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15. bis 17. MärzPolitische Kunst auf der "Art Vienna"

Zwei Jahre nach ihrer Erstausgabe im Leopold Museum wagt die Kunstmesse "Art Vienna" von 15. bis 17. März einen Neustart im Kongresszentrum der Wiener Hofburg.

„The Disasters of War 64“, 2018, Öl und Acryl auf Leinwand, 160 x 233 cm, rückseitig signiert: G. Helnwein © Kaiblinger Galerie & Kunsthandel/© Bildrecht Wien, 2019
 

Zwei Jahre nach ihrer Erstausgabe im Leopold Museum wagt die Kunstmesse "Art Vienna" von 15. bis 17. März einen Neustart im Kongresszentrum der Wiener Hofburg. "Wir wollten frischen Wind hereinbringen und wünschen uns junges, neues Publikum", sagte Messechefin Alexandra Graski-Hoffmann am Donnerstag beim Presse-Pre-Opening. Dass dies gelingen könnte, dafür ist vor allem der Keller verantwortlich.

An sich war man im Februar 2017 im Leopold Museum mit 15.000 Besuchern nicht unzufrieden. Durch Umbauten und Schließungen im Museum habe man im Vorjahr jedoch keine gute gemeinsame Lösung finden können und sich daher entschlossen, an jenen Schauplatz zu übersiedeln, wo man seit 50 Jahren erfolgreich die Kunst- und Antiquitätenmesse "Art&Antique" ausrichte, sagte Graski-Hoffmann. Ein eigener Eingang an der Achse Museumsquartier-Michaelertor soll mehr Sichtbarkeit und damit auch mehr Laufkundschaft bringen. Im Eingangsbereich empfangen einen mit einer Präsentation der neuen Landesgalerie Niederösterreich und einem Stand von "stayinart. mehr als ein kunstmagazin", an dem Elke Krystufek den verstorbenen Galeristen Georg Kargl im Himmel zwischen Marilyn Monroe und Jack Lemmon zeigt, gleich einmal aktuelle Positionen.

Junge, politische Kunst

Um den Fokus der "Art Vienna", die sich Kunst von der klassischen Moderne bis heute widmet, noch deutlicher in Richtung Gegenwart zu schieben, wurde im Souterrain ein Gegengewicht zum imperialen Prunk der sonstigen Räume etabliert. Im Saal der ehemaligen Hofküche gestaltete man eine Sonderausstellung mit politischer, junger Kunst, nebenan werden in vier "cabins" zeitgenössische Positionen präsentiert. Beides stellt sich als ausgezeichnete Idee heraus. Dass die Ausstellung, die zehn "upcoming emerging artists" mit extra angefertigten Arbeiten präsentiert, "Hofburg unter dem Teppich" heißt, erklärte Kurator Georgij Melnikov so: "Das Material der Arbeiten besteht zu 90 Prozent aus Teppichen, die bei Veranstaltungen in der Hofburg verwendet wurden. Daraus ist eine spannende, mutige, zu kritischen Diskussionen anregende, lebendige Ausstellung entstanden."

Witzig & pointiert

Zu sehen sind witzige, pointierte Auseinandersetzungen mit aktuellen Themen. Der in der Hofburg stattfindende Akademikerball wird etwa in einer Schrift-Arbeit von Verena Dengler oder einem Video von Super Nase & Co thematisiert, das einen mit dem Teppichklopfer auf einen Akademikerballteppich einschlagenden Burschenschafter zeigt: "This is not Schlagender Burschenschafter". Anna Vasof lässt unter einem Roten Teppich eine nach vorn kippende Figur ständig aufs Neue mit dem Kopf gegen ein Sektglas prallen, Adele Razkövi zeigt ein Teppich-Mobile. Livil (Olivier Hölzl) verarbeitet Wappenadler von Fahnen und Standarten zu einem ineinander hoffnungslos verkeilten Nationalismus-Echo, und beim Kollektiv We Productions entsteht aus dem verdrehten Einsatz des englischen Wortes "We" unversehens ein Gebilde, das an ein blutiges Hakenkreuz erinnert. Veronika Suschnig thematisiert in "I liked it, so it's mine" und "It's ok and other lies" sexuelle Übergriffe auf Bällen. Dass die Verzierungen ihrer Teppiche an Zuckerglasur erinnern, reflektiert auch den Umstand, dass jene Hofburg-Geheimtreppe, über die sich angeblich Maria Theresias Gemahl und Sohn gelegentlich samt "Gspusi" davonstahlen, "Zuckerbäckerstiege" genannt wurde.

Veronika Suschnig ist auch gleich nebenan in der Koje der jungen Galerie ARCC.at u.a. mit Pillenblisterarbeiten (2.400 bis 4.500 Euro) und Korallenbildern vertreten. "Das Ambiente hier unten passt besser zu uns. Da oben ist es mir zu glattpoliert", fühlte sich Galerist Rudolf Leeb im Gespräch mit der APA keineswegs vom glatten Parkett in den Keller abgeschoben. Leeb ist in guter Gesellschaft: Die anderen "cabins" werden von der Galerie Reinthaler u.a. mit Deborah Sengl bespielt (ihr Hasen-Präparat "Killed to be dressed" ist ein echter Hingucker und kostet 15.000 Euro), unttld contemporary zeigt Arbeiten des 1978 geborenen Christian Bazant-Hegemark, die Galerie Loft 8 widmet sich der 1980 in Bukarest geborenen und in Wien lebenden Künstlerin Anemona Crisan.

Oben, wo es mehr chic als shabby zugeht, lassen sich auch sechsstellige Summen ausgeben. Die Galerie Magnet offeriert einen Werner Berg ("Pacherweg mit Stern", 1950) um 230.000 Euro und einen Zoran Mušič ("Cavallini", 1950) um 195.000 Euro. Bei Gerald Hartinger Fine Arts kann man ein Werk von Jean-Michel Basquiat ("Flexible", 1984/2016) um 105.000 Euro erwerben. Im Gegensatz zur "Art Austria", die vom 5. bis 7. April das Palais Liechtenstein bespielt, haben die 28 Aussteller der "Art Vienna" auch internationale Kunst im Angebot.

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