Roman von Peter RichterDer große Crash in der Welt des Cash

Mit „August“ hat der deutsche Schriftsteller und Journalist Peter Richter ein hinterlistig leichtfüßiges Sommerbuch geschrieben.

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Peter Richter schreibt über einen Clash of Civilizations im Kleinen und am Pool
Peter Richter schreibt über einen Clash of Civilizations im Kleinen und am Pool © KK
 

So sollte er sein, der Sommer in den Hamptons bei New York: der Klang der Stille, der Duft von Pflanzen, das Gesumme der Bienen, die Freuden der inneren Einkehr, dazu ein wenig Jazz vom Band. Jazz deshalb, weil Richard findet, dass diese Musik am besten zur Architektur des Hauses passt.

Richard ist Immobilienmakler und kommt aus Deutschland. Seine Frau Stefanie war beim Radio, jetzt versucht sie, die Schwingungen der Welt zu erkunden – mittels Esoterik. Und dann sind da noch Vera aus Chemnitz, eine Ärztin, und ihr Mann Alec, ein Schriftsteller, der an einem Buch über Kommunen und Alternativen des Zusammenlebens arbeitet. Der Sommer in den Hamptons wird für ihn zur Feldstudie – und Dexter Gordon spielt dazu.

Schriftsteller Peter Richter, früher US-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, hat aus dieser Paar-Konstellation eine faszinierende psychologische Versuchsanordnung inszeniert, in der nicht nur vier Menschen kollidieren, sondern auch deren gesellschaftspolitischer Überbau. Die Hamptons, Spielplatz der Superreichen, ist der ideale Nährboden für diesen Clash of Civilizations im Kleinen, der sich aber wellenartig ins Große auswächst.

Keine Zeigefinger, nur kleine Pikser

Lustvoll und in heimtückisch schwerelosem Ton lässt Richter Welten und Ideologien zusammenkrachen. Richard liebt Cash, seine Frau Stefanie Globuli. Vera ist die sozialistisch eingefärbte Altruistin, Alec wiederum hegt eine irritierende Faszination für Diktaturen und heilbringende Führerfiguren.

Eine solche taucht dann auch tatsächlich auf im schönen Sommerhaus, aus dem leise das Jazz-Sax tönt. Und zwar in der Figur eines Gurus – früher Marketingexperte –, der den Menschen – natürlich gegen Cash – wieder das nahebringt, was ihnen leider längst abhandengekommen ist: Achtsamkeit.

Peter Richter fuchtelt nie aufgeregt mit dem Zeigefinger, zündet keine großen Sprengladungen. Vielmehr bettet er seine Sprachmunition in die scheinbar beiläufigen Dialoge seiner vier Menschen am Pool. Und wenn diese die kleinen Pikser in den Luftmatratzen bemerken, ist es bereits zu spät. Blubb-blubb! Einen süffigen Sommer-Cocktail hat Richter da gemixt. Aber achtsam sein! Der Jazz-Brunch hat es in sich – Katerstimmung inklusive.

Buchtipp. Peter Richter. August. Hanser, 253 Seiten, 22,70 Euro.

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