BlogFestspiele Erl reagieren auf schwere Vorwürfe mit Klage

Auf der Homepage des Tiroler Bloggers Markus Wilhelm ist unter anderem von "modernem Sklaventum", sowie von dem Verdacht auf Lohndumping und Korruption die Rede. Die Festspiele reagieren mit rechtlichen Schritten.

TIROLER FESTSPIELE ERL - OPER RICHARD WAGNER 'DAS RHEINGOLD', PREMIERE: 23.07.2015
Bild aus der Oper "Das Rheingold" 2016 bei den Festspielen Erl. © TIROLER FESTSPIELE ERL / APA-FOT
 

Die Tiroler Festspiele Erl sehen sich mit heftigen Vorwürfen durch den Blog "dietiwag.org" konfrontiert: "Was so im Raum steht, im Bühnenraum und im Probenraum: Verdacht auf Lohndumping, auf Lohnwucher, Scheinselbstständigkeit, Abgabenhinterziehung, auf Verstoß gegen das Ausländerbeschäftigungsgesetz, Arbeitsverfassungsgesetz, Arbeitszeitgesetz, Arbeitsruhezeitgesetz, Urlaubsgesetz, auf Umgehung des Dienstvertrages, Aushebelung des Urheberrechtsgesetzes, Verdacht auf Korruption und Parteienfinanzierung", hieß es in dem Blogeintrag unter anderem.

Genau dieser Absatz ruft nun die Festspiele auf den Plan. "Wir werden wegen dieser Vorwürfe rechtliche Schritte gegen Herrn Wilhelm in die Wege leiten", sagte Festspiele Erl-Sprecherin Angelika Ruge der APA. Ansonsten werde man "zu Herrn Wilhelm nicht Stellung nehmen", meinte Ruge angesprochen auf die weiteren veröffentlichten Vorwürfe. Der Blogeintrag diskreditiere sich von selbst, basiere auf ausschließlich anonymen Kommentaren und Quellen und sei "nicht relevant". Jeder, der wolle, sei herzlich eingeladen, sich selbst ein Bild etwa vom Probengeschehen bei den Festspielen zu machen.

Von "handfesten Erfahrungen an Seele und Körper, demütigenden und entwürdigenden Erfahrungen von unglaublichen Schikanen, von Probenterror, von Niederbrüllen und Fertigmachen und mehr, viel mehr", die die "Musikerinnen und Musiker, Sängerinnen und Sänger" gemacht und erlebt hätten, ist auf "dietiwag.org" unter anderem zu lesen. Und der Blogger listet "Erlebnisberichte" auf, die ihm zugegangen seien bzw. die er Gesprächen und ausführlichen Korrespondenzen mit Betroffenen verdanke.

Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) erklärte in einer Reaktion gegenüber der APA, sie kenne die Vorwürfe noch nicht, weil sie den Wilhelm-Blog grundsätzlich nicht lese. Das Land Tirol habe etwa auch keinen Einblick in die Arbeitsverträge bei den Festspielen Erl, so Palfrader und verwies darauf, dass das Land seit dem vergangenen Jahr nicht mehr Gesellschafter, sondern Stifter sei. Im Vorjahr war die "Tiroler Festspiele Erl Gemeinnützige Privatstiftung" gegründet worden. Dabei handelt es sich um eine "Private-Public-Partnerschaft" zwischen der Republik Österreich, dem Land Tirol, der Strabag, dem Verein der Tiroler Festspiele Erl und der Haselsteiner Privatstiftung. Die Privatstiftung des Industriellen Hans-Peter Haselsteiner ist alleiniger Gesellschafter. Zuvor hatte das Land 51 und der Verein Tiroler Festspiele Erl 49 Prozent gehalten.

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