Bezirk LeobenIm Sommer steigt die Leselust

Inwiefern ändert sich das Leseverhalten der Bürger aus der Region mit der Zeit? Vier lokale Büchereileiter schildern ihre Sicht.

Erich Bretterbauer mit Hund Luca, der Kinder zum Lesen animieren soll © Freisinger
 

Bis ins Unendliche ragende Holzregale wurden zu niedrigen, für den Steirer mit Durchschnittsgröße problemlos erreichbaren Bücherkästen. Eingerahmte Schilder, auf denen die Imperative „Ruhe!“ und „Nicht essen!“ in plakativen Buchstaben thronten, verwandelten sich in farbenfrohe Kindergemälde, die den Raum lebendiger gestalten. Strenge Holztafeln wichen bunten Sitzecken, die zum Herumlungern und entspanntem Lesen einladen.

In einem Punkt sind sich die Bücherleiter aus Leoben, Eisenerz, Kalwang und Trofaiach einig: Die Büchereien der Region haben sich in den vergangenen Jahrzehnten einem Wandel unterzogen. Doch nicht nur verwandelten sich Prunksäle mit dem Zweck der Machtdemonstration in „Stätten der Begegnung“, wie Helena Friedl, Trofaiacher Bücherleiterin, es auszudrücken pflegt. Nein, auch das Leseverhalten der Menschen aus der Region habe sich geändert.

Jugend liest weniger Bücher

Der sich selbst als Berufs-Dinosaurier bezeichnende Erich Bretterbauer, Leiter der Stadtbücherei Leoben, gibt an, dass bei seinem Karriereantritt vor 40 Jahren noch deutlich mehr Leobener gelesen hätten als heute. Ingrid Stangl, die seit der Jahrtausendwende als Bücherleiterin von Eisenerz agiert, ist derselben Ansicht: „Besonders die Jugend liest viel weniger Bücher als noch vor zwanzig Jahren.“

Schuld dran? Bretterbauers Theorie: Die gesellschaftspolitische Entwicklung. Berufliche Anforderungen seien gewachsen, Eltern kämen geschlauchter heim, zu müde, um sich einer Abendlektüre hinzugeben, geschweige denn ihren Kindern eine Geschichte vorzulesen. Dabei sei es besonders wichtig, die junge Generation zu lesefreudigen Menschen zu erziehen: „Jugendliche sind die späteren Leser“, so Martha Gutschi, die seit 17 Jahren die Bücherei in Kalwang leitet.

Der Wandel in Richtung digitale Medien, Internet und E-Reader lassen die Prunksäle von früher in immer weitere Ferne rücken. Elektronische Bücher müssen schließlich nicht mit Samthandschuhen angefasst werden. Fixer Bestandteil sind die E-Books bereits im Inventar der Büchereien Leoben und Trofaiach.

„Ob die Bürger der Region tatsächlich weniger lesen, oder einfach nur auf andere Medien umgestiegen sind, kann ich natürlich nicht sagen“, lenkt Stangl ein. „Der Großteil meiner Kunden ist allerdings nicht interessiert an einem Hörbuch oder E-Reader, denn Eisenerz ist eine sehr überalterte Stadt.“

Sommerlektüre

Hoffnungslose Ausschau nach einem 20 bis 30-Jährigen, der sich in die Räumlichkeiten ihrer Bücherei verirrt, halten alle vier Bibliothekare. Wird die Region allerdings von sommerlichen Temperaturen heimgesucht, macht sich in deren Bewohnern die Lust auf leichten Sommerlektüren-Lesestoff breit.

Obwohl sonst besonders beliebt bei Männern, würden in der Sommerzeit fast keine Sachbücher oder Biografien ausgeliehen werden, so Gutschi. Sie weichen Krimis, Thrillern und Strandlektüren. „Man merkt besonders von Mitte Juni bis Ende September, dass Mamis, Papis und Kinder Ferien haben. Das sind bei uns die umsatzstärksten Monate“, erklärt Bretterbauer. Friedl gibt an, dass in der Stadtbücherei Trofaiach im Juli und August statt 1900 monatlich um die 2900 Bücher ausgeliehen werden.

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