Die Saat der GewaltVom Zahnschmerz weißer Menschen

Rassismus und Frauenfeindlichkeit stehen im Zentrum des starken Debütromans von Inga Vesper.

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Die Autorin Inga Vesper thematisiert in ihrem Kriminalroman Rassismus und Gewalt gegen Frauen
Die Autorin Inga Vesper thematisiert in ihrem Kriminalroman Rassismus und Gewalt gegen Frauen © KK
 

Aber in Mrs. Ingrams Blick erkennt sie nur Ungeduld und diesen Ausdruck, als hätte sie leichte Zahnschmerzen, den so viele weiße Menschen haben, wenn sie einen Schwarzen ansehen.“
Ruby ist die schwarze Putzhilfe in den weißen Haushalten im kalifornischen Sunnylakes Ende der 1950er-Jahre. Doch bald wird sie zur inoffiziellen Assistentin des weißen Detective Mick Blanke, der das Verschwinden von Joyce Haney aufklären soll. Ruby, die zum Putzen ins Haus gekommen war, stieß nur auf die zwei kleinen Kinder der Haneys und eine Blutlache auf dem Küchenboden. Die Hausfrau bleibt verschwunden.

Nach und nach entdeckt die aufgeweckte junge Frau, die Geld für eine College-Ausbildung sparen will, immer mehr Geheimnisse, die hinter den perfekten Fassaden der Sunnylakes-Häuser buchstäblich vergraben sind. Doch sie bleibt skeptisch gegenüber dem Polizisten Mick: „Ich habe die Autorität, meine Quellen zu beschützen“, versucht der, sie zu beruhigen. „Auch schwarze? Oder wollen Sie mir jetzt erzählen, dass das Gesetz farbenblind ist?“

Inga Vesper schreibt in ihrem Debütroman, von Katharina Naumann und Silke Jellinghaus aus dem Englischen übersetzt, vom sozial gespaltenen Los Angeles, von Polizeigewalt und Frauenfeindlichkeit. Wie sie das macht, ist spannend und raffiniert gebaut. Denn erzählt wird aus drei Perspektiven: Zu Rubys und Detective Blankes Sicht der Geschehnisse kommt noch ein Rückblick der verschwundenen Joyce.

So erfährt man, dass sich zwischen Joyce und Ruby eine Art Freundschaft entwickelt hat, da sie beide ähnliche Erfahrungen geteilt haben: Ihre Mütter starben beide als Opfer männlicher Gewalt. Wer denkt da nicht an aktuelle Entwicklungen wie Black Lives Matter oder die Me-Too-Debatte?

Je mehr Ruby die Geheimnisse der weißen Oberschicht entlarvt, aber auch je kontroversieller die Auseinandersetzungen mit ihrem Macho-Freund Jimmy werden, desto stärker bringt sie sich selbst und ihre Zukunftspläne in Gefahr. „Wenn ich sein Anker sein soll, wann bin dann je ich mit dem Fliegen an der Reihe, mit der Erfüllung meiner Träume?“

Buchtipp: Inga Vesper. In Aufruhr. Kriminalroman.
Kindler. 384 Seiten, 22,70 Euro.

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