AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Tiroler Festspiele ErlEin Neustart mit "Rusalka" - und mit wenig Poesie

In Erl läutet nach dem Abgang von Gustab Kuhn nun eine recht ambivalente „Rusalka“ von Antonín Dvo(r)ák die neue Ära von Bernd Loebe ein.

Wenig märchenhaft: "Rusalka" bei den Tiroler Festspielen Erl © Tiroler Festspiele Erl/Bender
 

Mond, der du am Himmel stehst …“: Diese ätherisch schöne, berühmte Arie „An den Mond“ gerät zum Ereignis, wenn sie so wie von Karen Vuong gesungen wird. Aber auch sonst vermag die Titelheldin in Antonín Dvoráks „Rusalka“ mit ihrem feinen Sopran zu berühren. Ihr zur Seite ist mit Gerard Schneider ein ausgesprochen attraktiver Prinz zu erleben, der diesen mit wunderbarem Schmelz und Höhen singt.

Judita Nagyová ist eine präsente, ständig rauchende Hexe Jeibaba. Etwas brüchig in der Tiefe vernimmt man Thomas Faulkner als Wassermann. Dshamilja Kaiser orgelt lautstark die fremde Fürstin undifferenziert herunter. Die kleineren Rollen wie auch der Chor des Hauses lassen keine Wünsche offen. Fast alle Sänger haben einen Bezug zur Oper Frankfurt, dessen Intendant Bernd Loebe bekanntlich mit dieser Produktion die Leitung bei den Tiroler Festspielen in Erl mitübernommen hat.

Deshalb gibt es naturgemäß Synergieeffekte: So wird die zweite Opernproduktion dieses Winters etwa, Donizettis „Liebestrank“, auch in Frankfurt zu sehen sein. Auch Alexander Prior hat schon in Frankfurt dirigiert: Er vermag zwar im Festspielorchester so manche feine Poesie darzustellen, aber vielmehr gestenreich riesige dramatische, teils zu lautstarke Ausbrüche zu zünden. Außerdem bietet Prior eine extrem breite Lesart der Partitur, die besonders bei den orchestralen Stellen das Werk fast zerfallen lässt.

Wenig Poesie, keine, ohnedies nicht erwartete Märchenhaftigkeit, kaum Ästhetik, sondern überwiegend schäbigen Realismus zum Finale erlebt das Werk in der Lesart von Florentine Klepper, die schon bei den Salzburger Osterfestspielen („Arabella“), am Opernhaus Graz („Norma“, „Salome“) und am Stadttheater Klagenfurt („Don Giovanni“) inszeniert hat, und ihrer Bühnenbildnerin Martina Segna. Sie erzählen das Märchen tagesaktuell und lassen es in einer umweltzerstörten Landschaft auf einer Müllhalde des mittlerweile ausgetrockneten Sees enden. All dies will so gar nicht zu den Abschiedsgesängen des Prinzen und Rusalka passen. Trotzdem: Frenetischer Applaus ohne Widerspruch!

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren