Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

KolumneDirk Stermann: Bücher für die Taschen

Dirk Stermann
Dirk Stermann © (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
 

Mein Roman „Der Hammer“ ist jetzt als Taschenbuch erschienen. Es gibt Leute, die warten darauf, dass Romane als Taschenbuch erscheinen, weil sie dann günstiger sind. Da will man einen Roman lesen und muss ein, zwei Jahre warten, weil man so ein paar Euro spart. Bei Autos verstehe ich das. Wer kauft sich einen Neuwagen, wenn er nach einem Jahr den gleichen Wagen gebraucht um mehrere Tausend Euro weniger bekommt. Aber ein Buch? Für Bücher braucht man weder Winterreifen noch Carports.

Vor Jahren erschien von mir im Czernin-Verlag das Buch „Eier“. Es sah aus wie ein Taschenbuch, es fühlte sich an wie ein Taschenbuch, es war ein Taschenbuch. Nicht die Spur von Hardcover. Nachdem in der „Süddeutschen Zeitung“ eine gute Kritik erschien, trudelten Angebote von großen deutschen Verlagen ein, die sich für die Taschenbuch-Rechte bewarben. Der Chef von Czernin freute sich sehr über die unverhoffte Aussicht auf Geld. „Verstehe ich nicht“, sagte ich zu ihm. „Eine Taschenbuchausgabe von einem Taschenbuch?“ – „Ja, großartig, nicht?“ Der Verleger rieb sich seine Verlegerhände. Ich: „Ist das nicht wie eine Minimundus-Ausgabe von Minimundus?“ – „Man kann die ,Eier‘ so günstiger verkaufen“, erklärte er mir. Ich: „Und wird die Taschenbuchausgabe dann dünner oder aus schlechterem Papier gemacht?“ Er: „Nein, genauso wie die Originalausgabe, aber als Taschenbuch.“ Ich: „Die Originalausgabe ist doch aber schon ein Taschenbuch.“ Er: „Aber nicht offiziell. Die offizielle Taschenbuchausgabe wird erst erscheinen.“

Nach harten Verhandlungen entschieden Verlag und ich, die Taschenbuchrechte dem Goldmann-Verlag zu übertragen, der dann eine Taschenbuchausgabe herstellte, die genauso aussah wie die Originalausgabe, nur, dass nicht mehr Czernin-Verlag am Cover stand, sondern Goldmann. Die Taschenbuchausgabe der Taschenbuchausgabe war jetzt billiger, weil sie anders als die Taschenbuchausgabe jetzt eine Taschenbuchausgabe war.

Ich verstand es nicht und verstehe es auch heute nicht. Darum musste ich zu einem großen Verlag wechseln, wo die Taschenbuchausgabe vom Hardcover leicht unterschieden werden kann. Das eine ist weicher und kleiner als das andere. Es steht aber trotzdem dasselbe drin. Seit damals träume ich davon, im Selbstverlag eine Taschenbuchausgabe der Taschenbuchausgabe von Goldmann herauszubringen. Sie würde genauso aussehen wie die Originalausgabe von Czernin und die Taschenbuchausgabe von Goldmann, wäre aber die Taschenbuchausgabe der Taschenbuchausgabe der Taschenbuchausgabe und deshalb noch günstiger.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.