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David Grossman: Horror-Reise an den Beginn der Nacht

David Grossmans neuer Roman "Was Nina wusste" ist eine zutiefst berührende Familien-Chronik und eine erschütternde Reise in eine düstere Vergangenheit und an den Beginn der Nacht.

Legt den Lesern die Schlinge um den Hals: David Grossman © APA
 

Es gibt Bilder im Kopf, die krallen sich fest, die vergisst man nicht mehr. s Sie sind schauderhaft, trotzdem machen sie auch Mut. Eines dieser Bilder zeigt eine Frau, die mehr als 50 Tage lang auf der Spitze eines Berges steht. Kahl geschoren, in fest vorgeschriebenen starren Posen. Sie soll einer kleinen Pflanze Schatten spenden. Tagtäglich, vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Diese Frau gab es tatsächlich. Sie heißt Eva Pani(´c)-Nahir, sie wurde in Jugoslawien verehrt als Symbolfigur für den Überlebenswillen. Ihr Leidensweg wurde mehrmals verfilmt.
David Grossman war mit dieser stillen, großen Heldin bis zu ihrem Tod vor fünf Jahren eng befreundet. Und er bat sie, ihre Lebensgeschichte in einen Roman einbetten zu dürfen, mit vielen dichterischen Freiheiten. Entstanden ist daraus „Was Nina wusste“, ein berührendes, beklemmendes Epos über eine kroatisch-israelische Familie, zerklüftet, gespalten, traumatisiert. Es ist aber vor allem auch die Geschichte über drei Frauengenerationen. Mit der Großmutter Vera (alias Eva) im Zentrum. Sie weigerte sich kurz nach dem Krieg, ihren geliebten Mann als Kriegsverräter zu denunzieren, landete dafür auf der Strafinsel Goli Otok, auch „Titos Gulag“ genannt, und ließ ihre sechsjährige Tochter im Stich.

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