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Philipp HochmairVirtuoses "Amerika"-Solo

Jedermann-Einspringer Philipp Hochmair wurde in St. Pölten als großes Kind Franz K stürmisch gefeiert.

SALZBURGER FESTSPIELE 2018: SCHLUSSAPPLAUS 'JEDERMANN' / HOCHMAIR
Philipp Hochmair, hier als Einspringer für Tobias Moretti im Salzburger "Jedermann" begeisterte mit Kafka © APA/BARBARA GINDL
 

Franz Kafkas Romanfragment "Amerika" (firmiert mittlerweile in der Literaturwissenschaft als "Der Verschollene") dient dem Schauspieler Philipp Hochmair als Grundlage für einen seiner formidablen Soloabende. Am Freitagabend hat er damit am Landestheater NÖ in St. Pölten gastiert - und sein Publikum erwartungsgemäß zu stürmischer Begeisterung mitgerissen.

Es ist wohl die spannendste und aktuellste aller kafkaesken Welten: die Neue Welt, als Projektionsfläche höchster Erwartungen der (nicht nur) aus Europa Einwandernden ein nachhaltiger Mythos. Dass diese hartnäckige Idealisierung nicht erst heutzutage auf tönernen Füßen steht, wird hier geradezu prophetisch thematisiert. Der junge Karl Roßmann sucht seine Lebensperspektive im gesellschaftlichen Aufstieg und landet statt dessen im sozialen Off - eine Dystopie, die erst im "Naturtheater von Oklahoma" einen utopisch anmutenden Kontrast erfährt.

Enorme Wandlungsfähigkeit

Hochmair verkörpert in seiner virtuosen Performance nicht nur den jugendlichen Protagonisten, sondern schlüpft mit schneller sprachlicher und körpersprachlicher Wandlungsfähigkeit gleichsam im Handumdrehen auch in sämtliche weitere Rollen, seien es der auf den Jungspund von oben herab blickende Onkel, die beiden parasitären Penner Robinson und Delamarche oder die wienerische Oberköchin im Hotel. Ein Sessel und ein Koffer genügen als Requisiten, passende Playback-Musik spielt keine geringe Rolle bei der atmosphärischen Stimmigkeit.

Berührendes Finale

Am berührendsten gelingt das Finale. Nachdem Hochmair durch die Publikumsreihen gehechtet ist und Zuseher nach ihren beruflichen Tätigkeiten befragt hat, um alle ins ominöse "Naturtheater von Oklahoma" aufzunehmen, mutiert er zum verspielten, glücklichen kleinen Buben, der - in rot-weißes Absperrband gewickelt - mit seiner Rassel über die Bühne hetzt, bis zurück in den sich öffnenden Hintergrund und wieder nach vor, immer wieder: ein starkes Symbol für die gelungene Rückkehr in die Kindheit als ersehnte Befreiung aus der Isolation des ewigen Scheiterns. Als wär's stellvertretend für Franz Kafka und alle anderen unerlösten großen Kinder: Momente wunderbarer Theatermagie.

Weiterer Termin am 2. April 2019.
Tickets und Information: Tel. 02742/908080-600 www.landestheater.net

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