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Forschung aus Kärnten„Gotteswerk“ mit Kärntner Beitrag

Das Fusionskraftwerk ITER in Südfrankreich könnte alle Energiesorgen lösen. Ein Kärntner Physiker plante maßgeblich mit.

Baustelle der Superlative: 5000 Menschen arbeiten am Kernfusionskraftwerk ITER
Baustelle der Superlative: 5000 Menschen arbeiten am Kernfusionskraftwerk ITER © KK
 

Die Kraft der Sonne soll uns aus der Klimakrise retten – aber nicht nur mit den bekannten Technologien Photovoltaik oder Solarthermie. Wenn es nach den Befürwortern des Mega-Projekts ITER geht, lassen sich die Energieprobleme der Menschheit lösen, indem man das Sonnenfeuer auf die Erde holt. Der alte Traum der Kernfusion, er bekommt neuen Antrieb in Südfrankreich.

Genauer gesagt im Kernforschungszentrum Cadarache, wo sich seit 2010 ein Versuchsreaktor in Bau befindet, dessen Gesamtkosten mittlerweile auf gut 20 Milliarden Euro geschätzt werden. Die Summe ist symptomatisch für den enormen Maßstab des ambitionierten Forschungsprojekts, das in den Medien zwischen „Höllenmaschine“ und „Gotteswerk“ verortet wird: 100.000 Kilometer supraleitende Kabel werden verlegt, der Fusionsreaktor im Zentrum der Anlage wiegt 23.000 Tonnen. 150 Millionen Grad Celsius werden im Inneren des Reaktors herrschen. Zehn Mal so heiß wie die Kerntemperatur der Sonne. Die enorme Hitze soll dazu führen, dass Wasserstoffatome miteinander verschmelzen und so Energie abgeben – derselbe Prozess, wie er im Inneren der Sonne stattfindet, nur eben gefangen zwischen kraftvollen Magnetfeldern, gut 200 Kilometer von Monaco entfernt. Die Projektbetreiber erhoffen sich, damit zehnmal mehr Energie zu erzeugen, als sie in die Anlage hineinstecken müssen. Eine Energieausbeute, die mit ähnlichen Anlagen überall auf der Welt machbar wäre.

Dementsprechend groß ist auch das weltweite Interesse, dieses Vorhaben voranzutreiben. Neben der EU arbeiten die USA, China, Südkorea, Japan, Russland und Indien an ITER mit. Bauteile dafür kommen aus allen Ecken und Enden der Welt, ebenso wie die derzeit rund 5000 Mitarbeiter, die sich mit Planung und Umsetzung des Jahrhundertprojekts beschäftigen. Rund 17 Jahre federführend beteiligt war der Klagenfurter Günter Janeschitz, der in dieser Zeit mehrere Führungspositionen innerhalb der internationalen Organisation bekleidete. 2018 ging der studierte Physiker und Experte für Fusionsenergie in Pension, ist aber weiterhin als Berater tätig und besucht die Baustelle in Frankreich mindestens zweimal pro Jahr. „Es gab viele technische und physikalische Hürden zu überwinden, auch die Koordination der einzelnen Mitgliederstaaten war eine Herausforderung. Daher wird es auch erst später fertig, als wir uns das gewünscht haben“, sagt Janeschitz. Tatsächlich könnte es bis 2070 dauern, bis Fusionskraftwerke alltagstauglich Strom liefern können.

Umstritten ist ITER nicht nur wegen Kostenexplosion und Zeitverzögerung. Kritiker sehen die Kernfusion als Sackgasse und wollen das Geld stattdessen in den Ausbau der bestehenden, verlässlichen Alternativenergien gesteckt sehen. Janeschitz gesteht ein, dass die schwerfällige internationale Organisationsstruktur von ITER nicht ideal sei, so ein großes Vorhaben voranzutreiben. Von der Sinnhaftigkeit des Projekts gibt er sich aber überzeugt: „Es ist trotz aller Probleme ein sehr lohnenswertes Projekt, da es die Grundlage legen wird, um eine sichere und nachhaltige Energieversorgung zu ermöglichen.“ Beweise soll ITER 2025 liefern, wenn zum ersten Mal Plasma in den Reaktor eingeleitet wird. Man wird sehen, ob dann die Sonne auf Erden scheint.

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