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Buch der Woche Willy Vlautin trifft mitten ins Herz

Ein Traum, der zum Albtraum wird: Willy Vlautin, Musiker und Autor, schuf mit „Ein feiner Typ“ eine Außenseiterstory in Moll, die berührender nicht sein könnte.

Willy Vlautin Portrait Session
Stets auf der Seite der Vergessenen und der Verlierer: Willy Vlautin © Getty Images
 

Eigentlich hätte Horace, knappe 20 Jahre alt, halb irischer, halb indianischer Abstammung, allen Grund, sich halbwegs geborgen zu fühlen. Nach einer restlos desolaten Kindheit landet er auf einer Ranch im letzten Winkel von Nevada. Es ist eine hermetische, fast vergessene, aber halbwegs intakte und friedfertige Welt. Das alte Ehepaar, das Horace aufnimmt, behandelt ihn wie einen eigenen Sohn und hofft, das er bald die Ranch übernimmt.

Schon in diesen Anfangspassagen zeigt Willy Vlautin, der einige Jahre mit seiner Band Richmond Fontaine durch die Staaten tingelte, sein großartiges Gespür für Melancholie und Traurigkeit, völlig kitschfrei, in leiser, eindringlicher Sprachmusik, die schon länger zu seinen Markenzeichen zählt.

Spielarten der Einsamkeit


Man sollte das Wort „herzergreifend“ sparsam einsetzen, aber hier ist es voll und ganz angebracht. Denn Horace, ehrlich und naiv bis in die Knochen, will sich seinen großen Traum erfüllen. Er möchte Box-Champion werden, um jeden Preis, verlässt deshalb die Farm und landet in den Händen eines versoffenen Box-Managers, der ihn nach Strich und Faden ausnimmt. Zum Boxen fehlt Horace weitgehend das erforderliche Talent, er steckt massenweise Prügel ein, verspürt aber im Ring keinerlei Schmerz - und irgendwann gelingt es ihm, einen Volltreffer zu landen.
Der Traum wird zum Albtraum, die wirklichen Schläge landen mitten im Herz. Und Horace findet sich in der Großstadtgosse wieder.

Es sind die traurigen Spielarten der Einsamkeit, die den Ton angeben. Sein fünftes Werk brachte Willy Vlautin Vergleiche mit John Steinbeck und Cormack McCarthy ein, übertrieben ist das nicht.
Vlautin kennt das Milieu, über das er schreibt, er klagt nie an, das Klagelied aber schwingt zwischen den Zeilen mit, leise, enorm berührend. Vlautin, der mittlerweile eine neue Band hat (The Delines) schrieb einen eigenen Song zu seinem Buch: „Don’t Skip Out On Me“ (so lautet auch der Originaltitel des Romans), also „Lass mich nicht im Stich“. Das trifft’s, das sitzt. Sehr tief.

Lesetipp: Willy Vlautin. Ein feiner Typ. Berlin Verlag, 336 Seiten, 24,70 Euro.

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