Ada hat das Gefühl, sie „muss Schnüre um sich legen, um nicht auseinanderzufallen“. Das sensible Mädchen wächst bei seiner Großmutter auf, wird von Mutter und Stiefvater ignoriert und sehnt sich nach einem Vater-Mutter-Kind-Idyll, wie es in Kinderbüchern beschrieben wird.

„Sie hatte nicht ohne Grund gezögert, bevor sie dem Ausflug zugesagt hatte. Familienausflug. Das klingt penetrant, wenn es keine Familie gibt.“ Obwohl sie sich bei ihrer Großmutter geborgen fühlt, erfährt sie auch hier keine Zärtlichkeit: „Woher soll ich wissen, wie Umarmen geht?“ Das macht sie während ihrer Schulzeit und dem folgenden Studium trotz ihrer Talente zur Außenseiterin. Ihrer Liebe zu Farben und Stoffen, dem Gefühl für Schönheit verdankt sie schließlich eine Karriere als erfolgreiche Kostümbildnerin im Theater, das ihr schnell zur sinnlichen Gegenwelt wird.

Und doch ist da immer das Gefühl von Ungenügen, endet eine Liebesbeziehung mit ihrem „zerlöcherten Herz“: „Was führe ich für ein Leben? Warum sagt mir keiner, wie es geht?“

Minu Ghedina, geboren in Klagenfurt und aufgewachsen in Innsbruck, war bisher als bildende Künstlerin bekannt, die u. a. bei Alfred Hrdlicka studiert hatte. Der Roman mit dem etwas sperrigen Titel „Die Korrektur des Horizonts“ ist ihr literarisches Debüt, für den sie das Hilde-Zach-Förderstipendium der Stadt Innsbruck erhielt.

Es sind Themen der bildenden Kunst wie Farbe, Stofflichkeit, Schönheit, die Ghedinas Sprache zum Leuchten bringen, fast haptisch erlebbar machen. Bildmächtig und poetisch erzählt sie davon, wie sehr die Kindheit ein Leben prägt und wie bereichernd die Zauberwelt des Theaters sein kann.

Buchtipp: Minu Ghedina. Die Korrektur des Horizonts.
Otto Müller Verlag, 508 Seiten, 28 Euro.

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