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Buchkritik"1793": Abgründig, abenteuerlich und atemberaubend

Was für ein Debüt! Mit „1793“ erweckt der schwedische Autor Niklas Natt och Dag den historischen Abenteuerroman zu neuem Leben.

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Düster und unheimlich: Cecil Winge ermittelt in dunklen Zeiten
Düster und unheimlich: Cecil Winge ermittelt in dunklen Zeiten © Alexey Kuznetsov - stock.adobe.com (Alexey Kuznetsov)
 

Er ist 40 Jahre alt, entstammt einer der ältesten schwedischen Adelsfamilien, sein Name Natt och Dag bedeutet in der deutschsprachigen Übersetzung Tag und Nacht, aber vorherrschend ist in seinem sensationellen Debütroman die Finsternis. Wer im Genre großartiger Abenteuerromane auch nur halbwegs beheimatet ist, kommt an „1793“ nicht vorbei. Denn vor dieser düsteren Reise in die Vergangenheit hätten sich wohl auch Herman Melville oder Joseph Conrad verneigt.

Der Titel „1793“ steht für ein Jahr schauriger Ereignisse, keineswegs nur in Schweden. Das Königreich liegt nach einem aussichtslosen Krieg gegen Russland finanziell und moralisch darnieder, geheime Umstürze werden geplant, der Adel gibt sich der Dekadenz hin. In Stockholm, dem Schauplatz der Geschichte, dampft, brodelt, stinkt und gärt es von der ersten Seite an. Die meisten Schären der Metropole gleichen Kloaken, in einer davon wird ein Menschenbündel entdeckt, grauenhaft verstümmelt.
Cecil Winge, der ein schwedischer Verwandter von Sherlock Holmes sein könnte, übernimmt den Fall. Knappe 30 Jahre ist er alt, aber er laboriert, wie viele andere auch, an Tuberkulose. Sein Gehilfe ist ein Kriegsveteran mit einer Holzhand.

Faszinierend ist das enorme Gespür des Autors für Zeitkolorit, er zieht auf stilistisch höchster Ebene seine Leserschaft förmlich mit hinein in einen keineswegs nur moralischen Morast. Ein tiefer Blick in Abgründe, ein Comeback des Abenteuerromans, ein Pflichtbuch.

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