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Floristenlehre für eine rosige Grazer Zukunft

In unserem dritten Teil der Lehrlingsserie ging es für die Schüler einer vierten Klasse des BG Rein ins Unternehmen „Blumen Posch“. Dort lernten sie den Lehrberuf des Floristen näher kennen.

Durch die Blume gesagt: Die Schüler erhielten einen Einblick in den Lehrberuf des Floristen © Linni
 

Die Gebäude rund um den Bahnhof in Gratwein (Graz-Umgebung) sind in ein herbstliches Nebelgrau getaucht, in der Luft liegt ein kaum spürbarer Nieselregen. Ein tristes Sinnbild des Novembers. Sobald man aber über die Türschwelle des Blumengeschäfts „Posch“ tritt, zaubern einem der Duft, die bunte Farbpalette und das freundliche Personal ein Lächeln ins Gesicht - da kann es draußen noch so grauslich sein.

Das fällt auch der 4b-Klasse des BG Rein sofort auf. Gemeinsam mit Klassenvorstand Katharina Schwaiger verstauen die Kinder ihre Schultaschen hinter der Theke, verteilen sich quer durch den Verkaufsraum, schnuppern an den Blumen und begutachten die Pflanzenvielfalt. „Hier taugt's mir“, merkt eine Schülerin strahlend an.

Auch wenn viele womöglich noch nicht an einen Lehrberuf in der Floristik gedacht haben - das ändert sich an diesem Tag. Spätestens, als Geschäftsleiterin Christina Posch das Zepter in die Hand nimmt und mit der Führung durch den Betrieb beginnt: Schließlich kommt es nicht oft vor, dass, wie die Schüler jetzt, vor Jahren Lehrerin, Geschäftsleiterin und Reporter in dieselbe Schule in Rein gegangen sind. An Gesprächsstoff mangelt es daher nicht.

„Viel Platz haben wir zwar nicht“, lacht Posch, „wir haben bald unsere alljährliche Adventausstellung, da herrscht hier immer Chaos.“ Aber die Jugend sucht sich schon einen freien Raum: Überall tauchen plötzlich Köpfe zwischen den Rosen, Tulpen und Blumenvasen auf - aufmerksam der Stimme der Floristin lauschend.

"Menschen ein Leben lang begleiten"

Sie erzählt von der Lehre, vom Einstiegsgehalt, den drei Lehrjahren und was da auf einen so zukommt (siehe Infobox unten). Dann wird das Gespräch zwischen Posch und den Kindern philosophisch, denn wie in vielen anderen Branchen scheint auch hier eine Frage besonders interessant: Was ist eigentlich das Schönste an diesem Beruf?

Die Floristin strahlt, zeigt zuerst ohne Worte auf das bunte Blumenmeer und beginnt anschließend von den einzigartigen Momenten des Berufs zu erzählen: vom Kundenkontakt, vom Betreuen etlicher Hochzeiten und von einzigartigen Taufen. Gerade bei Trauungen sei es unbeschreiblich toll, die Menschen an ihrem selbst ernannten „schönsten“ Tag zu begleiten.

Daten & Fakten zur Gärtner-/Floristenlehre

Floristen stellen Gestecke und Kränze her und verkaufen Schnittblumen und Topfpflanzen, kreieren Sträuße, dekorieren Auslagen von Blumenhandlungen, beraten Kunden über Art, Haltbarkeit und Pflege von Schnittblumen und Topfpflanzen.

Gärtner gestalten und pflegen Park- und Grünflächen sowie Grabstätten oder Golfplätze, züchten, kultivieren und setzen Zierpflanzen, Schnittblumen und Topfpflanzen.

Lehrzeit: drei Jahre, bei Doppellehre vier Jahre.

Berufsschule: Floristen: Wien-Donaustadt, Gärtner: Großwilfersdorf.

Lehrlingsentschädigung Florist: Sie beträgt 427 Euro im ersten, 542 Euro im zweiten und 685 Euro im dritten Lehrjahr laut Kollektivvertrag. Die Lehrlingsentschädigung für Garten- und Grünflächengestaltung beträgt 541 Euro im ersten, 755 Euro im zweiten und 1045 Euro im dritten Lehrjahr laut Kollektivvertrag (alles brutto).

„Ist das nicht eher ein Frauenberuf?“, will ein Mädchen wissen. Die Vermutung liegt nahe, denn auch vor Ort sind ausschließlich weibliche Bedienstete um Kunden und Pflanzen bemüht. „Wir haben einen sehr hohen Frauenanteil - das stimmt absolut. Allerdings hört man immer wieder das Klischee, Männer seien die besseren Floristen. Da ist auch ein Quäntchen Wahrheit dran“, meint die studierte Juristin mit einem leichten Augenzwinkern.

Auch das dürfte nicht von ungefähr kommen: So präsentieren sich auch die Buben als äußerst geschickt und begeistert beim abschließenden Blumenstraußbinden. Und eines steht am Ende für alle unisono fest: Ein Blumenstrauß ist schnell gemacht, es klingt auch so einfach. Macht man sich aber tatsächlich über Farb- und Pflanzenkonzepte genaue Gedanken, ist da einiges dahinter.

Interview

Floristin Christina Posch über Höhen und Tiefen. Foto © Posch

Frau Posch, Sie sind Geschäftsführerin eines Familienunternehmens. Was zeichnet Ihren Betrieb aus?

CHRISTINA Posch: Wir verfolgen eine gewisse Philosophie. Bei uns im Geschäft bekommen Kunden keine Massenware. Jedes Stück wurde sorgsam ausgewählt und hergestellt. Wir haben außerdem die Möglichkeit, sämtliche Pflanzen in der geschäftsnahen Gärtnerei herzustellen. Wir beraten unsere Kunden, wie man die Pflanzen artgerecht pflegt. Schließlich braucht ein Kaktus eine andere Pflege als ein Oleander.

Was zeichnet einen guten Floristen aus?

In diesem Beruf kommt man viel mit Menschen in Kontakt. Ich sage immer: Man begleitet sie ein Leben lang, ist bei allen Höhen und Tiefen dabei. Von der Taufe über die Hochzeit bis zum Ableben. Den oft sehr schwierigen Kundenkontakt einfühlsam zu pflegen und zu gestalten, ist wohl eine der zentralsten Fähigkeiten eines guten Floristen.

Gibt es dabei auch negative Seiten?

Selbstverständlich. Wann brauchen die Leute Blumen? Richtig, an Feiertagen oder zu Festlichkeiten am Wochenende. Das heißt, an diesen Tagen, an denen andere freihaben, müssen wir oftmals arbeiten.

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