BuchkritikWarum immer ausweichen? Der "heldenhafte" Roman von Mieze Medusa

Drei liebenswürdige Außenseiter sind die Helden im zweiten Roman von Mieze Medusa, die einmal mehr beweist, dass sie mit Sprache umgehen kann.

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Mieze Medusa, "bürgerlich" Doris Mitterbacher
Mieze Medusa, "bürgerlich" Doris Mitterbacher © (c) Sabine Pichler
 

Es ist ein Wohlfühlbuch, heiter und melancholisch zugleich, herzerwärmend und optimistisch – Anna Gavalda auf Österreichisch sozusagen („Zusammen ist man weniger allein“). Man mag sie sofort, diese drei Helden, die Mieze Medusa (45, bürgerlich Doris Mitterbacher) hier vorstellt.

Agnesa, die 18-jährige unglückliche, übergewichtige Schulabbrecherin, nicht nur Babysitterin ihrer Halbgeschwister, sondern auch billige Aushilfskraft im griechischen Lokal ihres Stiefvaters in Wien („Ottakring. In den Auslagen hängen Brautkleider, vor den Auslagenfenstern stehen Jogginghosen. Es riecht nach Bier im Brauprozess, nach der Herstellung von Mannerschnitten, nach Döner und Cevapi.“)

Der nicht mehr ganz junge Computer-Nerd Eduard, den „die meisten Menschen nicht interessieren“, obwohl er manche gern via Internet ausspioniert, und die gealterte Hippie-Feministin Felicitas, die aus Liebe zu Eduards Vater aufs Land zieht, vervollständigen das Trio, dessen Wege sich natürlich bald kreuzen.

Dass die Autorin mit Sprache umgehen kann, hat sie als Rapperin und Leitfigur der heimischen Poetry-Slam-Szene längst bewiesen. In ihrem zweiten Roman zeigt sie, dass sie nicht nur in der Popkultur zu Hause ist, sondern auch als feinsinnige Beobachterin der unterschiedlichsten Lebenswelten gelten kann, die mit leichter Hand und pointierten Dialogen ihre liebenswerten Außenseiter zeichnet.

Kurzweilig erzählt die deutsche Wahlwienerin dreifach aus der Ich-Perspektive von Menschen, die Entscheidungen treffen und ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Und der Buchtitel „Du bist dran“ kann als Aufforderung an die Leser genauso gesehen werden wie als Weckruf für die Romanfiguren.

Es war kein Zufall, dass Felicitas ihren Hermann eroberte, es war Entschlossenheit: „Weißt du, wie selten Männer auf der Straße ausweichen? Vor allem die im Anzug? Als gehörte die Straße ihnen! Einfach stur geradeaus gehen und wir, die Frauen, dürfen zur Seite springen. Ich hab das so satt manchmal, ich seh’s einfach nicht ein. Warum soll immer ich ausweichen?“ Und so ist sie einfach in Hermann hineingerannt.

Buchtipp: Mieze Medusa. Du bist dran.
Residenz-Verlag,  256 Seiten, 22 Euro.

KK
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