Ein politischer Eurovision Song Contest endete mit dem Sieg eines politischen Liedes: Die Ukrainerin Jamala kann mit ihrer traurigen Ballade "1944" den Bewerb in Stockholm für sich entscheiden. Ihr Lied handelt formal von der Deportation der Krimtartaren unter Stalin - ist aber selbstredend auch als Kommentar auf die aktuelle politische Lage der von Russland annektierten Halbinsel zu werten.

Endstand: Insgesamt kam die Ukraine auf 534 Punkte. Auf Platz 2 des Feldes etablierte sich Australien mit Sängerin Dami Im und ihrer Ballade "Sound Of Silence" mit 511 Punkten. Der im Vorfeld hoch gehandelte Russe Sergey Lazarev reihte sich mit 491 Punkten relativ nah auf Platz 3 ein. Eine Überraschung ist der vierte Platz für die Bulgarin Poli Genova (307 Punkte) und den schwedischen Popsong "If I Were Sorry" von Frans (261 Punkte).


Österreichs Kandidatin Zoe konnte sich mit 120 Punkten beim Publikum mit einem hervorragenden achten Platz durchsetzen. Da die internationalen Fachjurys die 19-Jährige mit "Loin d'ici" allerdings nur mit 31 Punkten bedachten und ihre damit Platz 24 von 26 Nationen bescherten, stand am Ende Platz 13 mit 151 Punkten.

Zoe und ihr Team darf zufrieden sein
Zoe und ihr Team darf zufrieden sein © AP

"Die Leute haben mich nicht im Stich gelassen", freute sich die 19-Jährige im Anschluss vor Journalisten. "Es war eine sehr große Ehre, dass die Menschen, das Publikum mir im Endeffekt diesen Platz ermöglicht haben", unterstrich die glückliche Sängerin: "Es bedeutet für mich mehr - es sind ja doch ein wenig mehr Leute gewesen als die Jurys." Nachtragend will die Wienerin aber auch nicht sein: "Aber egal. Ist ja alles gut im Endeffekt. Wir haben es gut geschafft und sind total in der Mitte." So sei 13 auch keine Unglückszahl für sie.

Insgesamt zeigte sich beim Bewerb das Teilnehmerfeld heuer stilistisch breit aufgestellt - von der Countrynummer des Niederländers Douwe Bob, "Slow Down", über zahlreiche Powersongs wie demjenigen der Australierin Dami Im ("Sound Of Silence") bis hin zur klassischen ESC-Schmachtballade der Tschechin Gabriela Guncikova ("I Stand"). Österreich steuerte mit Zoe französischen Popchanson bei, Belgien durch Laura Tesoro und "What's The Pressure" Partyfunk. Ein verbindendes Element vieler Beiträge war dabei das Einflechten von Hip-Hop-Elementen zumindest im Bezug auf die Tanzbewegungen. 

Qualitativ durchwachsen nach den beiden herausragend aufwendigen und amüsanten Halbfinals präsentierte sich indes die Show als solches überraschend schwergängig. Allein für die Einführung der Teilnehmerländer zu Beginn wurden sechs zähe Minuten zu schwedischer DJ-Musik verbraucht. Auf eine klassische Eröffnungsnummer des Moderatorenduos Petra Mede und Mans Zelmerlöw wartete man hingegen vergebens.

Deren große Stunde schlug erst in der Wartepause zwischen dem letzten Act und der Verkündung der Punkte, setzten die beiden doch zu einer ESC-Veräppelungsnummer unter dem Titel "Love Love Peace Peace" an, in der die vermeintlich sicheren Tipps für einen Song-Contest-Auftritt verbraten wurden - von den butterstampfenden Polinnen aus 2014 über die russischen Babuschkas aus 2013 bis zum brennenden Klavier der österreichischen Makemakes aus dem Vorjahr.

Der eigentliche Knaller: Justin Timberlake
Der eigentliche Knaller: Justin Timberlake © AP

Der eigentliche Knaller war aber der Auftritt von Superstar Justin Timberlake mit seiner neuen Nummer "Can't Stop The Feeling". "Ich bin selbst nervös", zeigte sich der Sänger im Interview vor seinem Auftritt mit Understatement. Dann verstieß der 35-Jährige bei seinem Pauseneinsatz aber klar gegen die ESC-Regeln und hatte anstelle der erlaubten sechs ganze 20 Bandmitglieder auf der Bühne. Zugleich wäre mit dem aktuellen Song bei einem theoretischen ESC-Antritt für die USA, wo der Song Contest heuer erstmals live übertragen wurde, wohl auch nicht mehr als ein solider Mittelplatz drin gewesen.

Der Live-Ticker in der Nachlese: