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Alpen-Adria-UniversitätMehr als zehn Minuten: Längere autonome Drohnenflüge ermöglichen

Ein Forschungsteam arbeitet daran, das autonome Fliegen von Drohnen in mehreren Etappen mit zwischenzeitlichen Ladephasen zu ermöglichen.

Christian Brommer
Christian Brommer © KK/Alpen-Adria-Universität/Müller
 

Zehn Minuten Flugzeit sind zu wenig für die allermeisten Anwendungen in der Praxis. Ein Team, bestehend aus Forschern der Universität Klagenfurt (AAU) und NASA-JPL/Kalifornien, arbeitet nun daran, das autonome Fliegen von Drohnen in mehreren Etappen mit zwischenzeitlichen Ladephasen zu ermöglichen. Die Ergebnisse hat Christian Brommer, Doktorand an der AAU, kürzlich in einer Publikation präsentiert.

Brommers Arbeit nimmt ihren Ursprung in seiner Zeit am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA am California Institute of Technology in Pasadena. Die dortigen Abteilungen für Agrarwissenschaften sowie Robotik für unbemannte Luftfahrzeuge arbeiten in einem Anwendungsfall zusammen: Landwirtschaftliche Nutzflächen sollen mit Helikopter-Drohnen und multispektralen Kameras an Bord abgeflogen werden. Die daraus gewonnenen Daten sollen es den Biologinnen und Biologen ermöglichen, den Zustand der Pflanzen festzustellen. Bisher wurden dazu stationäre Instrumente, die nur einen limitierten Bereich abdecken können und Kleinflugzeuge, die erhebliche Mehrkosten mit sich bringen verwendet, um diese Aufgabe zu lösen. Helikopter-Drohnen sind da eine agile und kosteneffiziente Alternative, haben jedoch einen Nachteil durch ihre Größe. Mit einer ungefähr smartphone-großen Batterie können diese Helikopter nur wenige Minuten lang fliegen.

Aufgabe des Forschungsteams war es nun, diesen Vorgang autonom ablaufen zu lassen. Die Helikopter-Drohne sollte während des Flugs selbst erkennen, wann die Batteriereserve zur Neige geht und rechtzeitig zu einer Ladestation zurückfliegen. Dort übermittelt der Bord-Computer die aufgenommenen Daten an eine Basis-Station, während der Helikopter automatisch aufgeladen wird. Danach sollte die Drohne zu einem neuen Flug aufbrechen können. Mit diesem Missionsschema kann ein landwirtschaftliches Feld in mehreren Etappen akkurat erfasst werden.

Herausforderungen

Damit dieser Ablauf gut funktioniert, gebe es verschiedene Herausforderungen, berichtet Christian Brommer: „Wir brauchen eine möglichst genaue Zustandsschätzung des Helikopters, damit er auch die ein Quadratmeter große Ladeplattform genau trifft. Dazu helfen uns Markierungen, die an der Ladeplattform angebracht sind. Diese werden von einer Kamera erkannt und ermöglichen somit eine genauere Navigation während der Landung. Für die Zustandsschätzung verwenden wir Algorithmen, die Informationen von mehreren Sensoren zusammenführen, um die bestmögliche Position des Helikopters zu bestimmen.“ Während Drohnen im Labor mit Hilfe von Motion Capture Systemen bereits sehr genau navigieren können, erschweren zahlreiche Faktoren wie Wind, Änderungen des Luftdrucks oder der Lichtverhältnisse für die Kameras, etc. im Außenbereich die punktgenaue Kontrolle über den Zustand. Hinzu kommt, dass die sonst übliche Positionsbestimmung per GPS nur eine Genauigkeit von ungefähr fünf Metern erlaubt.

Die Ergebnisse der Forschungsarbeit wurden nun kürzlich bei der international hoch renommierten Konferenz IROS (IEEE/RSJ International Conference on Intelligent Robots and Systems) und im Journal of Field Robotics (JFR) in einer Spezial Ausgabe zum Thema „Agrarwissenschaften und Robotik“ präsentiert.

Zur Person

Christian Brommer ist mittlerweile Stephan Weiss, den er vor Jahren im NASA Forschungszentrum in Kalifornien kennenlernte, an die Universität Klagenfurt gefolgt, um hier sein Doktorat zu absolvieren. Brommer ist in Werne, einer Kleinstadt im Nord-Westen von Deutschland aufgewachsen und der erste in seiner Familie, der einen Doktortitel anstrebt. „Das Leben am Land legte für mich auch viele Grundsteine in die Technik zu gehen und ich konnte immer auf die Unterstützung meiner Familie zählen“, erklärt er uns im Interview. Er studierte an der Fachhochschule Dortmund und kam als Masterstudent an das JPL. Aus dem anfänglichen Sechs-Monats-Vertrag wurden 3,5 Jahre, die ihn nachhaltig prägten: „Man arbeitet dort mit den jeweils Besten eines Fachs zusammen. Dadurch, dass so viel geballtes Wissen an einem Ort präsent ist, hat man das Gefühl, viel mehr Möglichkeiten zu haben.“ Stephan Weiss, Professor am Institut für Intelligente Systemtechnologien an der Universität Klagenfurt, gilt als federführend im Bereich der Zustandsschätzung von Unmanned Aerial Vehicles (UAV). In seiner Forschungsgruppe ist Christian Brommer nun bestens aufgehoben, um seine nächsten Schritte in der akademischen Welt zu machen.

Auf ein paar Worte mit ... Christian Brommer

Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftler wären?
Ich denke, ich wäre in diesem Fall trotzdem Ingenieur im Bereich der Elektrotechnik in einer Entwicklungsabteilung geworden, da mich dies von klein auf interessiert hat. Vor meinem Studium war ich auch als DJ unterwegs, jedoch habe ich das für mein Studium nicht weiterverfolgt.

Verstehen Ihre Eltern, woran Sie arbeiten?
Meine Familie hat ein sehr gutes technisches Verständnis. Wenn ich mein Forschungsthema schematisch beschreibe, versteht meine Familie sehr gut, woran ich arbeite.

Was machen Sie im Büro morgens als Erstes?
Ich starte meinen Laptop, hole mir in der Zeit einen Kaffee, checke meine E-mails für wichtige Informationen und gehe dann über zu meiner Aufgabenliste.

Machen Sie richtig Urlaub? Ohne an Ihre Arbeit zu denken?
Das ist in der Tat nicht einfach, ich würde gerne ja sagen, jedoch denke ich auch in meiner Freizeit über meine Arbeit nach. Wenn ich Urlaub mache, versuche ich, diese Zeit meiner Familie und meiner Freundin zu widmen, welche sehr gut darin sind, mich von der Arbeit abzulenken.

Was bringt Sie in Rage?
Nicht all zu viel, in der Regel bewahre ich meine Ruhe.

Und was beruhigt Sie?
Durch die Tatsache, dass ich in Kalifornien für 3,5 Jahre kaum Regen gesehen habe, beruhigt mich schlechtes Wetter momentan am meisten. Kochen und sportliche Aktivitäten helfen jedoch auch sehr gut.

Wer ist für Sie die/der größte WissenschaftlerIn der Geschichte und warum?
Für mich gibt es tatsächlich nicht „die eine Person“ die alles ermöglicht oder geändert hat. In meinem Themengebiet sind viele WissenschaftlerInnen an dem Fortschritt beteiligt. Wie Isaac Newton gesagt hat: „Standing on the sholders of giants“. Wir alle profitieren von den kleinen Schritten, die jemand vor uns gemacht hat. Ich kann allerdings sagen, dass mein erstes Robotik-Buch, das mich mehr in die Theorie gebracht hat, von Peter Cork war.

Worauf freuen Sie sich?
Wenn ein wissenschaftlicher Artikel angenommen/veröffentlicht wird, nachdem man viel Zeit und Arbeit in das Thema investiert hat. Der Abschluss eines solchen Teil-Abschnitts ist sehr erfreulich.

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