Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

FestredeVan der Bellen eröffnete die 75. Bregenzer Festspiele

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am Mittwoch in seiner gewohnt launigen Art die 75. Bregenzer Festspiele eröffnet.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Der Bundespräsident sprach nach vielen Monaten der Pandemie über Zusammenhalt, Gleichberechtigung, den respektlosen Umgang mancher Politiker mit den Institutionen des Staates und - ebenfalls wie 2019 - über die Klimakrise
Der Bundespräsident sprach nach vielen Monaten der Pandemie über Zusammenhalt, Gleichberechtigung, den respektlosen Umgang mancher Politiker mit den Institutionen des Staates und - ebenfalls wie 2019 - über die Klimakrise © APA/DIETMAR STIPLOVSEK
 

Die Festgäste spendeten wiederholt großen Applaus für Van der Bellens Rede, gerade auch für sein Verhalten hinsichtlich des "Ibiza"-Untersuchungsausschusses. Den künstlerischen Auftakt des Festivals - das unter "3G-Bedingungen" stattfindet - bildet am Abend die Premiere von Arrigo Boitos "Nero" im Festspielhaus. Bis 22. August gibt es insgesamt 80 Veranstaltungen zu sehen.

Wie bereits 2019 machte der Bundespräsident die Kunst nur am Rande seiner in der Anmoderation als "Predigt" angekündigten Ansprache zum Inhalt seiner Rede. Vielmehr sprach er nach vielen Monaten der Pandemie ("Lassen Sie uns gemeinsam hoffen, dass wir das Gröbste hinter uns haben") über Zusammenhalt, Gleichberechtigung, den respektlosen Umgang mancher Politiker mit den Institutionen des Staates und - ebenfalls wie 2019 - über die Klimakrise. Es tue gut, wenn er nun wieder persönlich durch Österreich reisen und das eine oder andere im persönlichen Kontakt mit den Menschen besprechen könne, sagte das Staatsoberhaupt. Es gebe doch einiges, was man direkt aus dem Mund der Menschen hören sollte.

Größte Seebühne der Welt: Die aufsehenerregenden Bühnen der Bregenzer Festspiele

1999 & 2000

Ein beeindruckendes Bühnenbild zählt zu den Markenzeichen der Bregenzer Festspiele. Ein Blick auf die Bühnen der vergangenen Jahrzehnte. Den Anfang machen Richard Jones und Antony McDonalds mit ihrem Bühnenbild für Giuseppe Verdis Oper "Ein Maskenball".

(c) AP (RUDI BLAHA)

2001 & 2002

"La Bohème" während eines Sonnenuntergangs im Sommer 2001.

(c) APA (Bregenzer Festspiele)

2003 & 2004

Blick auf die Bregenzer Seebühne mit einer 28 Meter hoch aus dem Wasser ragenden Nachbildung der New Yorker Skyline aus Glas und Metall, aufgenommen bei einer Fotoprobe des Musicals West Side Story.

APA/EPA (Eddy Risch)

2005 & 2006

Giuseppe Verdis leidenschaftliche Oper 'Der Troubadour' im spektakulären Bühnenbild von Paul Steinberg und der packenden Regie von Robert Carsen.

(c) Bregenzer Festspiele GmbH (andereart)

2007 & 2008

Ein überdimensionales Augengemälde bildet den Hintergrund der Bregenzer "Tosca"-Inszenierung 2007.

(c) Bregenzer Festspiele GmbH (andereart)

2009 & 2010

Das Bühnenbild auf der Seebühne am Bodensee während der Oper "Aida" von Giuseppe Verdi im Rahmen der Bregenzer Festspiele 2009.

(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

2011 & 2012

Blick auf die Bühne während der Premiere von Umberto Giordanos "André Chénier".

(c) APA/DIETMAR STIPLOVSEK (DIETMAR STIPLOVSEK)

2013 & 2014

"Die Zauberflöte" ging 2013 in luftigen Höhen über die Bühne.

(c) APA/DIETMAR STIPLOVSEK (DIETMAR STIPLOVSEK)

2015 & 2016

Puccinis Oper "Turandot" erwies sich 2015 und 2016 als Glücksfall.

(c) APA/DIETMAR STIPLOVSEK (DIETMAR STIPLOVSEK)

2017 & 2018

"Carmen" war die Neuproduktion des Jahres 2017.

(c) ORF (Stiplovsek Dietmar)

2019 & 2021

Der "Rigoletto" soll auch 2021 begeistern. Giuseppe Verdis Oper ist bis 22. August zu erleben.

(c) APA/DIETMAR STIPLOVSEK (DIETMAR STIPLOVSEK)
1/11

Die Pandemie habe an vielen Frauen "wirklich gezehrt", Betreuungsarbeit und Homeschooling seien im Wesentlichen an den Frauen hängen geblieben. "Das sollten wir nicht hinnehmen. Es braucht eine Änderung in den Köpfen aller und den Geldbörsen der Frauen", stellte Van der Bellen fest. Er verstehe nicht, warum man es Frauen möglichst schwer mache, Chancen auf dem Arbeitsmarkt wahrzunehmen. In Sachen Politik sagte der Bundespräsident - ohne konkret zu werden, aber ganz offensichtlich in Anspielung auf den Untersuchungsausschuss zum Ibiza-Video bzw. auf das Verhalten von Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) -, dass die Leute sehr unzufrieden seien, wie mit den Institutionen des Staates umgegangen werde, insbesondere mit der Verfassung. Er sei selbst erstaunt gewesen, "dass mich ein über 100 Jahre alter Artikel der Verfassung zu Tätigkeiten veranlasst hat", so Van der Bellen.

Am meisten Sorge bereite aber die Klimakrise mit all den schrecklichen Hitze- und Überflutungsbildern der vergangenen Wochen. "Wir müssen uns Sorgen machen. [...] Zu den Menschenpflichten gehört es, finde ich, unser Haus den nächsten Generationen in Ordnung zu übergeben", unterstrich der Präsident. Man dürfe aber nicht in einen Fatalismus verfallen oder allzu pessimistisch werden, "wir wissen schon, dass wir das Zeug haben, mit Krisen fertig zu werden". Es müsse aber jeder das Seine beitragen, und: "Wir werden unsere Lebensweise umstellen müssen." Die Ziele seien definiert, er wolle aber Maßnahmen sehen. "Wir müssen schneller ins Tun zu kommen, das schaffen wir auch", so Van der Bellen. Die Bregenzer Festspiele, denen er zum 75. Geburtstag gratulierte, würdigte er als "das" Festival der Zweiten Republik, das das Kulturverständnis der Republik widerspiegle.

"Wir brauchen das Schöne"

Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) unterstrich in ihrer Ansprache ebenso die Bedeutung von Kunst und Kultur. "Wir brauchen das Schöne, das Menschliche, den Widerspruch, die Reibung, das Verblüffende, die Fantasie, den kritischen Blick. Ohne Kunst können wir überleben, aber unser Menschsein kann das nicht", stellte sie fest. Aus der Seebühnen-Produktion "Rigoletto" zitierte sie den Herzog von Mantua: "Ohne Freiheit gibt es keine Liebe." In den vergangenen eineinhalb Jahren seien wir nicht frei gewesen, "manche wissen erst jetzt, was wir verloren hatten", so die Staatssekretärin. Ohne Freiheit aber gebe es die Kunst nicht.

Die Bregenzer Festspiele symbolisierten, "was das Beste an unserem Land, an Österreich ausmacht", sagte Mayer. Die Gründung vor 75 Jahren sei ein Signal für die Loslösung von den dunklen Zeiten des Nationalsozialismus gewesen, die Abwendung vom "Ende der Kultur" hin zur Wiedergewinnung von Frohsinn und Glück. Eingebettet in die Weite des Sees eröffne die Bregenzer Seebühne die große Perspektive.

Nach einjähriger Corona-Pause - und entsprechenden Einbußen auf der Einnahmenseite - zeigten sich die Festspiel-Verantwortlichen im Vorfeld der Eröffnung sehr zufrieden mit dem Ticket-Absatz. Insgesamt stehen 80 Veranstaltungen auf dem Programm, für die 212.000 Karten aufgelegt wurden. Mindestens 85 Prozent der Tickets waren zu Festspiel-Beginn bereits gebucht. Für die 28 Aufführungen von Giuseppe Verdis "Rigoletto" auf der Seebühne gelangten 192.000 Karten in den Verkauf. Die "Rigoletto"-Wiederaufnahme wird am Donnerstagabend gefeiert.

Die live im TV übertragene Eröffnung profitierte vom Humor des Bundespräsidenten und den Darbietungen der Festspiel-Künstler. Van der Bellen ging in seiner beliebten Art immer wieder in direkten Kontakt mit dem Publikum und sorgte mit Zwischenbemerkungen für Lacher. Besonders gut kam wie in den vergangenen Jahren Moderator Nikolaus Habjan an, der mit seiner Handpuppe (der Diva "Lady Bug") und subversiven Ansagen für beste Unterhaltung sorgte und Georg Kreislers "Alles nicht wahr" sang. Ebenso prägend wie die Reden waren für die Eröffnungszeremonie aber die Auszüge von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Festspielprogramm. So gab es unter anderem Darbietungen aus "Rigoletto" und "Nero". Während die Eröffnung im Festspielhaus ihren gewohnten Gang nahm, musste der traditionelle Empfang für die Vorarlberger Bevölkerung auf dem Vorplatz des Festspielhauses Corona-bedingt entfallen. Der Festspielbezirk war allerdings für Genesene, Getestete und Geimpfte geöffnet, Flanieren über den Platz der Wiener Symphoniker - so der offizielle Name des Vorplatzes - war also möglich.

Kommentare (3)
Kommentieren
upsidedown
5
9
Lesenswert?

Blümel

VdB versteht Blümel nicht, viele verstehen nicht, dass der noch immer nicht zurückgetreten ist (wurde), was in einem Rechtsstaat unerlässlich wäre, oder in U-Haft ist - Verdunkelungsgefahr. Es ist ein Graus, was in Ö passiert. In den meisten Kabinetten sind untaugliche Minister, die statt vorhandener Experten Hundertschaften von externen Nicht-Experten beschäftigen für horrende Summen. Siehe Der Kronzeuge im Falter. Der Grüne Pass ist ein Murks, Schüler der Fachhochschule haben längst die Fehler entdeckt, nur für i-phone funktioniert die App - ebenfalls von einem Fachhochschüler. Es ist so erbärmlich. Und die meisten Österreicher kapieren nichts, weil sie sich nicht informieren und nur die Krone und andere von der Regierung gestopfte Blätter lesen. https://www.falter.at/zeitung/20210721/der-kronzeuge/_a15a1689fc

Blaumacher
2
1
Lesenswert?

Klar.

Im Falter werden sie fündig..... Ja genau

upsidedown
0
0
Lesenswert?

Günstlinge statt Experten

nicht nur. Auch andere Medien sind informiert. Aber natürlich nicht Krone oder Österreich, denn die werden von der Regierung blöd gefüttert mit Inseraten, damit sie lobhudeln und nicht informieren. https://kontrast.at/?fbclid=IwAR3f5nY6lQ0rv588yjz8A_ABfkJj_ADhMo7ZsPM5Hqa7bqa0u5lENCVt-ew