KarrierewegeDie Lehre als Einstieg in den Aufstieg

Eine Lehre kann erste Sprosse einer Karriereleiter sein, die nach oben keine Grenzen kennt. Zwei Beispiele für erfolgreiche Berufswege in steirischen Weltkonzernen.

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Alles, was hier produziert wird, wird von uns kontrolliert“, umreißt Belinda Pösendorfer ihr Aufgabengebiet am Standort Breitenau des Feuerfestkonzerns RHI Magnesita. Es ist eine facettenreiche Tätigkeit in einem Unternehmen, das in seinem Bereich Weltmarktführer ist. Produziert werden unter anderem aus Magnesit, Dolomit und aus verschiedenen Silikaten gefertigte Steine, mit denen Hoch- und Schmelzöfen der metallverarbeitenden sowie Zement- und Glasindustrie ausgekleidet werden. Die Steine müssen Temperaturen von bis zu 1200 Grad Celsius aushalten. Produktionsfehler hätten fatale Folgen. Daher spannt sich über den Gesamtprozess vom Bergbau bis zum Brennprozess ein engmaschiges Kontrollnetz.

Seit drei Jahren Leiterin des Qualitätsmanagements

Für dieses Qualitätsmanagement ist in Breitenau ein 15-köpfiges Team zuständig, das Pösendorfer seit drei Jahren leitet. Mit erst 27 Jahren hat sie einen raschen Aufstieg innerhalb des Unternehmens hinter sich. Nach Volks- und Hauptschule und einem Jahr Handelsakademie begann sie vor zwölf Jahren eine Lehre zur Chemielabortechnikerin. Nach im Eilzugtempo in eineinhalb Jahren durchgezogener Abendmatura, einer internen „Werksakademie“ und einem sechswöchigen Praxisaufenthalt in einem RHI-Schwesterwerk in der Türkei übernahm sie zunächst die Leitung der Lehrlingsausbildung, bis ihr 2015 die Führung des Qualitätsmanagements anvertraut wurde.

Wie in der Produktion gibt es in der Abteilung einen durchgehenden Dreischichtbetrieb. Für Pösendorfer selbst beginnt der Arbeitstag üblicherweise bereits um halb sechs Uhr in der Früh. „Für mich ist es eine erfüllende Tätigkeit, es herrschen gegenseitiges Vertrauen und Respekt – einige meiner Ausbildner sind heute Mitarbeiter in meiner Abteilung – und eine gute Stimmung“, ist die Breitenauerin zufrieden.
Nicht nur familiär – Pösendorfers Vater, Bruder und Onkel arbeiten oder arbeiteten im Werk Breitenau – auch bergbautechnisch ist es geschichtsträchtiger Boden. Seit über eintausend Jahren wird in dem engen Tal am Fuße der Teichalm Bergbau betrieben, seit 1906 Magnesit abgebaut, verhüttet und für den weltweiten Versand aufbereitet.

"Jeder Tag bringt etwas Neues"

Im selben Jahr wird in Judenburg ein Walzwerk und ein Schmiedebetrieb gegründet – Grundstein der heutigen Stahl Judenburg, einem Industrieunternehmen, das seit 1995 zur deutschen GMH-Gruppe gehört. Am Standort in Judenburg werden unter anderem Kolbenstangen, Lenkungsteile und andere Komponenten für die Autoindustrie, Agrarwirtschaft, für Hebebühnen und Hubstapler gefertigt. „Es ist nie monoton, jeder Tag bringt etwas Neues und wir können mit unseren Kunden Produkte weiterentwickeln“, beschreibt Andreas Grassl den Reiz seiner Arbeit. Der 25-Jährige ist in der Großkundenbetreuung (Key Account) beschäftigt.

 

Andreas Grassl, Stahl Judenburg
Andreas Grassl, Stahl Judenburg Foto © Höfler

Wie Pösendorfer ist auch Grassl ein „Eigenbauspieler“ des Unternehmens. Aus dem Realgymnasium kommend ist er 2009 mit 15 Jahren als Industriekaufmann-Lehrling zur Stahl Judenburg gewechselt. – Mitten in der globalen Konjunkturkrise. Ein Glück für Grassl: „Das Unternehmen hat damals eine Weiterbildungsoffensive gestartet – davon habe ich profitiert.“ Aufbauend auf der Lehrausbildung absolvierte Grassl noch Spezialkurse und ist heute Teil eines internen Nachwuchsführungskräfte-Pools. Die Talenteförderung hat bei Stahl Judenburg Tradition. Jede fünfte Führungsposition ist mittlerweile mit ehemaligen Lehrlingen besetzt.

Das unterstützende, aber fordernde Umfeld („Man braucht Disziplin und Einsatzbereitschaft, muss reinbeißen, aber Projekte sind wie Babys und am Ende gibt es schöne Erfolge als Lohn“), die frühen Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen, und die Zusammenarbeit mit erfahreneren Kollegen schätzt Grassl besonders und wirbt für die Lehre als Sprungbrett. „Schade, dass einem in der Schule diese Optionen als Vorbereitung auf die Arbeitswelt nicht deutlicher aufgezeigt werden.“

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