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Neuerscheinung Selbstverortung als Prosagedicht: Elke Laznias "Lavendellied"

In Salzburg lebende Autorin lässt die Sprache schwingen, ohne ihr allzu viel Schwung mitzugeben - Erinnerungen an schöne und an schmerzhafte Stunden.

Elke Laznia © KK
 

Zu den großen Erzählerinnen hat man die 1974 in Klagenfurt geborene und heute in Salzburg lebende Autorin Elke Laznia schon bisher nicht zählen können. Ihre Literaturpreise hat sie für ihre sorgsamen sprachlichen Kompositionen, nicht für den Inhalt ihrer Geschichten erhalten. Mit "Lavendellied" setzt sie nun fort, was sie mit "Kindheitswald" (2014) und "Salzgehalt" (2017) begonnen hat.

"Am liebsten würde ich etwas schreiben ohne etwas zu erzählen. Geschichten erzählen ist nicht meins. Ich brauche keinen roten Faden", hatte die Autorin anlässlich ihres Debüts deklariert. Diesem Credo ist sie treu geblieben. Auch das neue Buch ist ein Prosagedicht, bei dem ein einziger, kapitelweise ganz ohne Punkt auskommender Sprachfluss alles mitnimmt, was sich ihm in den Lauf stellt. Dabei ist Laznia Friedrike Mayröcker deutlich näher als Elfriede Jelinek: Poesie geht vor Pointe, Wahrhaftigkeit vor Witz.

Nach Orientierungsmarken in diesem Strom von Gedanken und Gefühlen muss der Leser selbst Ausschau halten. Am ehesten scheint "Lavendellied" eine Selbstverortung der Erzählerin zu sein, eine Auseinandersetzung mit sich und den ihr Vertrauten, eine Erinnerung an gemeinsame Erlebnisse und Auseinandersetzungen, an schöne und an schmerzhafte Stunden. Vor allem sind es wohl Eltern, Partner und Kinder, die Spuren und Echos im Text hinterlassen, aber auch eine lärmempfindliche Nachbarin, die zum Schrecken der Kleinfamilie wird, die sich in der neu bezogenen Wohnung bald nicht mehr laut zu reden, geschweige denn herumzutollen traut.

Doch nur selten sind die Anhaltspunkte so konkret. Meist lässt Laznia die Sprache schwingen, ohne ihr selbst allzu viel Schwung mitzugeben. Im Zentrum steht die Form, der Versuch, als einmalig Empfundenes auch unverwechselbar auszudrücken. So wird der Schultergürtel enger geschnallt oder die linke Herzkammer in einer Schachtel getragen. Bei der Reflexion über die Gegenwart des eigenen Lebens schauen immer wieder auch Gespenster der Vergangenheit vorbei, werden Wunden gepflegt und vertane Möglichkeiten eingeschätzt. Und manchmal kann eine gemeinsam verbrachte Stunde auch als geglückt bezeichnet werden: "wir hatten plötzlich Zeit, da hatten wir plötzlich die Zeit, in der wir ein Leben hätten führen können, Abende begehen und Feiertage, Kinder aufziehen, Linder singen und unsere Toten begraben, in dieser einen Stunde hätte alles Platz gehabt".

Elke Laznia: "Lavendellied", Müry Salzmann, 120 S., 19 Euro

 

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