Ad notam: „Die Wahrheit zu erfinden ist besser, als sie nachzubilden“ (Verdi) und „Wir geben nicht vor, dass diese Oper etwas anderes sei, als sie nun einmal ist“, sagt der spanische Regisseur Francisco Negrin.
Letzteres – und das tat gut – merkt man in diesem „Nabucco“ auf Schritt und Tritt. Bühnenbildner Thanassis Demiris hat die riesige Steinbruchbühne zu einem kolossalen babylonischen Palast ausgeformt. Hoch über dem Publikum sind Soldaten oder Choristen platziert. Auf einem seitlichen Screen wird das Geschehen vergrößert dargestellt oder optisch mehrschichtig kommentiert. Dazu faszinierend-fantasievolles Kostüm-Bling-Bling für alle Assyrer und eine fein-farbnuancierte Gewandung für die Unterdrückten. Beeindruckende Einfälle, die sich ad infinitum fortsetzen ließen.

Hoch qualifiziert ist das Sängerteam, dessen Verständlichkeit dank bestens funktionierender Technik auch bei weit auseinanderliegenden Platzierungen gegeben ist: Bis in die Tiefe füllig und eindringlich singt Ekaterina Sannikova ihre oft abgründige Abigaille. Monika Bohinec ist deren Halbschwester Fenena; die zuletzt in der Wiener Staatsoper reüssierende Slowenin verlieh der eher zart besaiteten Partie mitunter (zu) mächtigen Ausdruck. Der stimmgewaltige Bass von Jongmin Park passt exakt zum Zacharias. Tenor Jinxu Xiahou verströmte als Ismaele beinah authentische Belcanto-Kultur. Und in der Titelpartie des Babylonierkönigs Nabucco setzte Lucas Meachem seinen schlanken Bass(bariton) wandlungsreich ein, während.