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Psychiater und SuizidforscherZum 100. Geburtstag von Erwin Ringel: Glut trinken und Licht schlürfen

Essay. Arnold Mettnitzer erinnert sich an seinen Lehrer, der in Rumänien geboren wurde, in Hollabrunn und Wien aufgewachsen ist und in der Stadt Sigmund Freuds zum „Beichtvater Österreichs“ wurde.

Erwin Ringel
Erwin Ringel wäre heute 100 Jahre geworden © B.Gindl / APA-Archiv / picturedesk
 

Am 10. Juni 1991 in Wien beginne ich mit meiner Lehranalyse bei Erwin Ringel und damit die Ausbildung zum individualpsychologischen Psychotherapeuten. „Setzen Sie sich“, begrüßt mich der Herr Professor, „und fangen Sie an zu erzählen!“ Und wie nie zuvor in meinem Leben beginne ich zu erzählen. Erst Monate später wird mir die Tragweite dieser Begegnung bewusst: eine Sternstunde und ein Wendepunkt, die entscheidende Wegkreuzung zur Mitte meines Lebens. Um das Glücksgefühl länger auskosten zu können, angekommen und angenommen zu sein, fahre ich nicht über die Südautobahn zurück nach Klagenfurt, sondern genieße die um 200 Kilometer längere „Fahrt ins Freie“ über Linz, Salzburg und Spittal an der Drau. Viele gratulieren mir damals dazu, „Ringels letzter Schüler“ zu sein, andere fragen mich, warum ich mich „ausgerechnet auf diesen verrückten Menschen“ einlasse.

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