Leichte Sommerlektüre von Klaus ModickEin Taugenichts als Tramper

Klaus Modicks Roadtrip-Roman "Fahrtwind" auf den Spuren Joseph von Eichendorffs. Eine romantisch, träumerische Sommerkomödie.

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Auch den Spuren von Eichendorff: Klaus Modick
Auch den Spuren von Eichendorff: Klaus Modick © KK
 

Er will nicht in den spießigen Großhandel seines Vaters einsteigen und auch nicht studieren. Seine Freundin hat sich gerade von ihm getrennt, und auch sonst hält ihn nichts in seiner miefigen Heimat. Was er hingegen will, ist nicht so eindeutig. Eine vage Sehnsucht zieht ihn ins Licht des Südens, und Musik machen, Songs schreiben, auf seiner Gitarre zupfen, ist sein Lebenszweck.

Ein Zwanzigjähriger in den 1970er Jahren, so wie der Autor selbst einer war, ist der Held im schmalen Roman von Klaus Modick, der einleitend gleich auch das Konzept seines Buches "Fahrtwind" erklärt: Darin lässt er seinen Helden auf den Spuren von Joseph von Eichendorffs spätromantischer Erzählung „Aus dem Leben eines Taugenichts“ wandeln.

Der Ausreißer trampt mit Gitarre und Joints und jeder Menge Songtexten von den Beatles bis zu Bob Dylan über Wien bis nach Rom - ähnlich dem historischen Vorbild 200 Jahre zuvor. Station nach Station stellt Modick diesen Roadtrip nach, inklusive vergeblicher Liebe, schwärmerischer Naturbeschreibung und naiv gereimter Texten.

Das Träumen und die Romantik

Wie er das tut, ist zeitweise etwas altertümlich, doch die Sehnsucht nach der Unbeschwertheit der Jugend leuchtet zwischen den Zeilen immer wieder auf. Mit der Jugend von heute hat das nicht viel zu tun, auch wenn das Gefühl des Fahrtwindes im Haar, das Träumen und die Romantik zeitlos sind. Eine Sommerlektüre in Corona-Zeiten.

Historische Inspiration für seine Bücher holte sich der deutsche Autor Klaus Modick schon oft. „Sunset“ erzählt in Romanform von Lion Feuchtwanger und Bert Brecht, „Der kretische Gast“ von einem deutschen Archäologen auf Kreta während der deutschen Besatzung in den 1940er Jahren und „Konzert ohne Dichter“ von der Künstlerkolonie Worpswede und Rainer Maria Rilke. „Fahrtwind“ reicht nicht daran heran, wirkt wie eine Fingerübung - eine leichthändige, romantische, träumerische zwar, aber wenig nachhaltig.

Man kann diese Geschichte auch als Kritik an den Zwängen und dem Leistungsdruck unserer Zeit lesen, als Plädoyer für Fantasie und Poesie. Aber vielleicht wäre die Umdichtung des Taugenichts in einen aktuellen „Nichtsnutz“ des 21. Jahrhunderts spannender.

Buchtipp: Klaus Modick. Fahrtwind. Kiepenheuer & Witsch,
195 Seiten, 20,60 Euro.

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