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Entscheidung gefallenFavorit gekrönt: Martin Kušej wird Burgtheater-Intendant

Jetzt ist es fix: Martin Kušej wird Intendant des Wiener Burgtheaters. Der Kärntner, derzeit noch Chef am Münchener Residenztheater, tritt sein Amt mit September 2019 an.

Martin Kusej bei der Vorstellung neben Kulturminister Thomas Drozda © APA/Hans Punz
 

Ein starke Wahl: Martin Kušej wird neuer Intendant des Wiener Burgtheaters. ab September 2019 übernimmt er die künstlerische Leitung der wohl wichtigsten Bühne im deutschen Sprachraum, wie SPÖ-Kulturminister Thomas Drozda am Freitagvormittag in Wien bekannt gegeben hat.

Der Kärntner ist bekannt für seine kraftvollen, eindringlichen Inszenierungen - nicht nur im Schauspiel, sondern auch im Opernfach. Dabei ist er alles andere als ein introvertierter Schöngeist, der nur die hehre Kunst lebt. Kušej ist ein immens  politischer Künstler. Erst in seiner jüngsten Münchener Inszenierung "Phädras Nacht" verknüpfte er gemeinsam mit Autor Albert Ostermaier  einen antiken Tragödienstoff mit der aktuellen Flüchtlingsdebatte, mit Neonazi-Terror und dem Schicksal deutscher Soldaten in Afghanistan.

Das Wiener Burgtheater: Und seine Direktoren

Der Kärntner Martin Kušej war stets einer der Top-Favoriten auf die Nachfolge von Karin Bergmann als Burgchef.

Gert Eggenberger

Kulturminister Thomas Drozda mit dem künftigen Burgtheater-Intendanten am Freitagvormittag in Wien.

Ute Baumhackl
APA/Hans Punz

Seine neue Aufgabe beginnt 2019.

Der Wolfsberger Kušej, hier mit Tobias Moretti 2004, ist seit 2011 Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels in München. Dazu zählen das Residenz- und das Cuvilliéstheater sowie der Marstall.

GEPA

Der neue Burgtheater-Direktor folgt auf Karin Bergmann. Sie leitet das Haus am Ring seit 2014.

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Der Osnabrücker Matthias Hartmann war von 2009 bis 2014 Intendant. Nach Unregelmäßigkeiten in der Buchführung wurde er von Kulturminister Josef Ostermayer seines Amtes enthoben. Gegen seine Entlassung will Hartmann gerichtlich vorgehen.

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Klaus Bachler leitete die Geschicke an der Burg von 1999 bis 2009. Seither ist der Steirer Intendant an der Bayerischen Staatsoper. Bachler wollte damals Kusej als seinen Nachfolger in Wien.

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Claus Peymann war der schillerndste Burgherr (1986 - 1999) seit dem Zweiten Weltkrieg. Am 7. Juni wurde der Bremer 80 Jahre alt.

AP

Der Magdeburger Achim Benning war von 1976 bis 1986 Direktor des Burgtheaters.

Votava

Gerhard Klingenberg, der Vater von Regisseur Reinhard Schwabenitzky, war von 1971 bis 1976 Burgherr.

APA/Punz
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In Interviews vorab zeigte sich der Regisseur "aufs höchste irritiert und angespannt" über den wieder aufkeimenden Nationalismus: "Im Leben hätte ich mir nicht vorstellen können, dass diese schwachsinnige Ideologie tatsächlich wieder Mehrheiten findet." Das Theater, so Kušej, sei aber "gerade der Ort, wo diese Dinge thematisiert und künstlerisch verarbeitet werden." Eine starke Ansage auch im Hinblick auf das Burgtheater, das Kušej ab 2019 für vorerst fünf Jahre leiten wird.

Um Wirkung zu erzielen, so der 1961 in Wolfsberg geborene Regisseur, müssen "die Menschen des Theaters, die ja auch stark öffentliche Personen sind, Haltung zeigen und eben öffentlich Stellung beziehen. Zuerst durch die Inhalte, die wir auf der Bühne darstellen, aber vor allem auch durch persönliche Statements, Interviews, aktive Beteiligung an politischer Aktion, Unterstützung überparteilicher Gemeinschaft!"

Wie Kušejs künstlerisches Programm konkret aussieht, wird sich noch zeigen. In Wien ist er jedenfalls kein Unbekannter. Dem Burgtheater bescherte der Kärntner Slowene legendäre Inszenierungen wie Grillparzers "König Ottokars Glück und Ende", Nestroys "Höllenangst" oder Karl Schönherrs "Der Weibsteufel" - karriereprägend für die beiden  Hauptdarsteller Birgit Minichmayr und Nicholas Ofczarek. In der soeben beendeten Burg-Saison führte er Regie bei Arthur Millers "Hexenjagd".

2006 bemühte er sich bereits einmal um die Burg, damals wurde aber der mittlerweile wieder geschasste Matthias Hartmann zum Burg-Chef gekürt, Kušej ging als Intendant nach München ans Residenztheater. Nun kehrt er im Triumph nach Wien zurück.

Dabei war sein Weg alles andere als einfach: Kušej, der in Graz an der Kunsthochschule Regie studierte, schlug sich erst als Regieassistent in Salzburg und Ljubljana durch, frühe Inszenierungen wie Peter Roseis "Tage des Königs" in Graz (1991) oder Schillers "Kabale und Liebe" in Klagenfurt (1993) sorgten für Aufregung und heftige Ablehnung. Kušej ging als Hausregisseur ans Staatstheater Stuttgart, von 2004 bis 2006 war er Schauspieldirektor der Salzburger Festspiele. Dort inszenierte er 2002 auch Mozarts Don Giovanni unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt. "Die Erfahrung Harnoncourt", sagt er noch heute, "war außerordentlich." Derartiges ist von seiner Burgtheaterintendanz aber auch zu erwarten.

 

Die Direktoren-Riege seit 1945
DIREKTORANTRITTABGANG
Martin Kusej 2019-
Karin Bergmann 20142019
Matthias Hartmann20092014
Klaus Bachler19992009
Claus Peymann19861999
Achim Benning 19761986
Gerhard Klingenberg1971 1976
Paul Hoffmann 19681971
Ernst Haeusserman19591968
Adolf Rott 19541959
Josef Gielen1948 1954
Erhard Buschbeck (provisorischer Leiter)19481948
Raoul Aslan19451948

 

Kommentare (1)

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db0235cdaf4337217d9ca157a89f043d
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Lesenswert?

Eine sehr

gute Wahl. Hat schon in Klagenfurt vieles bewirkt und auf Schiene gebracht!

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