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Corona-AbrechnungLiterarischer Aufschrei eines Wütenden: Reinhard P. Grubers "Anders denken"

Reinhard P. Gruber hat eine radikale Streitschrift verfasst: Der steirische Autor verteufelt in "Anders denken" den Materialismus und die Denkfaulheit der Gesellschaft - und wagt es dabei weit über die Coronakrise hinauszudenken.

Wütende Streitschrift: Reinhard P. Gruber mahnt in "Anders denken" dringend zur Umkehr © Susanne Hassler
 

Als das Manuskript Anfang des Monats unverhofft im Posteingang lag, beschloss sie, es „trotz der momentan nicht einfachen Umstände“ sofort zu veröffentlichen. Heute ist es soweit: In Annette Knochs Grazer Literaturverlag Droschl erscheint Reinhard P. Grubers Text „Anders denken“.

Entstanden ist die rasante Streitschrift in wenigen Wochen, zwischen Anfang Februar und Anfang April – genau in jener Zeit also, als das Coronavirus sich anstellte, alle gängigen Vorstellungen von Gesellschaft und Gemeinschaft auf den Kopf zu stellen. Grubers Text passt in diese Welt. Er ist ein wütendes Plädoyer gegen Materialismus, ökonomische Ausbeutung und ökologische Lethargie, die Abrechnung mit einer Menschheit, die sich „mit Denksystemen, Wirtschaftssystemen, Lebensvorschriften, Gut-Sein-Vorschlägen und -Verboten“ zugeschaufelt hat.

Darüber hinaus ist sein Text aber auch die Bestandsaufnahme der Sehnsucht nach Solidarität und Sinn, nach einem Lebensglück, das sich nicht von Luxus und wohlfeiler Spiritualität abhängig macht. So macht sich Gruber in „Anders denken“ zum Fürsprecher neuer Denkansätze. Dass er dabei seinen Text mit der aktuellen Nachrichtenlage und den sich täglich verschärfenden Auswirkungen der Pandemie durchwirkt, lenkt den Blick umso stärker auf die Dringlichkeit seiner Argumentation.

Dabei machten die gegenwärtigen Zustände, so Gruber, ein „sich freihalten für die Umkehr“ einfach: „Kein Festhalten, kein Klammern, sondern Fort-Gehen. Im Fortgehen, im Zurücklassen des Erreichten, entwickelt sich plötzlich etwas Positives: der Fort-Schritt. Ein ganz anderer allerdings, als der, der uns bisher als Fortschritt gegolten hat. Wie der genau aussehen sollte, das kann am Anfang niemand sagen. Hoffen kann man aber, dass er nicht so enden wird wie das letzte Mal.“

Zum Autor

Reinhard P. Gruber, geboren 1947, lebt nahe Stainz. Bekannte Werke: "Aus dem Leben Hödlmosers" (1973), "Im Namen des Vaters" (1979), "Das Schilcher-ABC" (1988), "Nie wieder Arbeit" (1989),"Alles Sport" (2008). Im Vorjahr erschien von ihm das Tagebuch "365 Tage".

„Eine ungefilterte Streitschrift aus dem Moment heraus“ nennt der Verlag den rund 100 Seiten langen Text, „die eigenwillige Sicht eines Autors, der der Welt die Stirn bietet“. Tatsächlich nimmt das Werk die aktuellen Auswirkungen der Pandemie zum Anlass, über die Möglichkeiten des Danach nachzudenken. Das Ereignishafte der globalen Gesundheitskatastrophe lässt Gruber dabei weit hinter sich. Und hat den vielleicht ersten maßgeblichen Text zur Coronakrise verfasst - etwa wenn er darüber räsoniert, was „vom gloriosen Fortschritt, von der Wissenschaft, der Technik, vom Kapitalismus“ geblieben ist: „An die Wand gefahren, die Systeme des Wachstums.“ Sein Fazit: „Nicht ein Überleben brauchen wir, sondern ein Leben mit Sinn.“

Reinhard P. Gruber. Anders denken. Literaturverlag Droschl. 104 Seiten, 14 Euro.

KK
Reinhard P. Gruber. Anders denen, Literaturverlag Droschl. 104 Seiten, 14 Euro. © KK

Kommentare (2)

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hermannsteinacher
1
5
Lesenswert?

Diese "Umkehr"

hat ein gewisser Herr Jesus aus Galiläa schon vor zweitausend Jahren erfolglos gepredigt.

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GordonKelz
0
1
Lesenswert?

Bitte nicht.....

....mit diesem Unsinn vergleichen!
Gordon Kelz

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