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100. GeburtstagBayreuther Festspiele ehren Wolfgang Wagner

In diesem Jahr (30. August) wäre der im März 2010 gestorbene Wolfgang Wagner 100 Jahre alt geworden. Die Bayreuther Festspiele ehren ihn am Vorabend (24. Juli) der diesjährigen Eröffnung mit einem großen Festakt.

Wolfgang Wagner , Katharina Wagner
Wolfgang Wagner © AP
 

Die letzten Bilder, die von Wolfgang Wagner bekannt sind, zeigen ihn auf einer Art Thron. Bei seinem Abschied als Intendant der Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele 2008 stützt sich der Komponisten-Enkel auf einen Stock, lächelt und winkt huldvoll. Fast 89 Jahre war er damals alt und verabschiedete sich zugunsten seiner Töchter Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier von der Festspiel-Spitze.

In diesem Jahr (30. August) wäre der im März 2010 gestorbene Wolfgang Wagner 100 Jahre alt geworden. Die Bayreuther Festspiele ehren ihn am Vorabend (24. Juli) der diesjährigen Eröffnung mit einem großen Festakt. Seine Tochter und Nachfolgerin Katharina Wagner würdigte ihn im Interview der Deutschen Presse-Agentur als "sehr sehr guten Intendanten".

Dass er auf den letzten öffentlichen Bildern thront, ist nur folgerichtig. "Der Prinzipal" heißt eine Ausstellung zum 100. Geburtstag des Über-Intendanten im Bayreuther Richard-Wagner-Museum. Prinzipal - das kann Herrscher bedeuten, Oberbefehlshaber oder Hauptmann und beschreibt in jedem Fall den, der etwas zu sagen hat.

Genau das war Wolfgang Wagner mehr als 50 Jahre lang. Mit starker Hand lenkte er das weltweit renommierte Musikfestival auf dem Grünen Hügel. Die Opernwelt verliere "einen ihrer wahrhaft Großen", erklärte der damalige Bundespräsident Horst Köhler nach Wagners Tod. "Mit Wolfgang Wagner verliert unser Land einen herausragenden Intendanten", schrieb damals Bundeskanzlerin und Bayreuth-Stammgast Angela Merkel (CDU).

Wieder aufgebaut

Wolfgang Wagner, das dritte Kind von Siegfried und Winifred Wagner, hatte die Festspiele nach dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit seinem älteren Bruder Wieland wieder aufgebaut. Keine leichte Aufgabe, galt der Grüne Hügel zur NS-Zeit doch als Nazi-Hochburg, die Festspiele als Lieblings-Kulturereignis von Adolf Hitler persönlich. Als "Onkel Wolf" soll er den Wagner-Kindern bekannt gewesen sein.

"Neu-Bayreuth" wurde also nach dem Krieg aus der Taufe gehoben. Die Inszenierungen sorgten weltweit für Aufsehen. Dabei stand Wolfgang Wagner, der immer eher Kaufmann und Organisator als feingeistiger und intellektueller Künstler war, stets im Schatten seines Bruders Wieland. Nach dessen frühem Tod im Jahr 1966 aber war Wolfgang Wagner der alleinige starke Mann auf dem Hügel - und sollte es jahrzehntelang bleiben. Unter seiner Ägide entstanden mehr als 1.700 Aufführungen im Festspielhaus. Zwölf eigene Inszenierungen gehen auf sein Konto.

Als er merkte, dass er seine jüngste Tochter Katharina nicht als Nachfolgerin durchsetzen konnte, klammerte er sich im hohen Alter so lange an seinem Posten fest, bis eine Lösung gefunden war, mit der er leben konnte: Katharina und ihre Halbschwester Eva Wagner-Pasquier übernahmen die Festspiel-Leitung 2008 gemeinsam. Seit 2015 hat Katharina sie allein inne.

Höherer Organisationsaufwand

Die Arbeit ihres Vaters und ihre eigene könne man kaum vergleichen, sagte Wagner im dpa-Interview. "Man darf (...) nicht vergessen, dass mit dem Ausscheiden meines Vaters die Bayreuther Festspiele GmbH durch die öffentliche Hand dominiert wird und der Organisationsaufwand wesentlich angestiegen ist. Auch Kinoübertragung, Facebook-Betreuung und manch anderes hat er nicht gemacht. Viele bemängeln ja, dass er präsenter war als ich und dass er immer nahezu überall zugleich war. Aber das Arbeitsaufkommen hat sich gegenüber früheren Jahren vervielfacht."

Es sei einfach sehr viel zu tun - vor allem am Tag der Festspiel-Premiere (in diesem Jahr starten die Festspiele mit einer Neuinszenierung des "Tannhäuser"). Dieser Tag sei "einer der schwierigsten, weil man sich aufteilen muss zwischen dem Festspielhaus und der Kinoübertragung, die ich mitmoderiere. Es ist eine Frage der permanenten Abwägung, was gerade dringlicher ist, und da ist es allerdings auch manchmal ein bisschen so: Wie man es macht, ist es falsch."

Zu wenig Präsenz war aus Sicht von Dirigent Christian Thielemann, der in diesem Jahr den "Lohengrin" und "Tristan und Isolde" dirigiert, bei Wolfgang Wagner, einer Art Ziehvater für ihn, nie ein Thema. "Ich habe immer gedacht, man muss den geklont haben", sagte er. "Gerade noch war er im Probenraum, dann kam er einem auch schon wieder im Treppenhaus entgegen. Ich habe ihn immer gefragt: Herr Wagner, gibt es Sie mehrfach?"

 

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