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Kärntnerin des Tages

Musikexpertin mit reichlich Munition

Walburga Litschauer nimmt als Obfrau des Carinthischen Sommers die Kurve zum finanziellen Engpass und schlüpft in die Rolle der Netzwerkerin.

„2016 wird es viel mehr Kooperationen mit dem Land geben“, ist die Obfrau des Carinthischen Sommers, Walburga Litschauer, überzeugt
„2016 wird es viel mehr Kooperationen mit dem Land geben“, ist die Obfrau des Carinthischen Sommers, Walburga Litschauer, überzeugt © Wolfgang Jannach
 

Ein kurzer Blick auf ihre „Pensionisten-Homepage“ zeigt: Fad wird Walburga Litschauer nicht werden. Die Schubert-Expertin hat sich zwar nach 34 Jahren von ihrer Arbeitsstelle an der Akademie der Wissenschaften in den Ruhestand zurückgezogen, ist aber außerstande, Ruhe zu geben. „Ich habe mir das auch anders vorgestellt“, räumt sie ein.

Als Obfrau des Festivals Carinthischer Sommer ist die 60-Jährige in der letzten Saison von Intendant Thomas Daniel Schlee voll im Konzertstress, gleichzeitig spielt sie mit Schlee-Nachfolger Holger Bleck Ideen für 2016 durch. „Das ist wie Ping-Pong zwischen uns“, sagt Litschauer.

Zur Person

Walburga Litschauer, geboren am 15. Oktober 1954 in Klagenfurt. 1979 Staatsprüfung Klavier. Die Musikwissenschafterin war von 1980 bis 2014 Leiterin der Arbeitsstelle „Neue Schubert-Ausgabe“ an der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Weiters: 1998-2012 Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Musik, seit 2010 Obfrau des
Festivals Carinthischer Sommer. Diplomierte Forstwirtin (Abschlussarbeit „Jagdmotive in den Werken Schuberts“); mehrfach ausgezeichnet (u. a. Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst).

Dem Kärntner Musikfestival ist die Tochter des Industriellen Valentin Leitgeb (Plattenwerk in Kühnsdorf) seit der Kindheit verbunden: „Als Zehnjährige habe ich beschlossen, Musik zu studieren. 1969 habe ich für Friedrich Gulda in Ossiach Sessel geschleppt. Beim legendären Konzert von Wilhelm Backhaus im ersten Carinthischen Sommer durfte ich auch dabei sein.“ 1988 bis 2003 hat Walburga Litschauer für Intendantin Gerda Fröhlich die Schuberttage wissenschaftlich betreut, zuvor, bei Intendant Helmut Wobisch, „waren wir zahlende Gäste und sind immer von Kühnsdorf nach Ossiach ins Konzert gefahren,“ erinnert sie sich.

Zahlende Gäste sind ihr ohnehin ein besonderes Anliegen: „Wir müssen versuchen, aus unseren Stammkunden Förderer zu machen“, hat Litschauer sich als Stipendiatin für einen Fundraising-Kongress beworben. Um den Carinthischen Sommer unabhängiger von öffentlichen Geldgebern zu machen, wird die Obfrau ab Oktober die Schulbank drücken. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür“, ist sie überzeugt. Mit dem Intendantenwechsel sei vieles im Umbruch. Dass sie zum Neuen einen guten Draht hat, verhehlt Litschauer nicht: Holger Bleck lege Wert auf stärkere Zusammenarbeit mit dem Vorstand.

Schießstand

Auf der „Pensionisten-Homepage“ steht auch „Akademische Jagdwirtin“. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: Weil sie sich „richtig“ um das von den Eltern geerbte Forstgut auf der Saualpe kümmern wollte, reduzierte Litschauer ihre Tätigkeit an der Akademie der Wissenschaften auf 50 Prozent, um sich auf die Jagdprüfung vorzubereiten. „Ich dachte ja nicht, dass ich begabt bin. Mir hat vor Waffen gegraut, nach dem Tod meines Vaters habe ich alle Jagdgewehre weggegeben“, erzählt sie – und traf am selbst gebauten Schießstand gleich beim ersten Versuch auf 100 Meter ins Schwarze: „Kugelschuss war für mich nie ein Problem, mit der Schrotflinte habe ich halt geübt.“ Das war 2008, im Jahr darauf folgte die Jagdprüfung. Und – getreu ihrem Motto „Wenn man selbst weiß, wie es geht, ist das immer besser“ – ein Lehrgang für Jagdwirtschaft an der Universität für Bodenkultur. Bei ihrer Abschlussarbeit „Jagdmotive in den Werken Schuberts“ konnte sie so richtig aus dem Vollen schöpfen.

Für ein Foto in der Bibliothek im Klagenfurter Elternhaus schnappt sie sich auch gleich eine ihrer Schubert-Publikationen und erzählt von den Schätzen, die sie in dem Haus so nach und nach entdeckt. Etwa Glasplattenbilder von 1890, als die Brüder Pichler (auch Besitzer des Klagenfurter „Tigerwirt“) das kleine Anwesen am Völkermarkter Ring erworben haben. Die Edition der Tagebücher von Joseph und Friedrich Pichler zählt zu Litschauers nächsten Projekten, ebenso die Erforschung der Grundbesitzgeschichte des Forstgutes auf der Saualm von 1938 bis heute.

Von einer kurzen Ehe blieb nur der Nachname und Litschauers Überzeugung, „dass alles im Leben einen Sinn hat“. Sie sei ein „empathischer Mensch“, mit der großen Leidenschaft, „immer etwas Neues zu lernen“. Dafür hält sie sich fit, geht in Wien zweimal pro Woche ins Pilates-Studio, steigt in Klagenfurt zügig die Stiegen in den ersten Stock hinauf und herunter und schwimmt überall, wo Wasser ist: „Ich liebe alle Kärntner Seen.“

Die gute Kondition wird die Musikexpertin brauchen: Als Netzwerkerin für den Carinthischen Sommer hat Walburga Litschauer „eine Rolle übernommen, die ich nie als meine gesehen habe".

USCHI LOIGGE

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