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Hintergrund

Die Kleine Zeitung gezeichnet

Am heutigen Samstag erscheint die Kleine Zeitung durchgehend von Hand illustriert. Insgesamt 26 Zeichnerinnen und Zeichner in Graz und Klagenfurt haben die gesamte Ausgabe nach Pressefotos gestaltet. Von Michael Tschida

Kreative Vollbesetzung im Konferenzraum © (c) J�rgen Fuchs (J�rgen Fuchs)
 

"Zeichnen ist die Kunst, Striche spazieren zu führen", pflegte Paul Klee einst zu sagen. Gut, den großen Minimalisten konnten wir naturgemäß nicht mehr einladen, die heutige Ausgabe unserer Kleinen Zeitung mitzugestalten. Wir fanden jedoch 26 andere Zeichner für dieses äußerst spannende, exklusive Projekt.

Vielmehr: Sie fanden uns. Astrid Bernhard, Gerald Hartwig und Jörg Vogeltanz, die im Vorjahr am erstmals auch in Graz begangenen Zeichenfestival "The Big Draw" mitgewirkt hatten, traten in diesem Frühjahr mit einem ungewöhnlichen Gedanken an unser Blatt heran: Füllen wir doch am "Big Draw Day" die gesamte Kleine Zeitung nur mit Zeichnungen, gestaltet nach Fotos und Inseraten.

Gedacht, getan! Die Begeisterung auf beiden Seiten war sofort riesengroß, wobei Illustrator und Comiczeichner Vogeltanz gestern gestand: "Wir dachten damals, Fragen kostet nix, waren aber eigentlich überzeugt: Viel zu teuer! Viel zu kompliziert! Die trauen sich das nie!"

Nun, das Trauzeugnis halten Sie heute in Händen – die unseres Wissens nach erste gezeichnete Tageszeitung weltweit. Ein aufwendiges Abenteuer, für das es natürlich auch viel Vorbereitung bedurfte: Mehrere Projektsitzungen waren nötig. Bei Fotografen und Fotoagenturen mussten die Genehmigungen eingeholt werden, Illustrationen nach ihren Bildern machen zu dürfen. Und Werbekunden wurden gezeichnete Alternativen zu ihren Inseraten angeboten; BMW war von dem Vorentwurf übrigens so angetan, dass man gleich eine ganze statt einer halben Seite buchte.

Tag X

Gestern dann der Tag X. Denn obwohl sie schon seit Mittwoch einige Anzeigen oder vorproduzierte Beilagen- und Regional-Geschichten illustrieren konnten, müssen die kreativen Köpfe – von der 15-jährigen Ortwein-Schülerin über den versierten Hochschullehrer bis zur Industrie-Graphikerin – sozusagen al fresco auf die Nachrichtenlage und das aktuelle Tagesprogramm reagieren. Neben den 20 Zeichnern im neuen Styria Media Center, dreien in der Klagenfurter Redaktion und einem weiteren Trio, das aus Leipzig, Linz und Graz seine Arbeiten zuliefert, sind in dem zur Kunstwerkstatt mutierten Konferenzraum noch einige andere bekannte Kollegen zu Gast: Apple und Xerox, Uhu und Tixo, Kreide und Edding, Bleistift und Radierer, Leuchttisch und Transparentpapier, Pelikan, Jolly und Faber-Castell . . .

Flohzirkus

Von der Redaktion wuseln Koordinator Rudi Raunig und Art Director Erich Repe ständig zwischen Newsroom und Zeichentisch hin und her. Kunstvermittlerin Astrid Bernhard schwärmt als Bändigerin des Flohzirkusses vom "guten, verlässlichen Team, wie gut alles ineinandergreift", und ordnet alles herrlich gelassen. Und Gerald Hartwig freut sich auf die Überraschung für unsere Leser: "Zeichnungen sind ja abstrahierte, essenzierte Alternativen zum täglichen Strom an Bildern". Das sieht auch Mediendesigner Roman Klug so und ergänzt mit der Tuschefeder in der Hand: "Fotos sind sehr schnell oft nur vermeintliche Beglaubigungen von Wirklichkeit. Zeichnungen bieten den Betrachtern eine neue, andere Form, sich mit Realität auseinanderzusetzen".

Jörg Vogeltanz wird gerade mit dem Bild für die Story zum Jungbauernkalender fertig: "Ich bin vermutlich der Erste, der eine Nackte in der Kleinen Zeitung unterbringt", lacht er. Aber es gibt da ja auch noch die unter Künstlern wie Journalisten bekannte Erotik der letzten Sekunde . . .
Nein, Paul Klee, Spaziergang war das keiner! Eher schon ein Marathon. Doch um 22.30 Uhr, im letzten Abdruck, beim ersten Andruck, sind alle im Ziel. Zufrieden, glücklich – und gezeichnet.

MICHAEL TSCHIDA

Kommentare (5)

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Dirk12
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Wieso erscheinen meine Kommentare nicht?

Sind in keiner weise diskriminierend. Kann es sein, daß nur positive Meinungen durchgelassen werden?

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neverthesame
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Meldungen aus Entenhausen dauern eben

Oder doch lieber Susi und Strolchi?

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Dirk12
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Hoffentlich bleibt das ein Einzelfall mit den teilweise schaurigen Zeichnungen!

Ganz besonders grauslich sind die Portrait mit den Legosteinen als Zähne im Mund mit ausreichend Zwischenraum - grusel!

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Momi60
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Sehr überrascht...

Hab heute Stundenlang die KLEINE - nicht nur gelesen - angeschaut. Ist mir natürlich gleich aufgefallen und ... sehr gute Leistungen.

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Dirk12
2
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Na hoffentlich bleibt das ein Einzelfall!

Besonders abstoßend finde ich die Portraits mit den Dominosteinen als Zähne mit ausreichend Zwischenraum.
Also eine total entbehrliche Aktion!

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