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Exklusiver VorabdruckKonrad Paul Liessmann: Der Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer

Man darf die Vernunft nie schlafen lassen. Das ist eine der Lehren aus den wahnhaften Verirrungen des 20. Jahrhunderts. Was aber, wenn die Vernunft sich selbst und ihrer zügellosen Logik überlassen wird? Dieser Text ist ein Vorabdruck aus dem neuen Buch.

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Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer. © Erol Gurian / laif / picturedesk
 

Der Traum, schrieb Sigmund Freud in einer berühmt gewordenen Wendung, ist der „Hüter des Schlafes“. Mögliche Störungen der Nachtruhe durch Reize der Außenwelt und eine durch seelische Erregungen bedingte innere Unruhe werden in ein Traumgeschehen umgewandelt und in dieses integriert, sodass wir so lange wie möglich weiterschlafen können. Der Schlaf weiß sich Mittel und Wege zu finden, um jene Weltverlorenheit durchzusetzen, die ihn essenziell bestimmt. Im Traum ist jedoch immer etwas von dieser Welt präsent, seien es Tagesreste, Erinnerungen, Wünsche, Ängste oder auch nur die Geräusche des anbrechenden Morgens, die für ein paar Minuten in einen Traum umgewandelt werden, bevor es zum Erwachen keine Alternative mehr gibt.

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zweigerl
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Nach der Pandemie ist vor der Klimakatastrophe

Überzeugend vermag der Autor zu zeigen, dass die Vernunft nicht nur die Ungeheuer verscheucht, sondern auch zur Welt bringt. So wenig wie der bevorstehende Wonnemonat Mai samt sinkenden „Fallzahlen“ wird das dringend ersehnte Wiedereintauchen in unsere Konsumtraumwelt verhindern können, dass nach diesem Albtraum und einem kurzen Aufatmen eine große Nachdenklichkeit um sich greifen wird. Auch unsere vernunft- und wissenschaftsgläubigen Zuversichtsapostel, die bereits beim Ausbruch der Pandemie „die Krise als Chance“ gepredigt haben, werden nicht darüber hinwegtäuschen können, dass schon jetzt nach der Pandemie vor der Klimakatastrophe ist. Zumal in Österreich, das neuerdings als einer der sechs größten Klimasünder Europas am Pranger steht.