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Graz-PremiereSo wird man Kleinkrimineller im Nebenerwerb

In einer diskreten Grazer Lagerhalle hat heute Christian Winklers "Die Unscheinbaren" Premiere. Das Stück läuft in Rahmen des springfestivals - und ist zugleich ein Vorgeschmack auf das DaramtikerInnenfestival.

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Zwielichtigkeiten in der Lagerhalle: "Die Unscheinbaren" von Christian Winkler ist in Graz zu sehen © Theater Luzern/Ingo Hoehn/dphoto.ch
 

Zusatzjob gefällig? Warum nicht Verbrecher im Nebenberuf? Der aus Graz stammende Autor und Regisseur Christian Winkler gibt in seinem Stück „Die Unscheinbaren“ ab heute Anleitung für eine Kleinganovenkarriere. Die Produktion bildet quasi die Vorhut auf das am 8. Juni beginnende DramatikerInnen Festival in Graz, wurde aber in das bereits angelaufene springfestival für elektronische Musik eingemeindet.

Argumentierbar ist das einerseits durch die Bühnenmusik des Schlagzeugers und Multiinstrumentalisten Amadeus Fries: „Das ist ein durchgehender Soundtrack“, erzählt Winkler, „und funktioniert dabei wie ein Minikonzert.“ Andererseits lernt das Publikum in dem theateruntypischen Stück, angelegt als eine Art Workshop für den Aufbau einer Kleinkriminellenlaufbahn, wie man etwa auf Tankstellen diskret gefälschte Markenanzüge oder Lautsprecher verkauft. Angeregt, sagt Winkler, wurde er dazu durch aktuelle Alltagsmythen über derartige Abzockereignisse. Und durch die augenscheinlich unüberschaubare Flotte anonymer weißer Kleintransporter auf unseren Straßen. Zusteller und Lieferdienste, „die immer irgendwie suspekt wirken“, sagt Winkler.

Für sein Stück hat er in der Branche umfassend recherchiert, ist dabei auf „viele schlecht bezahlte Osteuropäer und ihre Träume vom Westen“ gestoßen und verhandelt in „Die Unscheinbaren“ infolgedessen nun auch die hiesige Stereotypen und Klischeevorstellungen vom Balkan und von Osteuropa: „Die bedienen und überspitzen wir stark“, verrät Winkler - und am Ende sollte dann jeder der Besucher das Rüstzeug für seine eigene kleine Hehlerlaufbahn haben. Auch gefälschte Ware ist vor Ort; wer will, kann gleich mit dem Verticken anfangen. Gegen Abgabe eines kleinen Anteils, versteht sich: kein Kleinganoventum ohne zugehöriges Pyramidensystem.

Schauplatz des Stücks ist ein zur Helmut-List-Halle gehöriger Lagerraum – atmosphärisch notwendig, „weil das dann gleich was Konspiratives kriegt“, sagt Winkler, dessen Arbeiten oft herkömmliche Theaterräume verlassen – örtlich wie inhaltlich.

Nur zwei Vorstellungen sind geplant, aber schon zu Ende des Sommers wird ein weiteres Stück des Grazers mit Standbein am Luzerner Theater bei uns zu sehen sein: Im Theater am Lend wird im Rahmen des „News Off Styria“-Festivals sein Stück „Cables“ uraufgeführt. Darin geht es um Korruption und darum. Dass die in Österreich so gern auf den Balkan projizierten Korruptionsstereotypen im eigenen Land seit Jahrzehnten übererfüllt werden.

Die Unscheinbaren. Von Christian Winkler. Graz, Helmut-List-Halle, Teil C. Heute und morgen, 20 Uhr. Tickets: Tel. (0316) 8000.
www.dramatikerinnenfestival.at
www.springfestival.at

 

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