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Die echte Stimme"Milli Vanilli"-Sänger John Davis mit 66 gestorben

"Milli Vanilli" sind eine Kultband mit Welterfolg. Zu ihrer Geschichte gehören auch Live-Auftritte, bei denen sie nur ihre Lippen bewegten. Die "echte Stimme", jene von John Davis, ist nun für immer verstummt.

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FAB MORVAN JOHN DAVIS FACE MEETS VOICE A MILLI VANILLI EXPERIENCE FFH DAS NEUNZIGER FESTIVAL HESSEN
John Davis (rechts) im Bild mit Fabrice Morvan, Ex-Frontmann von "Milli Vanilli". © (c) imago/Hoffmann (Martin Hoffmann)
 

Auf der Bühne ließen Fabrice Morvan und Rob Pilatus ihre Hüften kreisen und brachten die Fans mit "Milli Vanilli" zum kreischen. John Davis stand im Hintergrund, im Gegensatz zu den genannten Stars, bewegte er aber nicht nur seine Lippen, sondern sang tatsächlich. Am Montag übermittelte seine Tochter die traurige Nachricht: "Leider verstarb mein Vater heute Abend am Coronavirus. Er machte viele Menschen glücklich mit seinem Lachen und seinem Lächeln, seinem glücklichen Wesen, seiner Liebe und vor allem durch seine Musik." John Davis wurde 66 Jahre alt.

Es war das dunkle Geheimnis von "Milli Vanilli", das nicht verhinderte, dass es die Band zum Welterfolg brachte. Zu ihren Hits gehören Songs wie "Girl you know it's true".

Die verrückte Geschichte von "Milli Vanilli"

Sie waren Superstars. 1988 erschuf der deutsche Produzent Frank Farian das Pop-Duo Milli Vanilli. Als "Sänger" holte er zwei junge Männer mit hübschen Gesichtern und Rastazöpfen: den Franzosen Fab Morvan und den Deutsch-Amerikaner Rob Pilatus. Milli Vanilli lieferten Ende der 1980er Jahre einen Hit nach dem anderen - ohne selbst gesungen zu haben. Aber das wurde erst Mitte November 1990 bekannt.

In den USA landete das Duo aus Deutschland mit den Songs "Baby Don't Forget My Number", "Blame it on the Rain" und "Girl I'm Gonna Miss You" dreimal sensationell auf Platz eins der Single-Charts. Das Debütalbum "All Or Nothing" war europaweit erfolgreich. In den USA stand es 1989 unter dem Titel "Girl You Know It's True" wochenlang an der Charts-Spitze, die Platte wurde millionenfach verkauft.

Obendrein gab es im März 1990 den begehrtesten Musikpreis der Welt, den Grammy, in der Kategorie "Beste neue Künstler". In jener Nacht saß Charles Shaw, neben Brad Howel und John Davis einer der "echten" Sänger von Milli Vanilli, zu Hause in Mannheim und verfolgte die Gala im Fernsehen, wie er vor einigen Jahren "Spiegel Online" berichtete.

Er habe den Auftritt des Duos gesehen, seine eigene Stimme vom Band singen gehört und "konnte weder lachen noch weinen", sagte er. "Ich wusste: Das würde nicht lange gut gehen, bald würde die Bombe platzen."

Und tatsächlich kam es einige Monate später zum großen Knall. Nachdem es immer wieder Gerüchte gegeben hatte, verkündete Frank Farian Mitte November 1990: Er habe Pilatus und Morvan nur wegen ihres Aussehens angeheuert. Die Platte sei bereits vorher produziert worden. Der "Washington Post" sagte Farian kurz danach: "Es war fantastische neue Musik, die Leute waren glücklich, wo ist das Problem?"

Für die amerikanische Schallplattenakademie war es allerdings ein großes Problem. Am 19. November 1990 entzog sie Milli Vanilli den Grammy, ein beispielloser Schritt in der damals mehr als 30-jährigen Geschichte des renommierten Musikpreises. Später entschied ein US-Gericht, dass die Fans drei Dollar je gekaufter CD zurückbekommen.

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