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KritikSchubert-Schwerpunkt bei der styriarte

Mit zwei Schubert-Konzerten setzte die styriarte am Wochenende einen Schwerpunkt.

Stefan Gottfried dirigierte den Concentus Musicus Wien © styriarte
 

Das Unfertige, Torsohafte gehört zu Franz Schubert. Deshalb sagt der Versuch, den zwei Sätzen seiner unvollendeten 7. Symphonie etwas hinzufügen zu wollen, viel mehr über uns aus als über Schubert. Es gehört schon ein beträchtliches Maß an musikwissenschaftlicher Verblendung dazu, aus den nachgelassenen Skizzen des Komponisten Sätze zu elaborieren und das für eine bedeutsame oder auch nur interessante Leistung zu halten. Man zerstört damit höchstens den Eindruck der „Unvollendeten“.


Bei der styriarte gab man sich nun dem (gar nicht einmal so schönen) Irrtum hin und führte eine spekulative Vervollständigung der „Unvollendeten“ auf. Aber Dirigent Stefan Gottfried wählte – auf Anraten von Harnoncourt-Witwe Alice – einen brillanten Trick, der das Projekt rettete: Scherzo und Finale erklangen nicht nach der erhaltenen Symphonie, sondern davor! Das Finale durfte also wie gewohnt gleichsam in die Unendlichkeit hinausfließen, das romantische Lebensgefühl konnte sich ungetrübt von musikologischer Pedanterie über die Hörer im Stefaniensaal ergießen.


Die Interpretation, die Stefan Gottfried und der Concentus Musicus Wien parat hielten, war glänzend. Leidenschaftlich spürte man diesem Wunderwerk nach, in dem Schubert aus ein paar Noten ganze Kosmen zu erschaffen scheint. Mit kräftigen, ja harten Akzenten und Kontrasten malte Gottfried ein Schubert-Bild, in dem er jede Sentimentalität und spätromantische Aufwallung strikt vermied.


Aus dem Scherzo und dem Finale (eigentlich der Zwischenaktmusik aus „Rosamunde“) hatte man davor viel herausgeholt, war explosiv und voller Passion zu Werke gegangen. Wunderbar theatralisch gelang auch die Ouvertüre zur „Zauberharfe“. Dazwischen sang Bariton Florian Boesch orchestrierte Schubertlieder, sehr schön, aber mit enden wollender Suggestionskraft und Fantasie. Das war mehr ein Abbild, ja die Behauptung von Poesie, als Poesie.

Liedzyklus in Schloss Eggenberg

Anders Tenor Daniel Johannsen bei der „Schönen Müllerin“ in der Sonntags-Matinee in Eggenberg: Der hat zwar keine so ansehnliche Stimme wie Boesch, setzt sie aber brillant ein. Mit wunderbaren Nuancen stellte Johannsen einen unbekümmerten Müllerburschen auf die Bühne, der vom Schicksal förmlich überrollt wird. Johannsen leuchtete den Text sorgsam aus, arbeitete mit Klangschattierungen und platzierte wunderbare Dolce-Passagen dazwischen. Feingliedrig und farbenreich war Florian Birsaks Begleitung auf einem Hammerflügel-Nachbau. Auch wenn Johannsen den letzten Rest an existenzieller Erschütterung schuldig blieb: Der in Selbstmord endende Liedzyklus geriet packend.

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