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Grenzgänger„Es soll sich nicht wie Arbeit anfühlen“

Die Innovationstreiber von CodeFlügel haben ein IT-Unternehmen aufgebaut, das wie Google tickt, aber in der Welt der Babyboomer agiert. Claus Degendorfer erklärt, wie seine Arbeitswelt funktioniert.

© Jürgen Fuchs
 

Alles scheint in Bewegung zu sein. Kein Wunder, man siedelt. CodeFlügel bezieht neue Räumlichkeiten, der Spirit ist hier trotzdem schon greifbar. Jung, urban, innovativ, man hat in den letzten Jahren Kunden wie Henkel, ÖBB, ÖAMTC, Internorm oder Zeiss betreut und ist führender Anbieter von Augmented-­Reality-Systemlösungen. Bezeichnend: Die digitale Welt trifft auf die analoge, man wandelt zwischen Welten und über deren Grenzen, bringt die reale in eine virtuelle Welt. In Sachen Konzeption, Programmierung, Systemlösungen. Das heißt: Überzeugungsarbeit leisten, auch bei den Babyboomern.

Claus Degendorfer hat CodeFlügel aufgebaut, die Firmenphilosophie ist ein Resultat eigener Erfahrungen: „Ich habe die HAK gemacht, dann kurz in einem Konzern gearbeitet. Ganz klassisch. Ich habe aber schnell gewusst, in einem solchen Umfeld will ich nicht arbeiten. Die Menschen wurden zu Robotern, viele habe ich kein einziges Mal lachen gesehen. Aus meiner Sicht ein ­extrem menschenunfreundliches System, da ist es jede Woche nur um Zahlen gegangen. Aber überhaupt nicht um Menschen.“

Claus Degendorfer: "Wenn ich als Chef den ­ganzen Tag wie ein aufgescheuchtes Hendl durchs Büro renne, wird sich keiner zu mir trauen. Die Probleme werden dadurch nur größer." Foto © Jürgen Fuchs

Dann studierte Degendorfer Software und Wirtschaft, jobbte in einem Start-up und in kleineren Firmen. „Da habe ich mir gesagt, das mache ich gleich selbst. Weil ich Sachen gesehen habe, die mir nicht gefallen haben: Zu wenig Struktur, es wurde zu wenig geredet und dadurch, ohne voneinander zu wissen, an den gleichen Projekten gearbeitet.“ Er entschloss sich, selbst eine Firma zu gründen. Mit einem klaren Bild: „Es ist nicht die Digitalisierung per se, die die Veränderung in die Arbeitswelt bringt. Es ist die Art, wie man durch die Digitalisierung anders arbeiten kann.“

„Wenn Leute zu uns kommen, dann soll es sich nicht wie Arbeit anfühlen“, wird Degendorfer später erzählen. „Ich will nicht, dass man sich die ganze Woche aufs Wochenende freut und gesagt wird, montags ist alles wieder schlecht. Dann wäre die Zeit, die man hier verbringt, schlecht genutzt. Der psychosoziale Gesundheitsaspekt ist für mich genauso wichtig. Man soll sich in der Arbeit nicht verstellen müssen.“

Seine Firmenphilosophie geht sogar noch weiter: „Die Menschen arbeiten mehr, wenn sie nicht Dienst nach Vorschrift machen, sie bringen proaktiv ­Ideen. Wir haben uns darauf fokussiert, dass sie eigene ­Ideen entwickeln.“ Und sie dann auch extern in Spinn-offs weiterentwickeln.

Wichtig sei vor allem, dass es „passt“. Bestimmte Fähigkeiten könne man „nachtrainieren“, nicht aber Teamfähigkeit, Lernbereitschaft und Zuverlässigkeit – „damit kann man alles aufbauen“. CodeFlügel-Mitarbeiter erwartet ein anderes Arbeitsumfeld, in dem man sich wohlfühlen soll – aber es gibt, und das wird ausdrücklich betont, keine Wohlfühloase. Die Ansätze: Männerkarenz? Ja, erwünscht. Kreativtag in der Woche? Ja, inklusive, mit unterschiedlichsten Themenfeldern, auch abseits der Jobs.

Flexible Arbeitszeiten sind ebenso selbstverständlich wie ein Begleitprozess für neue Mitarbeiter inklusive persönlichen Mentors. Wenn der/die Neue fix ist, dann wird er/sie mit einem Codeprügel (ein Baseball­schläger, den der Chef von den Mitarbeitern geschenkt bekam, bevor falsche Assoziationen entstehen) zum ­CodeFlügel-Ritter geschlagen.

Das hat etwas Verspieltes, Verbindendes, es setzt andere Reize, genauso wie Degendorfers Konferenzidee. Jeder sucht sich einen Kollegen und sagt etwas Positives zu dessen Arbeit. „Weil, seien wir uns ehrlich: Wir reden zu oft über negative Eindrücke.“ Der Chef sieht sich als Coach, als Verbesserer, der Konflikte auch vom Team lösen lässt. „Dieses „Auf-den-Tisch-Hauen“ des Chefs passiert meistens, wenn es schon zu spät ist. Das brauche ich nicht.“

Es muss manchmal ein Culture-Clash sein, wenn Degendorfer mit seinem Team auf Kunden trifft und Augmented-Reality-Konzepte entwirft. „Wir haben es mit Führungskräften zwischen 30 und 60 zu tun und dabei die Erfahrung gemacht, dass viele sich mit dem Themenkomplex beschäftigen, aber die wenigsten wissen, wo sie starten sollen. Wir versuchen deshalb, die Ängste zu nehmen, ermitteln eine Wissensgrundlage, damit die Führungskräfte entscheiden können. Es ist ja unsere Aufgabe, eine realistische Erwartungshaltung zu schaffen.“ Die Kernfrage bleibt: „Sind deine Mitarbeiter und deine Kunden schon bereit, so etwas zu nutzen? Man darf auch die sozialen Aspekte nicht vergessen, die so eine digitale Veränderung mit sich bringen. Für Mitarbeiter wie für die Kunden.“ Bei den Babyboomern ortet er ein „anderes Projektmanagement“ als in der Softwarebranche üblich. „Wir legen am Anfang grob fest, wohin die Reise geht, erarbeiten aber erst am Weg die Problemlösungen.

Damit können Babyboomer manchmal schwer umgehen aus meiner Sicht. Das sind sie nicht gewohnt.“ Den Bau einer Brücke könne man klar planen, aber nicht eine Software. „Es kann sein, dass wir für drei Jahre alles planen, aber am Ende die Annahmen nicht mehr stimmen, weil sich die Rahmenbedingungen in der Digitalisierung so schnell ändern. Damit wir das umsetzen können, braucht es eine Bereitschaft zur Veränderung.“

CodeFügel ­

Österreichs führender Anbieter von Augmented-­Reality-Systemlösungen.

Kernkompetenzen in Konzeption, Programmierung und Betreuung von Augmented-­Reality-Anwendungen.

Weitere Kerngebiete: Erstellung von mobilen Apps, die Programmierung von Spezialsoftware für die Industrie, komplexe Weblösungen etc. Kunden: Henkel, Internorm, ÖBB, ÖAMTC ...

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