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Kulturhauptstädte haben eröffnetSpektakel ohne Ende: Rijeka feiert sich als "Hafen der Vielfalt"

Die Kulturhauptstadt Rijeka hat eröffnet: in der kroatischen Industriestadt wurde mit einer "Opera reale" und mehr als 200 Performern der "Hafen der Vielfalt" eröffnet. Motto: Wir feiern die ganze Nacht.

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Feurig bunt und ziemlich nass: In Rijeka hat der "Hafen der Vielfalt" eröffnet © APA/AFP/DENIS LOVROVIC
 

Die kroatische Hafenstadt Rijeka hat am Samstagabend sein Kulturhauptstadt-Jahr mit einer "Opera Industriale", einem Spektakel aus Sound und Licht inmitten des Hafenareals eröffnet. Mehr als 200 Performer erweckten den ganzen Abend lang zusammen mit dem Publikum sowie mit Musik, Lärm und Lichteffekten den Sound der Industrie, um damit die Geschichte und Identität der Stadt zu ehren.

Die am Pier gelegene Hauptbühne stand am Vormittag umringt von Hafenkränen noch leer und still. Viel lebendiger war es trotz trübem Wetter und abwechselndem Nieselregen hingegen in der Stadtmitte, wo die Atmosphäre des Jahres als Europäische Kulturhauptstadt - den Titel trägt man gemeinsam mit dem irischen Galway - bereits angekommen war. Nicht nur wegen rot-weißen Flaggen und Schildern mit dem offiziellen Kulturhauptstadt-Logo sowie bunten Bändern des alljährigen Faschingskarnevals, sondern auch wegen zahlreicher Events, die ab dem Morgen an diversen Plätzen der Innenstadt stattfanden.

Die mehr als 70 Programmpunkte an über 30 verschiedenen Standorten begannen bereits tagsüber. Bürger, die ihre üblichen Samstagsbesorgungen erledigten, hielten an, um dem Geschehen auf den Bühnen, die auf größeren und kleineren Plätzen, vor Lokalen und sogar auf dem Marktplatz aufgestellt sind, zuzuhören. Andere suchten mit roten Programmblättern, die überall in der Stadt ausgeteilt werden, gezielt die Veranstaltungsorte.

Kulturhauptstadt Rijeka: Rijeka feiert Auftakt des Kulturjahres

Auf der Hauptstraße "Korzo" waren schon tagsüber Kunstinstallationen zu bestaunen.

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Play it loud: Izet Medosevic und seine Band heizten die Menge an.

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Auch auf dem historischen Fischmarkt von Rijeka wurde Musik gemacht.

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Krönung: Am Abend gab es ein Feuerwerk über dem Hafen.

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Prachtvoll: Die Show am Wasser.

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200 Performer wirkten an dem Eröffnungsspektakel von Rijeka mit.

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Die Stadt in Feierstimmung.

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Eine 232 Meter lange Zeittafel zeichnet Rijekas Geschichte der letzten 116 jahre nach.

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Auch am Hafen ist alles bereit für die große Sause.

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Publikumsmagnet: die optischen Effekte im Spiegeldreieck auf dem "Korzo".

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Um Punkt zwölf Uhr ging der Zähler auf einer Metallskulptur, die seit vergangenem Jahr die Tage bis zur Eröffnung abzählte, auf null - zur gleichen Zeit ertönte die Europahymne, gesungen von einem Pensionistenchor. Beim Eröffnungsspektakel in Hafen und Nationaltheater war Österreich durch Kunst- und Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) vertreten.

Kakofonie und Lärm zogen sich als Leitfaden durch das Spektakel. Den Ton gaben u.a. experimentelle Instrumente an. Der Sound aus dutzenden elektrischen Gitarren und Schlagzeugen wechselten sich mit einem Chor ab, der sich für die Eröffnung aus mehreren lokalen Gruppen zusammensetzte. Der finnische Männerchor Mieskuoro Huutajat (Die Rufer), dessen Besonderheit ist, dass er ruft, schreit und brüllt anstatt zu singen, trug auf seine einzigartige Weise die Nationalhymnen von sieben Staaten, unter deren Herrschaft Rijeka im turbulenten 20. Jahrhundert stand, sowie die heutige kroatische und europäische Hymne vor.

Einen Höhepunkt erreichte das Eröffnungsspektakel schließlich mit dem Lied "Bella ciao", das in der Version der italienischen Partisanen im Zweiten Weltkrieg zu einer Hymne der antifaschistischen Bewegungen wurde. Bei dessen Rockausführung versammelten sich alle Mitwirkenden auf der Bühne, die Schleifmaschinen und die Zuschauer bündelten ihre Kräfte, um Europa an das eigene antifaschistische Erbe und ebendiese Werte zu erinnern. Für einen lautstarken Abschluss sorgten rund 500 Glockenträger (Zvoncari) - Gestalten in Schafsfell und Tiermasken, die mit lauten Glockenklängen die bösen Geister beim traditionellen Karneval von Rijeka vertreiben.

Mit dem abschließenden spektakulären Feuerwerk endete die große Kulturparty, wie der gesamte mit Events vollgepackte Samstag bezeichnet wurde, längst nicht. Die gewaltige Energie der Eröffnungsfeier trug sich vom Ufer auf die vollgepackten Straßen der Innenstadt über, wo sich die Feier auf zahlreichen Bühnen auf den Plätzen, vor Lokalen und in den Klubs bis in die frühen Morgenstunden fortsetzte.

Im gesamten Kulturhauptstadt-Jahr, in dem die Adriametropole sich als "Hafen der Vielfalt" präsentieren will, sind mehr als 600 Veranstaltungen und 250 Projekte geplant, die insgesamt vier Millionen Besucher anziehen sollen. Das Programm, aufgeteilt in sieben Richtungen, beschäftigt sich mit drei Hauptthemen: Wasser, Arbeit und Migration.

Auch Galway eröffnet

Zum Vergleich: Neben Rijeka ist auch das ehemalige irische Fischerdorf Galway seit Samstag Europäische Kulturhauptstadt 2020. Bis nächstes Jahr widmen sich fast 2000 Veranstaltungen den Themen Sprache, Landschaft und Migration. Galway hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer vor allem bei Studenten beliebten Stadt mit 80.000 Einwohnern gemausert.

Die Feierlichkeiten zur Eröffnung finden in Irland an mehreren Orten bis zum 7. Februar statt und orientieren sich am keltischen Kalender. Das Programm von Galway, das als Hochburg für die traditionelle irische Musik gilt, steht unter dem Motto "Let the Magic In" (etwa: "Lass' den Zauber rein"). Gaukler, Tänzer und Freudenfeuer gehören zu den Eröffnungszeremonien in der ersten Woche.

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