Festspiele Erl-Kritik"L’amico Fritz": Naives Liebesspiel mit reicher Melodik und pralle Komödiantik

Die Tiroler Festspiele zeigen die Raritäten „L’amico Fritz“ von Pietro Mascagni und „Le Postillion de Lonjumeau“ von Adolphe Adam.

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"L’amico Fritz", temporeich, prall, mit viel Witz und Ideen inszeniert. © (c) Xiomara Bender
 

"Liebe, die in die Ferne flieht, kehrt nicht mehr zurück!": Es geht wie so oft in der Oper auch in dieser um die Liebe, so wie es der Chor immer wieder intoniert. Aber letztlich gibt es in "L’amico Fritz" von Pietro Mascagni (UA 1891 in Rom), von dem heute fast nur noch sein erfolgreicher Opernerstling "Cavalleria rusticana" aufgeführt wird, doch ein Happyend. Denn in dem harmlosen Liebesgeplänkel verliert der eingefleischte Junggeselle Fritz seine Wette mit seinem Freund David und vermählt sich mit Suzel.

Aber das Werk, das jetzt bei den Tiroler Festspielen in Erl aufgeführt wird, punktet abgesehen vom naiven Libretto und einer ziemlich undramatischen Partitur mit einfachen, anrührenden Melodien und Farbenreichtum. Vor allem dann, wenn sie so, wie vom Orchester der Tiroler Festspiele unter dem umsichtigen Francesco Lanzillotta manchmal etwas zu mächtig aber immer klangvoll gespielt werden.

Mit dazu bei trägt ein gutes Ensemble, das Großteils Bezug zur Frankfurter Oper hat, diese wird ja bekanntlich auch vom Erler Intendanten Bernd Loebe geleitet: Karen Vuong ist eine bescheidene Suzel mit fassettenreichem Sopran. Als Fritz hört man den wohlklingenden Tenor von Gerard Schneider. Schönstimmig: Nina Tarendek (Beppe), balsamisch weich: Domen Krizaj (David). Ausbalanciert: der Chor aus dem Off.

Zeitlos, nirgends verortet, vor hohen Kassettenwänden, die sich immer mehr öffnen und bald blühende Bäume aber auch Visionen zeigen (Bühne: Sonja Füsti), läuft der Plot in moderner Bekleidung ziemlich konventionell und sehr verständlich ab. Allerdings wird nach der Idee der Regisseurin aus der Hosenrolle des Beppe eine Frau, die mit Fritz eine ständige On-Off Beziehung haben soll, dessen Sinnhaftigkeit sich allerdings nicht erschließt.

Um Liebe mit Happyend geht es auch in der zweiten Rarität. Allerdings verlässt der "Postillion du Lonjumeau" noch vor der Hochzeitsnacht seine Braut, weil ihm der Pariser Opernintendant eine große Gesangskarriere verspricht, als er ihn zufällig singen hört. Zehn Jahre später nach vielen Verwicklungen kommen die beiden wieder zusammen.

Temporeich, prall, mit viel Witz und Ideen hat Hans Walter Richter die Opéra-comique inszeniert. Man belässt die Geschichte in der vorgesehenen Zeit des Rokokos und spielt sie in ebensolchen, überzogenen Kostümen auf einer drehbaren Theaterbühne in verschiedensten Perspektiven (Ausstattung: Kaspar Glarner).

Der musikalische Reichtum mit einigen Ohrwürmer werden vom Orchester der Tiroler Festspiele Erl unter dem stets befeuernden Erik Nielsen mit großer Spritzigkeit und Fassettenreichtum musiziert.

Bekannt geblieben aus der Oper ist allerdings heute nur noch die von Tenören gefürchtete Postillion-Arie, weil sie bis zum hohen D geht. Für Francesco Demuro kein Problem, denn er singt den Titelhelden mit allen mörderisch schweren Höhen und schönem Timbre. Auch für Madeleine hat der Komponist einiges an diffizilen Koloraturen erdacht, die von Monika Buczkowska ungemein flexibel und sauber gesungen werden. Weiters gefallen noch Joel Allison (Bijou) und Steven LaBrie (Marquis de Corcy). Gut singt der Chor, der nur selten mit dem Orchester nicht eines Sinnes ist.   

In beiden Fällen Jubel!

Infos und Karten für die Wiederholungen: www.tiroler-festspiele.com

Kommentare (1)
Lodengrün
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Alles

was Herr Loebe in die Hand nimmt wird ein Erfolg. Wenn man das Frankfurter in der Ära Steinhoff gekannt hat und wie es jetzt „dasteht“ kann für diese Leistung nur den Hut ziehen.