für Carl Orffs "Antigonae" verantwortlich zeichnete. Auch die Häuser und Orchester in Berlin oder München wurden so auf den aufstrebenden Maestro aufmerksam. Gänzlich im Olymp seiner Zunft konnte sich Fricsay dann allerdings nicht mehr etablieren, starb er doch bereits 1963 mit nur 48 Jahren an einer Gallenblasenperforation.

6. AUGUST 1947 - GOTTFRIED VON EINEM WIRD MIT SEINER OPER "DANTONS TOD" BERÜHMT

Für Gottfried von Einem, Sprössling aus einem Elternhaus, in dem Furtwängler und Toscanini verkehrten, war der Weg vorgezeichnet. Nach dem Studium bei Boris Blacher in Berlin und ersten Arbeiten wie dem Ballett "Prinzessin Turandot", setzte er sich kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in die Ramsau ab. Da hatte er bereits die Arbeit an "Dantons Tod" aufgenommen. Dessen Uraufführung 1947 bei den Salzburger Festspielen machte den jungen Tonsetzer mit einem Schlag berühmt. 1953 wurde in Salzburg auch sein "Der Prozeß" herausgebracht und von Einem mehrere Jahre Mitglied des Direktoriums der Festspiele, bis er im Streit um Bertolt Brecht das Gremium verließ - und ihm 1954 wieder beitrat. Auch im Direktorium der Wiener Festwochen oder als Professor an der Wiener Musikhochschule war von Einem gut vernetzt und konnte mit Werken wie "Der Besuch der alten Dame" (1971) oder "Kabale und Liebe" (1976) reüssieren. Galt er zu Lebzeiten als Ausläufer der tonalen Entwicklung, wird von Einem mittlerweile eher Vorläufer einer neuerlichen Hinwendung zur tonalen Tonsprache gesehen. Und dass er nach seinem Tod im Gespräch blieb, dafür sorgt nicht zuletzt seine Witwe Lotte Ingrisch, die 2016 unter dem Titel "Ratte und Bärenfräulein" die Gesprächsprotokolle ihrer Unterredungen veröffentlichte, die die Jenseitsexpertin seit seinem Tod 1996 mit von Einem geführt haben will.

8. AUGUST 1959 - FRITZ WUNDERLICH SINGT IN DER "SCHWEIGSAMEN FRAU"

Der spätere Startenor Fritz Wunderlich wuchs wenig glamourös im pfälzischen Kusel auf und studierte in den 1950ern an der Musikhochschule Freiburg zunächst Horn, bevor zum Gesang wechselte. In Stuttgart hatte er dann aber bereits als Einspringer für den Tamino für Aufsehen gesorgt, als er von Karl Böhm zu den Salzburger Festspielen eingeladen wurde, wo er 1959 als Henry Morosus in Strauss' "Die schweigsame Frau" debütierte - der internationale Durchbruch für den lyrischen Tenor, der bereits 1962 mit dem Titel des Kammersängers geadelt wurde. Bis 1966 wurde Wunderlich nun Stammgast in Salzburg - und doch blieb dem Sänger wenig Zeit, seinen Ruhm auszukosten. Drei Wochen nach seinem letzten Einsatz in der "Entführung aus dem Serail" an der Salzach, zog er sich 1966 kurz vor seinem 36. Geburtstag bei einem Treppensturz einen letztlich tödlichen Schädelbruch zu.

26. JULI 1965 - NICOLAI GHIAUROV WIRD MIT "BORIS GODUNOW" ZUM STAR DER BÄSSE

Es war der 26. Juli 1965, als der tiefe Bass des 35-jährigen Bulgaren Nicolai Ghiaurov die Eingeweide des Salzburger Premierenpublikums von Mussorgskis "Boris Godunow" zum Schwingen brachte und die Herzen zum Klingen. Nach seiner Ausbildung in Sofia und Moskau hatte Ghiaurov zwar bereits 1957 an der Wiener Staatsoper debütiert und mit Auftritten an renommierten Institutionen wie dem Bolschoi, der Scala oder der Met nachgelegt. Doch auch hier brachte erst Salzburg den Aufstieg in die Weltliga, als Herbert von Karajan den Sänger für seine Interpretation des "Boris" verpflichtete. Es sollte nicht der einzige Höhepunkt in der langen Karriere des später als "Re di Bassi" gefeierten Künstlers bleiben, der 1985 Österreicher wurde und 1989 von der Staatsoper zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Und am Ende gelang Ghiaurov, der seit 1978 mit der Sopranlegende Mirella Freni verheiratet war, etwas, das nur den wenigsten Sängern glückte: Ein Stück Land trägt seinen Namen. So ist der 250 Meter hohe Ghiaurov Peak in der Antarktis seit 2005 dem im Jahr zuvor Verstorbenen gewidmet.

11. AUGUST 1971 - RICCARDO MUTI STEIGT MIT "DON PASQUALE" ZUM OPERNDIRIGENTEN AUF

Gerade einmal 30 Jahre zählte der junge Neapolitaner mit dem stolzen, wie aus Stein gemeißelten Antlitz, der 1971 das Pult im damaligen Kleinen Festspielhaus von Salzburg betrat. Es war nicht nur Riccardo Mutis Debüt bei den Festspielen, zu denen ihn Herbert von Karajan geladen hatte, sondern auch sein erstes Mal im Angesicht der Wiener Philharmoniker. Der junge Mann ließ sich indes nicht beirren und schaffte in diesem Sommer den Aufstieg zur Entdeckung des Jahres - einen Schuldschein, den Muti seither zigfach einlöste. Kaum ein Jahr, in dem der Maestro nicht bei den Festspielen zu erleben war, darunter als Dirigent des Mozart-Requiems nach Karajans Tod 1989.

28. JULI 1998 - ANGELA DENOKE ÜBERZEUGT ALS "KATJA KABANOVA"

Angela Denoke stammt aus der niedersächsischen Provinz an der Elbe, an der Salzach in Salzburg schaffte sie es allerdings mit einer Ehetragödie von der Wolga zu höchsten Ehren: Leos Janaceks "Katja Kabanova". 1998 erlebte Denoke hier nach der Marie im "Wozzeck" im Jahr davor endgültig den Aufstieg in die internationale Topliga ihres Fachs. Die damals 36-jährige Sopranistin bezirzte in der Inszenierung von Christoph Marthaler damals Kritiker wie Publikum und etablierte sich seither als eine der führenden Liedsängerinnen ihrer Generation. Zugleich ist Denoke den Festspielen stets treu geblieben und kehrte etwa 2011 erneut unter Marthaler als Emilia Marty für "Die Sache Makropulos" und 2015 für Wolfgang Rihms "Die Eroberung von Mexico" zurück.

27. JULI 2002 - ANNA NETREBKO BETÖRT ALS DONNA ANNA IM "DON GIOVANNI"

Es ist das Märchen von der Putzfrau im Petersburger Mariinsky-Theater zur Donna Anna im "Don Giovanni", das die junge Russin Anna Netrebko 2002 ablieferte. Als 30-Jährige singt sie die Mozart-Partie in der Inszenierung von Martin Kusej und wird an diesem Juliabend zum Liebling des Salzburger, alsbald aber auch eines weltweiten Publikums. Ihr persönliches Festspieldebüt hatte Netrebko da bereits hinter sich - hatte sie doch 1998 unter ihrem Förderer Valery Gergiev ein Blumenmädchen in einem konzertanten "Parsifal" gesungen. Was auf ihren Donna-Anna-Erfolg kam, gehört indes schon in die Annalen des zeitgenössischen Starwesens: 2005 nochmalige Steigerung an der Salzach durch die "Traviata" an der Seite von Rolando Villazon, mit dem gemeinsam sie zum Traumpaar der Oper stilisiert wurde, Traumpaar mit Bassbariton Erwin Schrott und mittlerweile Ehepaar mit dem aserbaidschanischen Tenor Yusif Eyvazov. Anna Netrebko sang zur Fußball-WM-Eröffnung 2006 ebenso wie bei den Olympischen Winterspielen 2014 und definierte neu, was es heißt, Opernstar im aktuellen Jahrtausend zu sein - befreit davon, sich von Außenurteilen über ihren Mode- oder Frisurengeschmack abhängig zu machen.

6. AUGUST 2003 - Elīna Garanča MACHT DIE "CLEMENZA DI TITO" ZUM STAR

Nachdem im Jahr zuvor die Opernwelt mit Anna Netrebko ihre neuen Sopranliebling gekürt hatte, benötigte man noch einen Mezzo, der die Herzen des Klassikpublikums höherschlagen ließ - und fand ihn 2003, als die junge Lettin Elīna Garanča erstmals die Salzburger Festspielbühne betrat. Obgleich die Kusej-Inszenierung von Mozarts "Clemenza di Tito" mit Größen wie Michael Schade, Vesselina Kasarova oder Dorothea Röschmann besetzt war, gelang es Garanča in der kleineren Hosenrolle des Annio, das Publikum für sich einzunehmen. Was folgte, war eine Karriere als intelligente, selbstbewusste Interpretin von Weltrang, die um ihr Image Bescheid weiß. Den Festspielen in Salzburg blieb die umschwärmte Mezzosopranistin treu, wenn auch nicht als Darstellerin, war sie hier doch letztmalig als Dorabella in der "Cosí" 2004 zu erleben. Als Sängerin hingegen hält die heute 43-Jährige der Salzach die Stange.

7. AUGUST 2005 - ROLANDO VILLAZÓN GLÄNZT IN DER "TRAVIATA"

Es ist nicht die Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär, aber die vom Mexikaner zum Salzburger Publikumsliebling. Rolando Villazón hatte über die USA seinen Weg nach Europa gemacht, wo er 1999 sein Kontinentaldebüt in Genua gab. Es folgten Auftritte an den großen Häusern Europas und ein erstes Aufhorchen, als der damals 33-Jährige im April 2005 mit Anna Netrebko an der Wiener Staatsoper im "L'elisir d'amore" von Donizetti reüssierte. Der kometenhafte Aufstieg der Karrierenrakete erfolgte dann aber im August desselben Jahres in Salzburg, als sich Villazon mit seinem Alfredo in der "Traviata" gemeinsam mit Netrebko in den Opernolymp sang - aus dem dann bereits im Jahr darauf der Absturz erfolgte. 2006 holte Villazón die erste Stimmkrise ein, weitere sollten folgen. Und doch machte sich der quirlige Künstler nicht von seinen Stimmbändern abhängig, debütierte 2011 als Opernregisseur, veröffentlichte 2014 seinen ersten Roman, glänzte mit Gastauftritte in der Sesamstraße und ist ein stets dankbarer Talkshowgast. Und nicht zuletzt ist er Salzburg treu geblieben. Nicht nur tritt Villazón nach wie vor regelmäßig bei den Festspielen auf - seit 2017 "konkurriert" er zugleich mit den großen Kollegen, hat er doch seither die künstlerische Leitung der Mozartwoche inne.

28. JULI 2018 - ASMIK GRIGORIAN BRILLIERT ALS "SALOME"

Es war ein Start-Ziel-Sieg mit Ansage, mit dem sich die litauische Sopranistin Asmik Grigorian 2018 an die Spitze ihrer Zunft setzte. Dass die damals 37-Jährige in der Interpretation des Regiemystikers Romeo Castellucci eine außergewöhnliche "Salome" sein werde, hatten im Vorfeld die Spatzen von den Dächern gepfiffen. Und die Auguren sollten recht behalten. Mit ihrer ebenso poetischen wie handfesten Deutung katapultierte sich Grigorian in die A-Liga ihres Fach. Unbekannt im deutschen Sprachraum war die Litauerin allerdings auch zuvor nicht, war sie hier doch etwa 2014 im Theater an der Wien in Tschaikowskis "Die Zauberin" zu erleben. Aber auch wenn Grigorians Karriere durch den Salzburger Triumph Fahrt aufnahm, verweigerte sich die Tochter eines armenischen Tenors doch konsequent einem überhitzten Opernreisezirkus. Ihr Debüt an der Scala feierte sie im Vorjahr, und den Festspielen bleibt sie treu. Kehrte sie an die Salzach 2019 als "Salome" zurück, ist sie heuer in der "Elektra" zu erleben - dieses Mal in der Nebenpartie der Chrysothemis. Und am 7. September soll Grigorian als "Madama Butterfly" die Staatsoperndirektion von Bogdan Roscic einläuten.

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