KOMM.ST in AngerFestival in Oststeiermark: Zehn Jahre Kunst für die Kultur

Das Komm.St wird zehn Jahre alt und feiert das ab morgen. Ein bisschen stiller, wegen Corona, aber mit unveränderter Absicht, ein Festival für die Region zu machen.

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Denkwürdiges "Todesmärsche" Projekt in der Pfarrkirche Anger. Für Roland Gratzer ein Höhepunkt in zehn Jahren Komm.St © Komm.St
 

Eine Künstlerin, die sich bei ihrem Ortsspaziergang durch Anger nackt auszieht und die Straße vor der Kirche hinunterrollt. – Es habe schon merkwürdige Momente in zehn Jahren Komm.St gegeben, wie Roland Gratzer erzählt. Die Performance von Julischka Stengele war aber deswegen so spannend, weil sie den Blick auf unentdeckte Winkel des Orts freigab, das Vertraute neu zeigte.  Als „arg“ bezeichnet Gratzer, Co-Organisator von Komm.St. auch die Arbeit, bei der die Butohtänzer Sachiko Ishikawa und Thierry Castel dereinst zu Musik von Berndt Luef und zu Texten von Lukas Tagwerker und Gratzer selbst in der Pfarrkirche Anger performten und die an die Todesmärsche von NS-Opfern durch die Region erinnerte. Das Publikum indes war weniger schockiert als beeindruckt.

„Man darf das Publikum nicht unterschätzen“, sagt Gratzer nach einer Dekade Erfahrung mit avancierter Kunst auf dem Land. Die Leute hätten die Skepsis gegenüber dem Festival mittlerweile weitgehend abgelegt. Dass das Festival von Land Steiermark und der Kleinen Zeitung im Vorjahr mit dem neuen Preis für Kulturinitiativen „Glanzstück“ ausgezeichnet wurde, habe der Akzeptanz noch einmal einen Schub gegeben. Und das sei wesentlich, denn das Komm.St habe immer „auf das regionale Publikum abgezielt.“ Man bringe gewissermaßen die Kunst (also, das was Impulse von außen gibt) zur Kultur (dem Lokalen). Dass dabei auch schöne persönliche Kontakte zwischen Kunstschaffenden und Menschen vor Ort entstanden sind, zählt zu den erfreulichen Nebeneffekten. Etwa, als der lokale Malermeister dem Künstler Josh Ellingson mit Farbe aushalf und kein Geld nehmen wollte („unter Malern!“).

Mittlerweile haben die Festival-Organisatoren Georg und Roland Gratzer, Günther Friesinger und Roswitha Weingrill das Komm.St auf s ganze Jahr ausgeweitet. „Die Oststeiermark ist ja kulturell kein Ödland, hier passiert sehr viel. Aber wir wollten über die zwei Wochen Festival hinausgehen, um es noch besser zu verankern“, betont Gratzer.
Mit tatkräftiger Hilfe der Gemeinde hat man das Komm.St Lab als ganzjährigen Ausstellungsort einrichten können. „Als kleines Festival hätten wir das allein nie finanzieren können“, sagt Gratzer.

Morgen um 19 Uhr wird die Ausstellung „Cast of Water“ von Ulrike Königshofer im Komm.St Lab eröffnet, zugleich gibt es die Jubiläumsfeier mit der Präsentation einer Dokumentation der ersten Festivaldekade. Dass das Komm.St ob Corona heuer ein bisschen anders und ruhiger ausfällt, ist klar. Gleich bleibt die Strategie, neue, alte Orte als Festivalort zu entdecken. Diesmal das revitalisierte Schloss Külml: Ab 3. und 4. September werden drei Solo-Acts den Ort bespielen. Gratzer: „Das war eine bewusste Entscheidung, das ganz intim zu halten.“

Das Komm.St

Eröffnung mit Vernissage „Cast of Water“: Samstag, 19 Uhr, Hauptplatz Anger.
Külml.Komm.St: Musik und Kulinarik mit Vida Noa,
Saedi und Marco Tamayo. 3. 9., Schloss Külml
Theater Kokolresk; 11. 9., Zetzboch Stüberl.
Konzert TubAffinity, 16. 9. Gasthaus Stixpeter, Floing

www.komm.st

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