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Lese-MarathonSalzburger Festspiele: "Ulysses" forderte das Publikum

Vier Schauspieler erweckten den komplexen Text zum Leben. Viel Applaus nach fünfstündigem Lesemarathon.

Der Ulysses-Textbrocken von James Joyce, auf dem Foto eine Statue in Triest, beschäftige vier Schauspieler bei den Salzburger Festspielen
Der Ulysses-Textbrocken von James Joyce, auf dem Foto eine Statue in Triest, beschäftige vier Schauspieler bei den Salzburger Festspielen © Adobe
 

Die Salzburger Festspiele fordern ihr Publikum: Eine Marathonlesung von James Joyces großem Episodenroman "Ulysses" ist keine leichte Übung. Weder für die Schauspieler, noch für das zuhörende Publikum. Das Unterfangen im Landestheater glückte - am frühen Freitagmorgen gab es nach fünf Stunden viel Applaus von jenen, die bis zum Schluss durchgehalten hatten.

Die Schauspieler Corinna Harfouch, Birgit Minichmayr, Volker Bruch und Burghart Klaußner lieferten eine leserische Meisterleistung ab. Bewundernswert, wie sie die oft zungenbrecherischen Passagen, das Stakkato an Namen, die kleinen und großen Episoden lasen, ohne sich dauernd zu verhaspeln. Mal laut, mal leise, mal langsam, dann wieder rasant dahinratternd, wispernd, flüsternd, klagend, trauernd, schmachtend - der Text forderte alles, was die Stimme an Tonlagen und Gefühlsebenen herzugeben vermag.

Universen im Kopf

Mal waren die Lesenden allein auf der Bühne, dann wiederum lasen sie im Dialog und schufen dadurch für die Zuhörer wechselnde Rahmen, die die Aufmerksamkeit wach hielten. Herausragend war Corinna Harfouch, die nicht nur mit der ganzen Bandbreite ihrer Stimme, sondern auch mit viel körperlichem Einsatz las und dadurch ganze Universen in die Köpfe der Zuhörer zauberte. Sie lebte den Text mit ganzer Leidenschaft.

Die Charaktere der Schauspieler - der stets ruhig wirkende Bruch und der im rasanten Tempo, manchmal in der Aufregung der Handlung sich fast überschlagende Klaußner oder die kraftvolle Minichmayr - färbten die einzelnen Lesepassagen unterschiedlich ein. So erstand für die Zuhörer die Irrfahrt des Leopold Bloom durch seinen Tag in allen ihren hellen und dunklen, ihren ernsten und absurden Spektren. Man muss nicht alles verstehen, was da an Text daherkommt. Aber vieles ließ sich erfühlen.

Als Projektionsfläche für dieses sprachliche Dahinströmen der Episoden hatte Schauspielchefin Bettina Hering eine zweckmäßige, schwarze Bühne eingerichtet. Zwei Tische mit Stühlen und ein Stehpult reichten, am Rande lehnte ein Porträt von James Joyce, der im Sommer 1928 einige Wochen in der Festspielstadt verbracht hatte. Die optische Reduktion ließ Platz für die Sprache.

Es war ein langer Leseabend, der trotzdem mit viel Leichtigkeit daherkam und über weite Strecken das Publikum zu fesseln verstand.

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