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ATV-Moderator Thür

"Heulend wird niemand davonlaufen"

Am Montag startet bei ATV die politische Diskussionssendung "Klartext" mit Martin Thür. Um mehr Substanz in die Gespräche zu bringen und keinen Live-Zwängen zu unterliegen, wird aufgezeichnet.

© ATV/Kainerstorfer
 

"Ich bin jemand, der Dinge gerne selber macht", sagt Martin Thür, weshalb der 32-Jährige den von ihm selbst konzipierten neuen Polit-Talk "Klartext" auch gleich selbst moderiert. Seit zwölf Jahren arbeitet der St. Pöltner in der Nachrichten-Redaktion von ATV. Ab nun lädt er immer montags Politiker und Entscheidungsträger aus allen Bereichen zu ausführlichen Gesprächen. In der ersten Ausgabe der aufgezeichneten Sendung gastieren (nacheinander) die Landeshauptleute Michael Häupl, Günther Platter und Josef Pühringer.

Während, wie Senderchef Martin Gastinger betont, die Diskussionssendung "Am Punkt" derzeit pausiert, startet morgen "Klartext". Was erwartet die Zuseher?

MARTIN THÜR: Wir wollen zeigen, dass politische Debatten auch anders stattfinden können. Was momentan bei den heimischen Sendern läuft, ist nicht schlecht, aber ich glaube, es gibt noch Platz für mehr. Es geht nicht darum zu sagen, dass alles furchtbar ist, was bisher da ist, und wir nun alles viel besser machen - wir werden es nur anders machen.

Sie treffen Politiker zu ausführlichen Gesprächen und schneiden diese Interviews für "Klartext" zusammen. Was ist denn daran so anders?

THÜR: Das gibt es so bislang noch nicht. 95 Prozent der Politikdebatten in Österreich finden live in einem Studio statt. Es gibt kein Format, das sich ein bisschen aus dem tagesaktuellen Spiel rausnimmt und etwas generellere Fragen diskutiert. Also Themen, die immer da sind, aber nie diskutiert werden können. Zum Beispiel weil die Protagonisten an TV-Talks nicht teilnehmen. Landeshauptleute kommen einfach nicht in eine Diskussionssendung und sprechen dort darüber, wie mächtig die Bundesländer sind. Wir gehen hingegen raus und besuchen die Politiker. Wir können anders debattieren, weil ich sie einfach ausreden lasse und nicht unterbrechen muss, weil die Sendezeit schon so knapp ist. Im Anschluss kann ich die journalistisch relevanten Dinge aus dem Gespräch rausholen.

Warum sollte der politikinteressierte Zuseher am Montag während der ZiB 2 vorzeitig auf "Klartext" schalten?

THÜR: So vorzeitig ist das nicht, wenn wir um 22.25 Uhr starten. Jedenfalls sollte er umschalten, weil ich mich im letzten halben Jahr an keine Sendung erinnern kann, in der drei Landeshauptleute interviewt werden. Platter, Häupl und Pühringer sprechen in der ersten Folge von "Klartext" auch sehr offen darüber, ob sie wirklich mächtig sind oder nur als mächtig wahrgenommen werden.

Der Titel "Klartext" ist aller Ehren wert, aber wie man in den letzten Jahren in Diskussionssendungen merkt, ist er Politikern nur schwer zu entlocken.

THÜR: Klar, das ist auch sicher eine Schwierigkeit bei Live-Sendungen und deshalb probieren wir es aufgezeichnet. Weil Politiker dann auch einmal aussprechen und ihre Gedanken zu Ende führen können. Dann kriegt man schon sehr gute Ansagen von ihnen. Aber natürlich darf man sich keinen Illusionen hingeben. Auch bei "Klartext" wird niemand heulend vom Interview davonlaufen oder seine Seele ausschütten.

An Ihrer Präsenz und Ihren Kommentaren auf Twitter, wo Ihnen rund 9500 Menschen folgen, sieht man, dass Sie ein Nachrichten-Junkie sind. Blicken Sie ab und zu neidvoll zu Puls 4, wo es mehr News-Flächen gibt als bei ATV?

THÜR: Die Kollegen machen einen guten Job, aber ich darf auch nicht ohne Stolz sagen, dass "ATV Aktuell" einen weit höheren Marktanteil hat als die Nachrichten bei Puls 4 (Anmerkung: Im Schnitt sehen die ATV-Nachrichten 116.000 Zuschauer). Ich glaube eher, dass die Kollegen neidisch zu uns schauen.

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