Neuer Krimi von Veit HeinichenRache mit der Armbrust

Veit Heinichens elfter Roman ist wieder eine geglückte Verbindung von Thrill und Zeitgeschichte.

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Der in Triest lebende Autor Veit Heinichen
Der in Triest lebende Autor Veit Heinichen © KK
 

Organhandel, Industriespionage, Wettgeschäfte bei Hundekämpfen, das Treiben skrupelloser Broker, Geschäfte mit Flüchtlingen. Und: „Verbrechen, die ihren Ursprung in der fragilen Vergangenheit dieser Gegend hatten.“ So zählt Veit Heinichen an einer Stelle seines neuen Buchs auf, worum es in bislang zehn Romanen mit Commissario Laurenti ging. Deren erster vor mittlerweile 20 Jahren erschienen ist.

„Commissario Laurenti ahnt Böses“ ist der Untertitel von Fall 11, Titel: „Entfernte Verwandte“. Und wie in „Die Toten vom Karst“ geht es um Verbrechen mit Ursprung in Triests fragiler Historie in einer sehr speziellen Weltecke. Was den Reiz „dieser Gegend“ ausmacht, bringt eben auch zahllose Probleme mit sich. Bis heute, wie man erfährt. Womit sich Laurenti befassen muss, ist vordergründig eine Reihe von bizarren, mit einer Hi-Tech-Armbrust ausgeführten Morden. Die Opfer, das wird bald klar, haben indirekt mit den Wirren des Zweiten Weltkriegs zu tun. Durch Verstrickungen in hoch komplizierten Beziehungen zwischen Tätern und Opfern und den manchmal enormen Unschärfen in der Grenzziehung von Freund und Feind, von Gut und Böse.

Wie immer bei Heinichen, ist die Geschichte mit der Gegenwart verknüpft. Dinge, die man längst entsorgt wähnte, kochen wieder hoch, vermeintlich Unmögliches wird in Worten und Taten wieder gesellschaftsfähig. Man lernt: Das Ewiggestrige hat kein Ablaufdatum. Und man lernt auch: „Diese Gegend“ kann leider fast überall sein.
Nicht nur beruflich, auch privat hat der Commissario einiges zu verdauen.

Der Mann aus dem Süden lässt sich aber den Appetit auf die Köstlichkeiten der Region, in fester wie auch flüssiger Form, nicht nehmen. Auch diesbezüglich gibt es wieder gute Tipps.
Der seit einem Vierteljahrhundert in der Hafenstadt lebende Autor versteht es vorzüglich, Thrill und Informationen zu verbinden, macht Lust darauf, sich mit Themen auch über eine spannende Lektüre hinaus zu beschäftigen. Summa summarum: Heinichen at his best!

Buchpräsentation im Literaturhaus Graz: 10. November. Informationen über weitere Lesungen: literaturhaus-graz.at

Buchtipp: Veit Heinichen. Entfernte Verwandte.
Piper, 320 Seiten, 20,60 Euro.

KK
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Kommentare (1)
Kobold76
2
1
Lesenswert?

Wieder die alte Leier…

Die alten Nazi-Geschichten als Hintergrund für kritische Bemerkungen zum aktuellen politischen Geschehen gehen auch bei Veit Heinichen wohl nie aus. Bin schon gespannt welche hundertjährigen Täter diesmal ausgegraben werden.
Aber dennoch – wie heißt es so schön: wer jammert, der kauft (wohl wie ich auch diesen Commissario Laurenti).