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Buch zur Serie"Das Damengambit": Kampf gegen die inneren Dämonen

Walter Tevis hat 1983 „Das Damengambit“ veröffentlicht – die Grundlage für die Netflix-Serie.

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Anya Taylor-Joy spielt Beth Harmon © Phil Bray/Netflix
 

"Ich habe mich von meinen Ängsten befreit, indem ich mich in die Sicherheit, die Schach mir bot, zurückgezogen habe“, soll Walter Tevis bei der Erscheinung seines Romans „Das Damengambit“ gesagt haben. Schon ein Jahr später starb der US-Autor, der als Universitätsdozent und Lehrer gearbeitet hatte, an Lungenkrebs.

Es sollte fast 40 Jahre dauern, bis sein Schach-Roman verfilmt wurde: Die Netflix-Serie rund um Beth Harmon (Anya Taylor-Joy), die sich an die Spitze der Schachwelt spielt, wurde im letzten Herbst zum Riesenerfolg, und auch das Buch von Tevis wurde nun neu aufgelegt.

Die Geschichte selbst ist durch die Serie, die nah am Roman dranbleibt, bestens bekannt: Beth lernt im Waisenhaus das „Spiel der Könige“. Dafür braucht sie bald auch kein Schachbrett mehr, sondern nur nur noch ihren eigenen Kopf. Im Waisenhaus macht sie aber auch ihre ersten Drogenerfahrungen, denn die Kinder und Jugendlichen werden mit Hilfe von Tabletten ruhig gestellt. Medikamenten- und später auch Alkoholsucht werden sie auf ihrem Weg begleiten, der sie trotz mancher Durchhänger konsequent an die Spitze der Schachwelt führt.

Dabei bleibt es den ganzen Roman über erstaunlich, wie spannend ein Buch sein kann, in dem seitenlang Schachpartien beschrieben werden – die akkuraten Schilderungen verdanken sich der Tatsache, dass Walter Tevis selbst das „Spiel der Könige“ beherrschte (allerdings auf „durchschnittlichem“ Niveau, wie er einst erzählte).

Auch die im Roman geschilderten Suchterfahrungen sind autobiografisch, unter anderem war Tevis über viele Jahre alkoholkrank. In dieser Zeit schrieb er auch nicht. Dabei hatte er sich unter anderem mit seinen Romanen „Haie der Großstadt“ und „Die Farbe des Geldes“ (beide verfilmt mit Paul Newman) bereits international einen Namen gemacht. Schach gab ihm später wieder eine gewisse Sicherheit.

Walter Tevis. Das Damengambit. Diogenes, 416 Seiten, 24.95 Euro. ©

Wie auch Beth, deren Genialität zwischendurch sehr dünnhäutig daherkommt. Dass sie sich als Frau in einer Männerdomäne behauptet, macht einen Reiz dieses Buch aus. Großartig wird es da, wo sie ihre inneren Dämonen ebenso konsequent bekämpfen lernt wie ihre Gegner auf dem Schachbrett.

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